Korb Kinderbetreuung in Containern?

Symbolbild. Foto: piyabay.com (CC0 Creative Commons)

Korb. Die Gemeinde hat zu wenige Plätze im Schülerhort. Sieben Kinder mussten zum Beginn des aktuellen Schuljahres abgewiesen werden, obwohl deren Eltern beruflich bedingt dringenden Betreuungsbedarf haben. Nun erwägt das Rathaus, am Schulstandort Kleinheppach Container zu errichten. Im Gemeinderat stößt das auf wenig Gegenliebe.

Noch haben Eltern rein rechtlich keinen Anspruch darauf, dass ihre Kinder auch betreut werden, wenn der Unterricht vorbei ist. Dieser Rechtsanspruch besteht nur für Kinder im Kindergartenalter. Am Selbstverständnis der Gemeinde Korb als familienfreundliche Kommune rührt es dennoch, wenn sie Eltern abweisen muss, die einen dringenden Bedarf an Kinderbetreuung haben. Bei sieben Familien war das zum aktuellen Schuljahr der Fall. Sie bekamen keinen Platz im Schülerhort in Kleinheppach. Betroffen waren auch Alleinerziehende.

Müller: Signal an die Eltern

Momentan ist im Schülerhort Platz für 25 Kinder. Nur an einzelnen Wochentagen können weitere aufgenommen werden. Im kommenden Schuljahr werden wieder circa 100 Kinder schulpflichtig werden. Bürgermeister Jochen Müller prognostiziert daher, dass sich die Situation noch weiter verschärft. „Wir gehen davon aus, dass der Betreuungsbedarf sich weiter erhöhen wird“, sagte er in der jüngsten Gemeinderatssitzung in der Alten Kelter. Die Gemeinde steht unter Handlungsdruck. Müller drängt auf eine rasche Lösung, er will auch an die Korber Eltern ein Signal senden: So machen wir weiter.

Voraussichtliche Kosten betragen circa 250 000 Euro

Deshalb möchte das Rathaus Angebote für „zusätzliche Räume für den Schülerhort in Container-Systembauweise“ am Schulstandort Kleinheppach einholen. „Nach groben Schätzungen betragen die voraussichtlichen Kosten circa 250 000 Euro“, heißt es in der entsprechenden Vorlage, mit der sich die Verwaltung vom Gemeinderat Grünes Licht geben lassen wollte. Der stimmte dem Antrag schließlich auch zu, allerdings unter der Voraussetzung, dass nicht nur Angebote für Container, sondern auch für Hort-Gebäude in Massivbauweise eingeholt werden.

Bürgervertreter: Container-Lösung klingt nach Notlösung

Denn in den Ohren der Bürgervertreter im Gremium klang die Container-Lösung wohl zu sehr nach einer Notlösung. Siegfried Äckerle (Freie Bürger) fragte, „ob man nicht für das gleiche Geld einen preiswerten Massivbau errichten könnte? Die Container kriegen wir in zehn Jahren nicht mehr los, dann sind sie kaputt.“ Martin Zerrer (CDU/Freie Wähler) empfindet die Container-Lösung als zu kurz gegriffen: „Für mich ist das eine kurzfristige Lösung, die müssen irgendwann wieder weg. Ich glaube, das ist eine dauerhafte Sache. Wir müssen irgendwann wieder richtige Kindergärten bauen. Der Kinderboom wird anhalten.“ In dieselbe Kerbe schlug auch Nicola De Vitis (FB): „Wir wollen das nachhaltig, für die Zukunft, Räume die wir auch variabel nutzen können. Wir kommen nicht umhin, neue Räume zu schaffen, die ich aber nicht im Container sehe.“ Martin Schwegler (CDU/FW) und Gerhard Brenner (Grüne) baten darum, auch einen Hort in Holzbauweise zu prüfen.

Liebhard: Klassenzimmer aufstocken

Der Kleinheppacher Ortsvorsteher Gerhard Liebhard favorisiert eine andere Lösung: Er schlägt vor, das „Neue Klassenzimmer“, den Anbau an die bestehende Schule in der Endersbacher Straße, um ein Stockwerk zu erweitern. Als dieser Anbau beschlossen worden sei, habe der Ortschaftsrat darauf bestanden, dass diese Aufstockung im Bedarfsfall möglich ist. Der Architekt habe das zugesichert. Seiner Ansicht nach fielen lediglich die Kosten für den neuen Raum an, die weitere Infrastruktur und der Zugang über einen bestehenden Flur dürften kein Problem darstellen. „Das war uns wichtig“, sagte Liebhard, der auch in Anbetracht neuer Wohnungen im Kleinheppacher Ortskern davon ausgeht, dass die Kinderzahlen weiter steigen werden.

Das Rathaus wird nun alle Möglichkeiten prüfen. Zudem will der Bürgermeister den Räten bald genauere Zahlen und Prognosen zur Kinderbetreuung in Korb vorlegen.


Personal wird aufgestockt

Korb wird der angespannten Personalsituation in der Schülerhort- und Kernzeitbetreuung Rechnung tragen und eine zusätzliche 100-Prozent-Stelle ausschreiben. Außerdem wird eine Hauswirtschaftskraft für die Mittagsverpflegung in der Kernzeit an der Urbanschule eingestellt. Das beschloss der Gemeinderat einstimmig. Für die Erzieherstelle werden 50 000 Euro Personalkosten jährlich fällig, für die Hauswirtschaftskraft 15 000 Euro.

Die zusätzliche Erzieherin wird unter anderem notwendig, weil es in der Kernzeit- und Schülerhortbetreuung an den beiden Grundschulstandorten mit 138 Kindern kein Vertretungsteam gibt. Im Krankheitsfall fehlt Personal. Ohne personelle Verstärkung könne „trotz überdurchschnittlichen Engagements“ der Mitarbeiterinnen „eine weiterhin qualitativ gute Arbeit nicht mehr geleistet werden“.

Bislang haben die Fachkräfte sich auch um das gelieferte Essen gekümmert, es ausgegeben, später abgespült und aufgeräumt. Damit sie entlastet werden, wird die Hauswirtschaftskraft eingestellt.

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