Korb Im Wald mit dem Jäger

Korb. Wildschweine, Rehe, Füchse, Dachse – sie alle leben im Korber Wald. Allzu selten begegnet man ihnen tagsüber, aber sie hinterlassen Spuren, die am Tag zu finden sind. „Sie sind überall, man muss nur genau hinsehen“, sagt Jagdpächter Mehrer. Doch wie sehen die Spuren eigentlich aus? Und was lässt sich aus ihnen ablesen?

Aufmerksam streift Martin Mehrer durch den Wald. Zweige knacken unter seinen Sohlen, Laub raschelt. Hin und wieder bleibt er stehen, lässt den Blick schweifen. Dann geht er weiter, mitten durchs Unterholz diesmal – Äste kratzen über die Ärmel seiner grünen Jagdjacke, Brombeerranken schlingen sich um Gummistiefel und Beine. Er hat etwas entdeckt: ein großes Loch, das Wildschweine auf der Suche nach Nahrung an einem Baum gegraben haben.

„Sie suchen dort nach Insekten und Mäusen“, erklärt Mehrer. Er ist Jagdpächter im Korber Wald. 400 Hektar groß ist sein Revier, 100 Hektar davon sind bewaldet. Fast täglich ist der 62-Jährige dort unterwegs, immer mit dabei ist Terrier Barney. Er ist ein echter Jagdhund – Stillsitzen ist nicht seine Paradedisziplin. „Barney ist zwar klein, aber nicht zu unterschätzen. Er hat schon so manchen Fuchsbau aufgestöbert und nimmt jede Fährte auf. Inzwischen ist er aber etwas ruhiger geworden“, berichtet Mehrer. Kein Wunder, der kleine wuschelige Kerl ist stolze zwölf Jahre alt.

Im normalen Leben ist Mehrer Maschinenbauingenieur und verkauft Alu-Felgen. Doch das Jagen liege bei ihm in der Familie, erzählt er. „Das ist sozusagen genetisch“, sagt er lachend. Auch sein 24-jähriger Sohn und seine beiden Brüder jagen. Seit zwei Jahren bejagt Mehrer nun das Korber Revier, unterstützt wird er dabei von drei Hilfsjägern. „Bei so einem großen Revier ist es gut, nicht alleine zu sein“, sagt er. Zudem sei es auch schön, gemeinsam auf die Jagd zu gehen. „Es geht mir dabei gar nicht in erster Linie ums Erlegen“, erklärt er.

Tiere zu beobachten, den Wald zu riechen und zu hören, das sei es, was für ihn die Faszination am Jagen ausmache. Besonders bei schlechtem Wetter, wenn niemand sonst unterwegs sei, fühle er sich eins mit der Natur. Ein Stück dieser Faszination wird auch an diesem stürmischen Nachmittag spürbar. Keine Menschenseele, so scheint es, ist bei diesem Wind im Wald unterwegs.

Mehrer zeigt auf eine Stelle auf dem Boden, an der mehrere etwa dreißig Zentimeter große, kreisrunde Löcher in der ansonsten geschlossenen Laubdecke zu sehen sind. „Das ist ein sogenanntes Rehlager“, erläutert der Jagdpächter. Dort haben Rehe sich Betten für die Nacht freigeschlagen – so heißt es in der Jägersprache.

Körperpflege am Malbaum

Ein Stück weiter steht ein Baum, dessen Wurzeln blankgescheuert sind. Diesen sogenannten „Malbaum“ nutzen Wildschweine – der Jäger bezeichnet sie als Schwarzwild – für ihre Körperpflege. Nach dem Suhlen reiben sie sich den Schlamm von der Haut und mit ihm die Parasiten. Weiter oben am Stamm haben die Hauer eines Keilers Spuren hinterlassen. „Die sind noch ganz frisch, das bedeutet, dass dieser Baum heute Nacht benutzt wurde“, sagt Mehrer.

Weiter auf der Spurensuche geht’s über einen Wildwechsel und vorbei an Brombeersträuchern. „Da sie immergrün sind, sind sie die perfekte Winternahrung für Rehe“, erklärt der Jagdpächter. Der Wegrand ist übersät mit sogenannten Bruchstellen – aufgewühlter Waldboden, in dem Wildschweine nach Insekten, Mäusen und anderen Leckerbissen gesucht haben. Zwischendrin finden sich Abdrücke von Hufen. Aber waren das nun Rehe oder Wildschweine? „Diese schmalen Abdrücke hier stammen von Rehen. Wildschweinhufe sind eher rund“, erklärt Mehrer. Wildschweine haben breitere Füße als Rehe.

Wildschweine sind Nomaden

Unterwegs zum nächsten Ort, den Mehrer kontrollieren will, wird schnell klar, wieso der Jäger einen Geländewagen fährt. So steil und huckelig geht es einen matschigen Weg hoch, dass sogar der Geländewagen schließlich aufgibt. Es geht weiter zu Fuß. Das Ziel: ein abgelegener Hang, an dem sich oft Wildschweine suhlen. Tatsächlich wird Mehrer dort an diesem Tag fündig: zwei große, mit Regenwasser gefüllte Suhlstellen von jeweils circa zwei Metern Länge und einem Meter Breite. „Das Wasser ist noch braun, da wurde heute Nacht gebadet“, weiß Mehrer. Gleich daneben haben die Wildschweine den Boden um einen vermoderten Baumstumpf herum etwa einen halben Meter tief aufgegraben.

„Hier hält sich das Schwarzwild besonders gerne auf. Wildschweine mögen Wind nicht so gerne und auf dieser Seite des Bergs ist es windgeschützt“, erläutert Mehrer. Er erklärt weiter: Wildschweine sind Nomaden, sie legen pro Nacht bis zu 40 Kilometer zurück. Wenn es ihnen irgendwo zu ungemütlich wird, ziehen sie weiter. „Sie gehören zum sogenannten Wechselwild“, sagt er. Deshalb sei es auch so schwer, den Schwarzwildbestand in einem Waldgebiet zu bestimmen. „Letztendlich sieht man nur die Spuren. Aber ob die Wildschweine überhaupt noch im Revier sind, weiß man nicht“, sagt Mehrer. Sie könnten schon längst weitergezogen sein.

Die Bambi-Lüge

Von Rehen und Hirschen

Wer den Disneyfilm Bambi gesehen hat, weiß: Bambi ist ein niedliches Rehkitz mit großen Kulleraugen, sein Vater ein imposanter Hirsch mit mächtigem Geweih. Doch das ist eigentlich nicht ganz richtig. „Seit dem Film Bambi kursiert das weit verbreitete Missverständnis, dass der Hirsch der Papa vom Reh ist“, sagt Mehrer. Hirsche und Rehe, erläutert der Jagdpächter, hätten gar nicht viel miteinander zu tun. Beide seien zwar Wildarten und ähnelten sich zugegebenermaßen – aber sich untereinander paaren, das könnten sie rein genetisch schon gar nicht. Und auch optisch gibt es Unterschiede: Rehböcke – so heißt nämlich der Papa vom Reh – haben kleine Gehörne, Hirsche große Geweihe. Die Mama vom Hirsch heißt folglich auch nicht Reh, sondern Hirschkuh. Ebenso bei den Kindern gibt es übrigens Unterschiede: Rehe bekommen Kitze, bei Hirschen bezeichnet man die Jungen als Kälber.

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