Korb/Winnenden Weingärtner planen Ausstieg aus Remstalkellerei

In der Kelter in Korb-Steinreinach wird in diesem Herbst nicht nur die Ernte der Korber Wengerter erfasst. Auch die Mitglieder der Weingärtnergenossenschaft Winnenden fahren ihre Trauben nach Steinreinach. Die beiden Ortsgenossenschaften planen die Fusion. Foto: ZVW/Gabriel Habermann (Archiv)

Korb/Winnenden. Die Kelter in Winnenden wird in diesem Herbst gar nicht erst aufgeschlossen. Die Wengerter liefern ihre Trauben des Jahrgangs 2019 in die Kelter der Kollegen aus der Weingärtnergenossenschaft Korb und Steinreinach. Die beiden Genossenschaften planen eine Fusion – und nach dem Vorbild der WG Stetten den Abschied von der Remstalkellerei.

Neuer Partner soll die Weingärtner-Zentralgenossenschaft (WZG) in Möglingen sein. Die Entscheidungen fallen noch in diesem Jahr. Für die Remstalkellerei wäre der Verlust von Winnenden und Korb-Steinreinach ein herber Schlag. Nach den Weißwein-Spezialisten aus Stetten mit ihren Riesling-Nobellagen Pulvermächer und Häder (rund 50 Hektar) verlöre die Genossenschaft nochmals mehr als 40 Hektar Rebfläche und damit Menge. Mit diesem betriebswirtschaftlichen Problem schlägt sich die Remstalkellerei seit geraumer Zeit herum. Die Rebflächen schrumpfen schneller, als bei den Fixkosten des einst auf viel größere Mengen ausgelegten Kellereibetriebes in Beutelsbach gespart werden kann. Peter Jung, Geschäftsführer der Remstalkellerei, sind die Pläne der Korber Weingärtner bekannt, er schaltet aber nicht in den Panikmodus. Schließlich sei nichts spruchreif. Bevor die WG Korb und Steinreinach zur WZG wechsle, gebe es noch eine Reihe von Hürden zu überwinden.

Verabschiedet sich nach Stetten nun auch Korb-Steinreinach?

Wie berichtet, steckt die Remstalkellerei in ernsthaften finanziellen Schwierigkeiten. Den Mitgliedern ist Ende 2018 die Auszahlung des Traubengelds ganz gestrichen worden, seit März wird das Traubengeld wieder ausgezahlt, allerdings nicht in voller Höhe. Als Erste haben die 48 Weingärtner in Stetten mit ihren gut 50 Hektar Rebfläche die Konsequenzen aus den unterdurchschnittlichen Erlösen gezogen und ihre Mitgliedschaft aufgekündigt. Sie werden ab dem Jahrgang 2021 die private Weinkellerei Kern beliefern, die in ihren erst vor wenigen Jahren gebauten neuen Räumen im Industriegebiet in Rommelshausen noch Kapazitäten hat. „Es ist die einmalige Chance, Rebflächen vor der Haustür zu bekommen“, freute sich Christoph Kern im Dezember 2018. Kern verarbeitet die Trauben von 150 Wengertern aus ganz Württemberg, baut den Wein aus und vertreibt ihn zumeist unter dem Markennamen Kern.

Nun steht die Weingärtnergenossenschaft Korb und Steinreinach vor dem Absprung, bestätigt deren Vorsitzender Ruppert Häußermann entsprechende Gerüchte. Aber nicht zu Kern, sondern zur WZG. Noch in diesem Jahr werden die 150 WG-Mitglieder (25 bis 30 Hektar Rebfläche) sowohl über eine Fusion mit den 100 Winnender Kollegen als auch über die Kündigung der Verträge mit der Remstalkellerei abstimmen. Notwendig ist eine 75-prozentige Mehrheit. Ein Termin stehe noch nicht fest.

Kelter in Winnenden bleibt im Herbst dicht

Einig sind sich die Weingärtnergenossenschaften Winnenden und Korb-Steinreinach über die Fusion. Schon in diesem Herbst wird die Kelter in Winnenden nicht mehr geöffnet. Die Winnender Wengerter werden ihre Trauben in der Kelter in Steinreinach abliefern.

Für Karl-Heinz Eckstein, den Vorsitzenden der WG Winnenden, lohnt sich die teure Traubenerfassung in Winnenden schlicht nicht mehr. Die Rebfläche seiner 100 Wengerter ist auf gut 20 Hektar geschrumpft. Er befürwortet eine Fusion mit Korb-Steinreinach. Den Schritt, sich von der Remstalkellerei zu verabschieden und seine Trauben künftig an die WZG abzuliefern, will Eckstein als eingeschworenes Remstalkellerei-Mitglied selbst allerdings nicht mitgehen.

