Korber Verein „Hjälp“ Neue Wege bei der Aus- und Weiterbildung

Die Idee für den Verein „Hjälp“ hatten Michael Hornung und Anke Schilling aus Korb. Foto: ZVW/Gaby Schneider

Korb. Für mehr Chancengleichheit in der Aus- und Weiterbildung von Kindern und Jugendlichen will sich der neue Korber Verein „Hjälp“ einsetzen. Die Idee dafür haben Michael Hornung und Anke Schilling bereits im vergangenen Jahr entwickelt. Seit Januar ist „Hjälp“ nun ein eingetragener Verein. Noch steht das siebenköpfige Team am Anfang, doch sie haben viel vor.

Jeden Tag bekommt Michael Hornung mit, wie vor allem kleine Betriebe unter Fachkräftemangel leiden. Der 52-Jährige ist im Werkzeugvertrieb selbstständig und viel in verschiedenen Unternehmen unterwegs. Sie alle beklagen sich, dass sie keine Auszubildenden finden, berichtet er. Doch er merkt auch, dass die Firmen bereit sind, mehr auf die jungen Leute zuzugehen. „Sie sind bereit, neue Wege zu gehen“, sagt Michael Hornung.

Weil der Mangel an Auszubildenden und Fachkräften in vielen Feldern da ist – „Dienstleistungen, Pflege, Handwerk“ –, wollen Michael Hornung und seine Partnerin Anke Schilling mit ihrem neu gegründeten Verein „Hjälp“ Unternehmen und junge Leute zusammenbringen. Das soll zunächst über eine Website geschehen, die momentan aufgebaut wird.

„Nicht das Zeugnis, sondern der Mensch soll im Vordergrund stehen“

Die erste Version sieht so aus: Wenn Jugendliche eine Praktikums- oder Ausbildungsstelle suchen, gehen sie auf die Website. Vielleicht sind sie noch orientierungslos, wissen nicht recht, was sie beruflich machen wollen. „Hjälp“ zeigt mehrere Berufe mit Bild und kurzer Information, der junge Mensch wählt aus: ein Kreuz für „Gefällt mir nicht“ oder ein Herz für „Klingt gut“.

Gefällt die Berufsbeschreibung nicht, wird ein neuer Job vorgeschlagen. Findet der Jugendliche den Beruf aber ansprechend, bekommt er eine Liste aller Unternehmen angezeigt, die momentan Praktikums- oder Ausbildungsstellen anbieten.

Statt sich nun normal zu bewerben, mit Anschreiben, Lebenslauf und Zeugnissen, beantwortet der angehende Lehrling noch ein paar vom Unternehmen formulierte Fragen. Wurden diese zufriedenstellend beantwortet, kommt ein direkter Kontakt mit dem Unternehmen zustande. „Nicht das Zeugnis, sondern der Mensch soll im Vordergrund stehen“, erklärt Hornung das Konzept dahinter. Schilling ergänzt: „Wir wollen das Herzblut und das Interesse für einen Beruf herausfiltern.“

Der Verein will Jugendliche über verschiedene Berufe und Chancen informieren

So weit die Idee. Zunächst muss der Verein sich aber ein Netzwerk an Unternehmen aufbauen, um überhaupt Stellenanzeigen anbieten zu können. Die Unternehmen sollen für diese Anzeigen zahlen, so dass „Hjälp“ mit dem Geld weitere Projekte für Kinder und Jugendliche finanzieren kann.

Michael Hornung ist guter Dinge, dass die Unternehmen mitmachen. Im Februar besuchte er eine Ausbildungsmesse, auf der er mit großen Firmen aus der Region Kontakte knüpfte. „Sie sagen, sie haben momentan noch keine Probleme Lehrlinge zu bekommen“, berichtet Hornung. „Aber in der Zukunft schon.“ Vor allem, wenn sie auf kleinere Zulieferbetriebe angewiesen sind.

Der Verein will Jugendliche über verschiedene Berufe und Chancen informieren und das nicht nur auf überfüllten Berufsmessen, sagt Hornung. Er stellt sich vor, dass der Verein Auszubildende oder Rentner in die Schulen schickt, um dort über ihre Berufe zu sprechen.

Junge Mütter zu unterstützen, liegt Anke Schilling am Herzen

„Hjälp“ soll ein Netzwerk von Ehrenamtlichen werden, die auch Hausaufgaben- und Kinderbetreuung und Hilfe bei Bewerbungsverfahren anbieten. Vor allem junge Mütter zu unterstützen, ist für Schilling eine Herzensangelegenheit. Die 53-Jährige arbeitet bei der Stadt Schorndorf im Fachbereich Kindertagesstätten.

Auch Inklusions- und Integrationsprojekte können sich Michael Hornung und Anke Schilling gut vorstellen. „Wir haben wahnsinnig viele Ideen“, sagt Schilling. „Die gehen uns in den nächsten Jahren sicher nicht aus.“


Hjälp ist schwedisch

Den Namen hat sich der Sohn von Anke Schilling ausgedacht: „Hjälp“ ist schwedisch und bedeutet Hilfe. Weil sich das Wort so ähnlich anhört wie das englische Wort für Hilfe „help“ und weil der Begriff einzigartig für einen Verein in Deutschland sei, wählte er ihn. Mehr Infos zum Verein gibt’s auf www.betterplace.org oder bei Michael Hornung (micha@hjaelp.de, ) 01 78/ 8 32 35 44).

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