Korb Warum der Radweg nach Waiblingen dunkel bleibt

Grünen-Fraktionsvorsitzender Gerhard Brenner fährt mehrmals die Woche auf dem unbeleuchteten Feldweg zwischen Korb und Waiblingen. Foto: ZVW/Gabriel Habermann

Korb/Waiblingen.
Um mehr Menschen zum Fahrradfahren zu bewegen, haben die Grünen angeregt, mehr Wege zu beleuchten – vor allem im Hinblick auf die dunkle Jahreszeit. Einer davon ist der Feldweg vom neuen Friedhof in Korb zum Kätzenbach in Waiblingen. Dieser wird von Korber Schülern zu den Waiblinger Schulen und Pendlern zum Waiblinger Bahnhof genutzt. Ausgerechnet ökologische Gründe machen den Grünen aber einen Strich durch die Rechnung.

Gerhard Brenner, Fraktionsvorsitzender der Grünen, nutzt den Weg mehrmals die Woche frühmorgens: „Da ist pure Nacht.“ Seine Idee: Der Feldweg entlang der Bundesstraße 14 soll mit runden Solarleuchten im Boden ausgestattet werden. Alle viereinhalb Meter sollen sogenannte „Solar Eyes“ (deutsch: Solar-Augen) den Radfahrern eine Orientierungshilfe bieten. Preislich liegen die LED-Lampen bei rund 24 Euro pro Stück. Insgesamt müsste die Gemeinde rund 3200 Euro für die Anschaffung zahlen. Nach acht Jahren müssten die Leuchten ersetzt werden.

Rätin der Grünen: „Tiere meiden den Bereich der B 14 ohnehin“

Die Leuchten bleiben laut eines Belastungstests des Herstellers funktionsfähig, auch wenn Fahrzeuge mit bis zu 58 Tonnen Gewicht über sie drüberfahren. Dass auf dem Weg auch schweres landwirtschaftliches Gerät unterwegs ist, sei daher kein Problem, sagt Cora-Constanze Sommerey von den Grünen. Auch dass sich Tiere durch das Licht gestört fühlen, bezweifelt Sommerey. „Tiere meiden den Bereich der B 14 ohnehin“, sagt die Gemeinderätin. Außerdem sind die Leuchten mit kleinen Hauben ausgestattet, die Lichtemissionen vermeiden sollen. Über Schmutz auf den Lampen, der durch landwirtschaftlichen Verkehr aufgewirbelt werden könnte, macht sich Gerhard Brenner keine Sorgen: „An fünf Tagen im Jahr wird mein Fahrrad dort dreckig“ – die Lampen würden seiner Auffassung nach also die meiste Zeit des Jahres leuchten.

Aufgekommen sei das Thema bei den Grünen durch die aktuelle Klima-Debatte und die diesjährige Einweihung des Remstal-Radwegs. Dass viele Jugendliche das Fahrrad im Winter weniger nutzen, weil die Wege nicht beleuchtet sind, hat Sommerey außerdem aus Weinstadt mitbekommen. Dort setzt sich der Jugendgemeinderat für mehr beleuchtete Schulwege ein.

Rund 600 Meter auf Korber Gemarkung

Auf Korber Gebiet ist der Weg rund 600 Meter lang, danach geht es auf Waiblinger Gemarkung weiter. Hätten sich die Korber für die Lampen entschieden, hätten sie deshalb auch die Nachbarstadt mit ins Boot geholt – nicht, dass es an der Stadtgrenze wieder Nacht geworden wäre. Doch so weit ist es jetzt gar nicht gekommen. Die Idee scheiterte bereits am Korber Gemeinderat.

„Aus ökologischen Gründen dagegen“: Albrecht Ulrich (Freie Bürger) und Martin Schwegler (CDU/Freie Wähler) sind sich einig. Schwegler glaubt sehr wohl, dass die Leuchten zu einer Lichtverschmutzung führen könnten. Er wünscht sich, dass das Feld beleuchtungsfrei und somit naturbelassen bleibt. Außerdem findet er es problematisch, dass die Lichter nur acht Jahre halten, dann zu Müll werden und ersetzt werden müssen. Diesem Argument stimmt auch Regina Hauser (SPD) zu. Sie ist sich außerdem unsicher, wie oft der Weg in der dunklen Jahreszeit überhaupt genutzt wird.

„All-inclusive-Gesellschaft?“ – Rätin sieht Radler selbst in der Pflicht

„Was ist das, eine All-inclusive-Gesellschaft?“, fragte Susanne Bloching (CDU/Freie Wähler). Sie sieht die Radfahrer in der Pflicht, sich um eine funktionierende Beleuchtung zu kümmern. Auch Hauser meint, dass das Licht am Fahrrad ausreicht, um auf dem Feldweg zu fahren. Sie sieht außerdem das Problem, dass die Bodenleuchten durch Erde so verdreckt sein könnten, dass sie sich nicht mehr aufladen und dann nicht mehr leuchten könnten.

Würde die Strecke explizit als Radweg ausgewiesen, müsste der Weg ohnehin regelmäßig gereinigt werden, sagte Bauamtsleiter Dietmar Kümmerlen. Die Gemeinde müsse schließlich gewährleisten, dass Radler dort sicher fahren können. Bürgermeister Jochen Müller war ebenfalls dagegen: „Wir müssen mit ins Kalkül ziehen, dass andere Wege dann auch beleuchtet werden müssen.“ Die Entscheidung fiel: 15 Hände reckten sich in die Höhe – gegen den beleuchteten Weg. Für Radler bleibt es dunkel zwischen Korb und Waiblingen.

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