Korb-Kleinheppach Ärger wegen Hochzeitsfotos am Aussichtsturm

Parken am Turm „Fernsehen in Korb“ (Archivfoto von der Eröffnung) kann teuer werden. Ein Korber regt sich tierisch über Knöllchen auf, die wegen Hochzeitsfotos dort oben entstanden sind. Die Gemeinde hält dagegen. Foto: ZVW/Alexandra Palmizi (Archiv)

Korb-Kleinheppach. Weil die Tochter von Siegfried Wagner nach ihrer Hochzeit für Fotos zum Aussichtsturm in die Kleinheppacher Weinberge gefahren ist, muss sie ein Bußgeld von 90 Euro zahlen. Wagner beschwerte sich bei der Gemeinde: Diese solle bei einer Hochzeit menschlicher reagieren und kein oder weniger Bußgeld verlangen. Aus dem Rathaus heißt es, alle Verstöße würden gleich geahndet.

„Sitzen in der Korber Verwaltung überhaupt noch Menschen?“, schreibt Siegfried Wagner in einer E-Mail an unsere Zeitung. Der Korber beschwert sich über ein Bußgeld von 90 Euro, das seine Tochter zahlen musste, nachdem sie an ihrem Hochzeitstag für Fotos zum Aussichtsturm „Fernsehen“ in die Kleinheppacher Weinberge fuhr. Das Brautpaar, die Trauzeugen und der Fotograf nahmen mit drei Autos den Weg zum Turm, der nur für landwirtschaftlichen Verkehr freigegeben ist. Der Kleinheppacher Ortsvorsteher Gerhard Liebhard erwischte sie, das Ordnungsamt sprach ein Verwarnungsgeld von jeweils 30 Euro pro Auto aus. Eine einzelne Verwarnung für alle hätte ausgereicht, meint Wagner. Schließlich handle es sich um einen besonderen Tag. „Die einzige Kulanz bestand darin, dass man die Fotos noch fertig machen durfte“, berichtet er.

Genehmigung kostet zehn Euro

Gerhard Liebhard versteht den Ärger nicht. Er ist der Meinung, dass das Brautpaar sich im Voraus um eine Genehmigung hätte kümmern sollen. „Das geht ganz schnell“, sagt der Kleinheppacher Ortsvorsteher auf Anfrage. Die Genehmigung koste zehn Euro und werde per E-Mail zugeschickt. Siegfried Wagner sieht ein, dass seine Tochter eine Genehmigung hätte beantragen sollen. Trotzdem: „Es ist einfach nicht schön, dass man an so einem Tag so einen Einschnitt erleben muss.“

Den Vorwurf an die Gemeinde, sie lasse Menschlichkeit vermissen, fasst Adalina Agejew, Haupt- und Ordnungsamtsleiterin, als „bewusst verletzend“ auf und weist ihn zurück. „Auch erfreuliche Anlässe, die Grund zur Feier geben, setzen geltende Gesetze nicht außer Kraft“, schreibt sie in einer Stellungnahme der Gemeinde. Auf Bußgelder zu verzichten, sei das falsche Signal – gerade in Zeiten, in denen Grenzüberschreitungen bei Hochzeiten, wie zum Beispiel Blockaden von Autobahnen, durch die Medien gehen.

Jeder Verstoß müsse gleich geahndet werden. „Auch wenn die Hochzeit nun ein wenig teurer ausgefallen ist als anfangs geplant, hoffen wir, dass es dennoch eine schöne Feier war“, schließt Agejew.

Liebhard: „Jeder sucht eine Ausrede“

Für Liebhard ist der Ärger nichts Neues. Er erwischte im vergangenen Jahr 170 Lauffaule mehr als noch im Jahr 2017. In 432 Fällen verstießen diese gegen die verbotene Auffahrt zum Kleinheppacher Kopf. „Jeder sucht eine Ausrede“, sagt Liebhard. Doch das Verkehrsverbot gilt für alle. „Wir wollen da oben keinen Verkehr.“ Wenn der Verkehr auf der Weinsteige zunimmt, beschweren sich die Anwohner, sagt der Ortsvorsteher.

Übrigens: Laut Liebhard darf im Aussichtsturm bald sogar geheiratet werden. Mit wie vielen Autos die Hochzeitsgesellschaft dann auf den Kleinheppacher Kopf fahren darf, dafür wird derzeit ein Regelwerk ausgearbeitet.

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