WZG kommentiert die Fusionsgerüchte nicht

Die WZG bestätigt weder Gespräche mit Korb-Steinreinach noch dementiert sie diese. Dies sei eine Sache innerhalb der Genossenschaft, sagt Wolfgang Ziegelbauer, Vorstandsmitglied der WZG, auf Anfrage. Sowohl die Remstalkellerei wie auch die beiden Ortsgenossenschaften Winnenden und Korb-Steinreinach seien Mitglieder in der WZG. Sollte die WG Korb-Steinreinach/Winnenden künftig nicht mehr die Remstalkellerei beliefern wollen, sondern die WZG direkt, so ist das juristisch wohl nicht ganz einfach. Die 1946 gegründete WZG kennt zwei Formen der Mitgliedschaft. Zum einen Weingärtnergenossenschaften mit eigener Kellerwirtschaft wie die Remstalkellerei, die nur einen Teil der Ernte bei der WZG abliefern. Das sind insgesamt 15, die Heilbronner Genossenschaft ist darunter die größte. – Zum anderen Genossenschaften ohne eigene Kellerwirtschaft (13), die ihre gesamte Ernte bei der WZG abliefern und ausbauen lassen. Auf Wunsch können diese Weingärtnergenossenschaften einen Teil ihrer Ernte auch unter eigenem Namen selbst vermarkten, nennt Ziegelbauer das Beispiel der WG Esslingen. Im vergangenen Jahr hat die WZG rund 32 Millionen Liter abgesetzt, 3,4 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Trollinger für WZG keine Problemsorte

Rund 70 Prozent waren Rotweine, der größte Teil davon entfällt wiederum auf Trollinger. Im Gegensatz zu vielen württembergischen Genossenschaften, allen voran die Remstalkellerei, stellt der Trollinger für die WZG keine Problemsorte dar. Trollinger passe im Gegenteil zum Trend zu leichten, alkoholärmeren Weinen – und das Hauptabsatzgebiet der WZG sei zudem nördlich der Mainlinie. Mit welchem Traubengeld die Korber bei der WZG rechnen dürfen, darüber macht Ziegelbauer keine Angaben. Es handele sich um Durchschnittswerte, die keinerlei Aussagekraft besäßen, da der Erlös jeweils von der Qualität und dem Sortenmix abhänge. Für die Stettener Wengerter war die Aussicht, mehr als bei der Remstalkellerei für ihre Trauben zu bekommen, ausschlaggebend, die jahrzehntelange Partnerschaft aufzukündigen.


Remstalkellerei und die Ortsgenossenschaften

Das Konstrukt der vor fast 80 Jahren gegründeten Remstalkellerei ist kompliziert. Die rund 1300 Wengerter, die die Remstalkellerei mit ihren Trauben beliefern, sind zumeist nicht direkt Mitglied der Genossenschaft, sondern indirekt über eine der neun Ortsgenossenschaften. Diese sind für die Traubenerfassung zuständig. Das gestaltet den Bau einer Zentralkelter so kompliziert, die sowohl betriebswirtschaftlich sinnvoll wäre wie auch der Qualität zugutekäme. Die örtlichen Keltern müssten aufgegeben und in das Kapital in die neue eingebracht werden.

Die WG Korb und Steinreinach hat ihre Wurzeln in der 1930 gegründeten Weingärtnergenossenschaft Korb und der im gleichen Jahr gegründeten WG Steinreinach. 1981 schlossen sie sich zusammen. Aktuell hat die Genossenschaft rund 150 Mitglieder mit 25 bis 30 Hektar Rebfläche.

Mitte der 1990er Jahre schlossen sich die Wengerter aus Winnenden und den Teilorten zur Weingärtnergenossenschaft Winnenden zusammen (aktuell rund 20 Hektar Rebfläche) und bauten auf dem Stöckach unweit der Deponie Eichholz eine neue Kelter. Die Hauptrebsorten sind der Trollinger und der Riesling. Es werden auch Kerner, Lemberger, Regent, Portugieser, Schwarzriesling, Silvaner, Spätburgunder und Zweigelt angebaut.

  • Bewertung
    18

Heute in Ihrer Tageszeitung

  • Waiblinger Kreiszeitung
  • Schorndorfer Nachrichten
  • Winnender Zeitung
  • Welzheimer Zeitung
Lust auf mehr?

Lesen Sie Ihre Zeitung immer und überall digital: Hier ePAPER-Angebote entdecken!