​​​​​​​Korb-Kleinheppach/Waiblingen Großes Streit-Thema Homosexualität

Plakate vor der Kirche der Methodisten in Kleinheppach: „Ich bin schwul, wenn du was gegen Schwule hast“ und „Gott ist jeder Mensch wichtig – so wie er ist“ steht da. Das Thema hat allerdings das Potenzial die Methodisten weltweit zu entzweien. Foto: Habermann / ZVW

Korb-Kleinheppach/Waiblingen. Im Schaukasten der Evangelisch-Methodistischen Kirche in Kleinheppach hängt ein Poster: „Ich bin schwul, wenn du etwas gegen Schwule hast“. Eine überraschend offensive Solidarisierung – denn bei den Methodisten herrscht große Uneinigkeit über den Umgang mit Homosexuellen. Pastor Michael Löffler sagt, die internationale Gemeinschaft könnte daran zerbrechen.

Eins vorweg: Pastor Löffler (51), der auch die Gottesdienste der Methodisten in Waiblingen und Rommelshausen gestaltet, hat das Plakat nicht selbst aufgehängt. Auch nicht den Spruch „Gott ist jeder Mensch wichtig – so wie er ist“ und „Flagge zeigen“ neben einem Foto der Regenbogen-Flagge.

Der Ehrenamtliche, der den Schaukasten immer bestückt, sei dafür verantwortlich, sagt Löffler. Ob es ein Echo aus der Gemeinde gegeben habe? „Nein, da haben wir relativ wenig Rückmeldung bekommen. Ich glaube, in Kleinheppach haben die Leute da kein Problem damit.“

Löfflers Hoffnung: Die Frage wird in den Gemeinden entschieden

Dabei habe die Diskussion um Homosexuelle in der Kirche durchaus das Potenzial, die weltweit organisierte Gemeinschaft der Methodisten zu spalten. Bei der Generalkonferenz 2016, auf der das Thema ausgiebig besprochen wurde, sei die Kirche fast daran zerbrochen, erinnert sich Löffler. Und wenn die nächste Konferenz im Februar 2019 stattfindet, steht das Thema wieder auf der Tagesordnung.

„In Deutschland sind wir tendenziell liberaler, in Afrika und Osteuropa ist die Evangelisch-Methodistische Kirche eher konservativ“, sagt Löffler. Drei Optionen gibt es für die Zukunft der Methodisten, die sich offenbar über die Frage entscheidet, ob Lesben und Schwulen einen Platz in der Kirche haben oder nicht. Erstens: Es kommt zur Spaltung, liberale wie konservative gehen getrennte Wege.

Zweitens, und darauf hofft Pastor Löffler: Alles was zu Homosexualität in der Kirchenordnung steht, wird rausgestrichen. Die Frage nach der Sexualität sei keine theologische, sondern eine ethische Frage, sagt Löffler – am Ende würden die Gemeinden selbst entscheiden, wie sie damit umgehen, etwa in der Frage, ob homosexuelle Paare getraut werden. Die Dritte Option hält der Waiblinger Pastor in Deutschland für nicht realistisch: Homosexualität ist und bleibt verboten, die Pfarrhäuser werden dahingehend kontrolliert.

Löffler sagt: „Ich dürfte ein schwules Paar nicht segnen. Wenn ich es täte, könnte es sein, dass ich meine Ordination verlieren würde.“ Und was, wenn keine Konsequenzen drohten? Löffler überlegt. Dann sagt er: „Ich bin im Moment am Suchen.“

Gefestigt ist er nicht in seiner Haltung. Die Ehe sei für ihn nach wie vor die Verbindung von Mann und Frau. „Was aber nicht heißt, dass ich die Partnerschaft zwischen zwei Männern oder zwei Frauen ablehne.“ Mehrfach hat er festgestellt, dass harte Positionen und Vorurteile aufweichen, sobald das Thema ein Gesicht bekommt, die Menschen also in Kontakt mit Homosexuellen treten.

Bibelzitate in den zeitlichen Zusammenhang setzen

Auch in Kleinheppach, im Rahmen der Bibelgespräche, hat die Gemeinde schon über das Thema diskutiert. Fest steht für Löffler, dass sich ein Verbot von Homosexualität nicht einwandfrei aus der Bibel ableiten lässt: „So viel steht zu dem Thema gar nicht drin, vielleicht fünf, sechs Sätze. Diese Zitate muss man in einen Zusammenhang setzen. Damals gab es das Konzept einer homosexuellen Partnerschaft noch garnicht.“ Löffler hält es für möglich, dass sich die Passagen im Römerbrief stattdessen auf den Missbrauch von Lustknaben beziehen.

Der Pastor verweist auf andere Bibelzitate, die von der gesellschaftlichen Entwicklung überholt wurden. Bei Timotheus (2, Vers 12) heißt es: „Ich erlaube aber einer Frau nicht, zu lehren, noch über den Mann zu herrschen, sondern still zu sein, ...“ – Michael Löffler sagt: „Seit fast 60 Jahren gibt es Pastorinnen in der Evangelisch-Methodistischen Kirche. Ich hatte die ganze Zeit über Frauen als Chefinnen. Das ist die Gesellschaft von damals, heute müssen wir anders handeln.“


Spannungen

„Es ist der methodistische Weg, Spannungen auszuhalten“, sagt Pastor Michael Löffler. Seine aktuelle Predigt, die er in Waiblingen und Rommelshausen bereits gehalten hat, handelt von diesem Thema – und spricht auch den Umgang mit Homosexuellen an.

  • Bewertung
    23
 

Heute in Ihrer Tageszeitung

  • Waiblinger Kreiszeitung
  • Schorndorfer Nachrichten
  • Winnender Zeitung
  • Welzheimer Zeitung
Lust auf mehr?

Lesen Sie Ihre Zeitung immer und überall digital: Hier ePAPER-Angebote entdecken!