Korb/Schorndorf Das verrückte Jahr des Korber „Ninja-Warriors“

Kim Marschner als Kandidat der RTL-Show „Ninja Warrior“... Foto: MG RTL D / Stefan Gregorowius

Korb/Schorndorf. Was war 2018 für ein Jahr für Kim Marschner! Das 20-jährige Kletterass bereiste die halbe Welt, sammelte als Starter im Nationalkader Weltcup-Punkte, verwirklichte sportliche Kindheitsträume – und versetzte zwischendurch in der RTL-Show „Ninja Warrior“ nicht nur die Moderatoren, sondern auch Millionen TV-Zuschauer in Staunen.

„Das ist unmenschlich!“ Die TV-Moderatoren Jan Köppen und Frank Buschmann konnten kaum an sich halten. Der gerade mal 1,67 Meter große Kim Marschner hatte gerade ein schier unschaffbares Hindernis überwunden. So weit hatte es noch keiner der Athleten beim deutschen Ableger der US-Erfolgssendung „Ninja Warrior“ geschafft. Millionen fieberten bei der Ausstrahlung im November mit. Sie sahen, wie sich Marschner mit all seiner Kraft an absurd schmalen Leisten festkrallte und sich an einer Wand entlang zum vorletzten Hindernis des Parcours hangelte. Mit etwas Glück wäre er an diesem Abend mit 300 000 Euro Preisgeld nach Hause gegangen. Doch beim „Stangenflug“ rutschte der junge Mann ab und plumpste ins Wasser. „Ich war ziemlich platt“, sagt Kim Marschner und zuckt mit den Schultern. Am Ende wurde er zweiter. Die Erfahrung war es wert.

Ein gutes halbes Jahr ist seit der Aufzeichnung der Sendung vergangen. Kim Marschner sitzt in einem Nebenraum der riesigen Korber Kletterhalle „Active Garden“, die seine Eltern betreiben. Eigentlich stammt er aus Schorndorf-Weiler, doch wenn er in Deutschland ist, verbringt er seine meiste Zeit hier in Korb. Er verdient sich etwas dazu, hilft im elterlichen Betrieb – und klettert, klettert, klettert.

Kein Wunder, der 20-Jährige ist professioneller Sportler. Seit er zehn Jahre alt ist, nimmt er an Wettkämpfen teil. Im Urlaub zog es Familie Marschner stets in die Berge: Felsen erklimmen, Mountain-Biken, actionreicher Sport unter freiem Himmel. Zu Hause hält es Kim Marschner auch heute nicht lange aus. Er muss raus, sucht immer neue Herausforderungen. Im Jahr 2018 war er fast ununterbrochen auf Achse.

"Ich bin mehr der Einzelsportler"

Dabei sah es gegen Ende des Jahres 2017 düster aus für den Top-Athleten. Eine Hüft-OP im Oktober setzte Kim Marschner für mehrere Monate außer Gefecht. Doch die Verletzung verheilte gut und beim Seilklettern im Spanien-Urlaub und den ersten Lehrgängen mit dem Nationalkader des Deutschen Alpenvereins im Frühjahr merkte Marschner: „Ich bin fit.“ Der Eindruck bestätigte sich, als er es bei einem international besetzten Turnier in England bis ins Finale schaffte. Die Zeichen für das Kletterjahr 2018 standen also gut. Das erste Mal wollte Kim Marschner die ganze Weltcup-Saison im Bouldern, einer Kletter-Variante ohne Seil, mitnehmen: Mit Stationen in Russland, China, den USA und Japan.

Zunächst allerdings wagte er seinen ersten Ausflug in die Welt des Fernsehens. „Team Ninja Warrior“, eine Version der RTL-Parcours-Show, in der Mannschaften gegeneinander antreten, wurde zwar erst im Mai ausgestrahlt, doch bereits im Februar in Duisburg aufgezeichnet. „Ich war ziemlich nervös“, erinnert sich Kim Marschner. Er wollte schließlich seine Teampartner Lilli Kiesgen und Moritz Hans ja nicht enttäuschen. „Ich bin mehr der Einzelsportler. Früher beim Fußball war ich einer der Schlechtesten.“ In Duisburg hatte er trotzdem viel Spaß – auch wenn im Halbfinale Schluss war.

Russland, China, USA, Japan – zu Hause hält er es nicht lange aus

Der erste professionelle Weltcup-Wettkampf in Moskau ging dann leider in die Hose – Fieber. In China lief’s schon besser: Kim Marschner schaffte es unter die Top-30 und fuhr den ersten Weltcup-Punkt ein – ein Riesenerfolg. Dann folgte der zweite Platz bei der nächsten „Ninja Warrior“-Aufzeichnung im Mai und die Ausstrahlung der Team-Show – die Kim Marschner auf einen Schlag ein paar Tausend Fans mehr auf Instagram und Facebook einbrachte: „Das hat mich schon gewundert. Die kennen mich ja alle garnicht.“

Im Anschluss flog er zum Weltcup nach Japan, wo er es trotz Jetlag bis ins Halbfinale schaffte. Der 17. Platz in Shanghai markierte seinen bis dato größten sportlichen Erfolg im Bouldern. Von Japan ging es direkt weiter in die USA zum nächsten Wettkampf, ehe Kim Marschner ins Remstal zurückkehrte – wo ihm schnell furchtbar langweilig wurde.

Der „größte Erfolg“ gelingt abseits des Millionenpublikums

Also buchten er und ein Kumpel einen Flug nach Südafrika – eine Art Mekka für Boulderer. Drei Wochen lang tobte er sich aus. Doch eine der superschwierigen Kletterstrecken, die er sich vorgenommen hatte, schaffte er nicht. Mitte August reiste er zurück nach Deutschland, wo der Weltcup in München anstand. „Da war die Luft raus“, erinnert sich Kim Marschner, der vor deutschem Publikum nicht an seine Leistungen der vorherigen Wettkämpfe anknüpfen konnte. Gelaufen war das ereignisreiche Jahr 2018 für den 20-Jährigen allerdings noch nicht: „Der Boulder in Südafrika ging mir nicht aus dem Kopf.“

Also stieg er erneut in den Flieger, um sein Glück zu versuchen. Und tatsächlich, dieses Mal bezwang er den Felsen. „Das war ein Riesenerfolg. Der größte Erfolg überhaupt in meiner Karriere“, sagt Kim Marschner und strahlt. Nicht in einer großen Halle oder vor Millionenpublikum ist ihm dieser Triumph gelungen, sondern vor ein paar anderen Kletter-Verrückten irgendwo an einem Felsen in Südafrika. Nach Korb in die Kletterhalle kehrte Kim Marschner übrigens erst im Dezember wieder zurück, nach zweieinhalb Monaten in Australien.

Und nun? Wird trainiert. Schließlich will der junge Athlet sich auch im Jahr 2019 einen Platz im Nationalkader ergattern. Und wie sieht’s aus mit „Ninja Warrior“? „Mal schaun“, sagt Kim Marschner, „Bock hätte ich da schon drauf.“


Olympische Träume

Klettern ist in Tokio 2020 erstmals olympische Disziplin. Der Wettbewerb setzt sich aus den drei Disziplinen Lead (feste Route mit Seil), Boulder (in Absprunghöhe, ohne Seil) und Speed (auf Geschwindigkeit) zusammen. Nur 40 Sportler bzw. Sportlerinnen können sich für Olympia qualifizieren. „Mir fehlt noch ein bisschen bis zur Spitze“, sagt Kim Marschner. Die nächsten Spiele finden 2024 in Paris statt: „Ein Ziel, das ich anstrebe.“

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