Korb Lärm und Raserei in der 30er-Zone

Joachim Hermann vor seinem am Straßenrand geparkten Kleinbus. Der hilft, den in die 30er-Zone einfahrenden Verkehr zu bremsen. Foto: Schechinger / ZVW

Korb. Verkehrssicherheit von Kindern ist Joachim Hermann sehr wichtig. In einer Familie seines Freundeskreises hat ein Kind bei einem Verkehrsunfall das Leben verloren. Der Familienvater ist alarmiert. Er forderte in der Bürgerfragestunde des Gemeinderats wiederholt, gegen Raser in der Tempo-30-Zone Hanweiler Straße Maßnahmen zu ergreifen. Während nämlich die Tempoanzeige dort kaum wirkt, zeigt sein an der Straße geparkter Kleinbus Wirkung.

Was tun? Diese Frage stellt sich Joachim Hermann, der mit Frau und zwei Kindern an der Ortsausfahrt zum Hanweiler Sattel wohnt, täglich. „Lärm macht krank“, sagt er. „Man hört die Beschleunigungsorgien, wenn sie es eilig haben, schon von unten hoch. Da kann man ja so schön Gas geben.“ Besonders abends sei der Motorenlärm lästig, wenn die Kinder schon im Bett sind. Eines ist zwei, das andere dreieinhalb Jahre alt. Am Fahrbahnrand steht ortseinwärts ein digitales Messgerät. „Unter 40 km/h ist ganz selten, das ist die Ausnahme“, weiß Hermann. Vor sechs Wochen filmte er einen Motorradfahrer, der ortseinwärts in Richtung Weingut Schmalzried mit 85 km/h unterwegs war. Der Krach war unüberhörbar. Wohlgemerkt: Das erlaubte Maximum sind hier 30 Stundenkilometer. Der Smiley zog breit die Mundwinkel nach unten.

Angst um die Unversehrtheit der Tochter, die Radfahren übt

„Ich hatte das Kennzeichen, bin zur Polizei. Die sagten mir im Originalton: Da kann man nichts machen. Den Raser müssen wir mit dem Streifenwagen verfolgen.“ Dabei war der Smiley auf dem Video mit 85 km/h zu sehen. Das war auch hörbar.“

Seit 2011 wohnt Joachim Hermann in einem Haus am oberen Ende der Hanweiler Straße, dort, wo ein Verkehrsschild ortseinwärts auf Höchstgeschwindigkeit 30 km/h hinweist und wenige Meter danach eine weiße Markierung auf dem Asphalt an das Tempolimit erinnert. „Damals war es noch nicht so schlimm“, sagt der Korber. „Das hat sich deutlich erhöht von der Verkehrsdichte. Das sagen auch andere.“ Die ältere Tochter, dreieinhalb Jahre alt, übt derzeit Fahrradfahren auf dem geraden Gehweg vor der Haustür. So, wie dort die Autos vorbeirasen, hat Hermann Angst um ihre Unversehrtheit. Auf der Steigungsstrecke sind zudem ortsauswärts regelmäßig Motorradfahrer unterwegs, die es auf ihren Maschinen krachen lassen. Frühmorgens könne er die Uhr danach stellen.

Ortseinfahrt optisch verengen

Was tun? Wenn der Familienvater abends genervt ist, stellt er seinen Kleinbus an den Straßenrand. Siehe da: „Da bekommt man eine deutliche Verlangsamung.“ Die Ortseinfahrt optisch zu verengen hielte Joachim Herrmann deshalb für sinnvoll. „Warum keine Bäume an der Straße pflanzen? Warum hier keine Kunstwerke vom Skulpturenpfad aufstellen? Man könnte auch einen Zebrastreifen anlegen, um sicher über die Straße in die Weinberge zu kommen.“ Von dieser Markierung verspricht sich Hermann eine Bremswirkung. Die Korber Gemeindeverwaltung, die seit Jahresanfang eine Firma mit gebührenpflichtigen Geschwindigkeitsmessungen beauftragt hat, sage immer wieder: „Mir machet was. Aber man soll was machen, was etwas bringt!“

Joachim Hermann hat in drei Straßen bis vor zur Dorfkirche Flyer mit Unterschriftenliste verteilt. 13 Rückmeldungen mit Klagen über Verkehrsprobleme gingen bei ihm ein. Nach der Übergabe der Liste an Bürgermeister Jochen Müller wartet er noch immer auf eine Antwort. Pressesprecher Christoph Müller beschied gestern: „Die Angelegenheit ist in Bearbeitung.“


Rücksichtslos

„Gegen Unvernunft im Straßenverkehr ist bisher leider kein Kraut gewachsen“, bedauert BM Jochen Müller. Er reagierte in der Bürgerfragestunde des Gemeinderates auf die Forderung Joachim Hermanns, endliche kreative Lösungen zu suchen. Der Leidensdruck in der Bevölkerung steige, so Hermann. Müller verwies erneut auf die beauftragte Firma, die einmal im Monat an vom Rathaus vorgegebenen Stellen das Tempo misst. Das sei in jeder Kommune ein Riesenthema, weil die Rücksichtslosigkeit zunehme.

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