Korb Wo bleibt der versprochene Gehweg?

So endet der Gehweg an der Heppacher Straße ortseinwärts – ursprünglich war abgemacht, dass er hier verlängert wird. Foto: ZVW/Gabriel Habermann

Korb.
Was ist eigentlich aus den Plänen für einen Gehweg vor den vier neuen Wohnhäusern in der Heppacher Straße geworden? Die Antwort: Nichts. Längst ziehen sich die Garageneinfahrten vor den Hausnummern 30, 30/1, 32 und 32/1 bis an den Straßenrand. Der Gehweg in Richtung Ortsmitte endet an einem Betonkasten vor Hausnummer 32. An diesem Zustand wird sich auch vorerst nichts ändern. Denn die Gemeinde hat rechtlich keine Möglichkeit, auf den vor Jahren vereinbarten Bürgersteig zu pochen. Bürgermeister Jochen Müller und seine Verwaltung mussten sich dafür bereits einige Kritik gefallen lassen. In einem aktuellen Antrag forderten Gemeinderäte jetzt, den Gehweg endlich herzustellen – vergebens, wie es scheint. Doch wie kam es überhaupt dazu, dass der Streifen nie angelegt wurde?

Bauamtsleiter Dietmar Kümmerlen, der noch gar nicht im Amt war, als der Bauantrag für vier Reihenhäuser im Januar 2014 bei der Verwaltung einging, erklärt das Schlamassel so: Erstens lag das Baugrundstück, auf dem zunächst ein altes Bauernhaus abgerissen werden musste, nicht im Geltungsbereich eines Bebauungsplans, der einen Gehweg zwingend hätte vorschreiben können. Zweitens hatte die Gemeinde kein Vorkaufsrecht, um sich den nötigen Grund zu sichern. Mit dem damaligen Bauträger sei deshalb verabredet worden, dass ihm die Gemeinde entlang der Grundstücksgrenze die Fläche für einen circa 1,30 Meter breiten Gehweg abkaufen wird. Die Baugenehmigung wurde im April 2014 erteilt.

Der vereinbarte Kaufvertrag kam nie zustande

Ein Kaufvertrag zwischen dem damaligen Bauträger und der Gemeinde Korb kam jedoch nie zustande. Das Grundstück sei nach circa einem halben Jahr samt Planung an einen neuen Bauträger weiterverkauft worden und wurde schließlich geteilt. Dann gingen die vier Reihenhäuser an private Eigentümer über, die schließlich ohne Gehweg bauten.

Kümmerlen sagt heute, aufgrund des geringen Kaufpreises von 72 Euro pro Quadratmeter habe sich der Eigentümer des vordersten Gebäudes (Heppacher Straße 32/1) nicht mehr an die Zusagen der Besitzer vor ihm gebunden gefühlt. Stattdessen stellte er zusätzlich, anders als genehmigt, eine Müllbox direkt an der Straße auf. Laut Kümmerlen durfte er das – obwohl einige Räte finden, dass die Box die Sicht für Fußgänger und Autofahrer behindert. Versetzen oder zurückbauen muss der Eigentümer die Box deshalb nicht: „Baurechtlich besteht (...) keine Rechtsgrundlage“, das anzuordnen, heißt es in einer aktuellen Stellungnahme aus dem Bauamt. Ebenso verhalte es sich „mit dem entlang der Grundstücksgrenze angelegten Pflanzbeet und der vor dem Hauseingang aufgestellten Mauerscheibe als gestalterische Elemente“.

Und da der Gehweg vor dem Gebäude Heppacher Straße 32/1 nicht hergestellt werden konnte, sei darauf auch vor den Gebäuden Heppacher Straße 30 bis 32 verzichtet worden.

Wechsel der Straßenseite ist nicht alternativlos

Zur Wahrheit gehört: Selbst wenn ein neuer Gehweg angelegt worden wäre, hätte er in Richtung Ortsmitte wegen der beengten Verhältnisse spätestens vor der Hausnummer 28/1 geendet. Außerdem ist der Wechsel der Straßenseite nicht alternativlos: An der Rückseite der Häuser 34 bis 28 führt das „Kirchwegle“ vorbei, ein öffentlicher Fußweg. „Somit ist ein durchgängiger Fußweg entlang der Heppacher Straße beidseitig vorhanden“, daran erinnert auch das Bauamt.

Doch davon abgesehen, dass das Kirchwegle derzeit wegen der Bauarbeiten in der Steinacher Straße nicht begehbar ist – den Räten der Freien Bürger (FB) und von CDU/Freie Wähler geht es neben der Verkehrssicherheit auch ums Prinzip.

„Hier wurde ein Gemeinderatsbeschluss nicht umgesetzt. Man hatte mindestens ein halbes Jahr Zeit, um ein paar Meter Gehweg zu kaufen“, schimpfte Albrecht Ulrich (FB) in der jüngsten Ratssitzung. Ursprünglich hatten die beiden Fraktionen beantragt, mit den Bauarbeiten für den Gehweg bis spätestens 30. April zu beginnen. Daraus wird freilich nichts, was den Räten auch schon vor der Auskunft der Verwaltung klar gewesen sein dürfte. Bürgermeister Jochen Müller sagte, er könne nicht mehr genau nachvollziehen, warum es im Jahr 2014 mit dem Grunderwerb nicht geklappt hat, räumte aber ein: „Es sind Fehler passiert. Wahrscheinlich sind wir nicht aktiv auf die Leute zugegangen.“

Gemeinde will auf Grundstückseigentümer zugehen

Die Kritik von Martin Zerrer (CDU/FW) zielt derweil nicht nur auf die Verwaltung ab, sondern auch auf die große Politik und den Häuslesbauer, der seine Müllbox dorthin gesetzt hat, wo eigentlich der Gehweg hätte weitergeführt werden sollen: „Das liegt an der Landesbauordnung. Solchen Eigentümern, die kein Solidargefühl haben, kommt man nicht bei.“

Oder doch? Die Verwaltung möchte jetzt noch einmal auf die Grundstückseigentümer zugehen. Haben sie nicht vielleicht doch Interesse an einem Gehweg vor ihrer Haustür? Die Chancen stehen schlecht, da sind sich alle einig.

Vermutlich hat Grünen-Rat Benjamin Rohrwasser mit seiner Einschätzung recht: „Die Katz isch d’r Baum hoch.“

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