Krav Maga Selbstverteidigung für brenzlige Situationen

Krav-Maga-Trainer und Fitnesscenter-Leiter Felix Remppel. Foto: Benjamin Büttner

Winnenden. Die Sportler trippeln auf der Stelle, heben die Fäuste vor die Brust und lassen auf Kommando die Arme vorschnellen. Die Stimme des Trainers Felix Remppel wird lauter, hallt fast opernhaft im hohen Trainingsraum, als er die zwölf Teilnehmer anfeuert, immer noch schneller zu boxen. So beginnt das überaus schweißtreibende Aufwärmprogramm, um die Selbstverteidigungstechnik Krav Maga zu erlernen.

Krav wie bitte? Boxen, Ringen, Judo, sogar Jiu-Jitsu – alles bekannt. Aber Krav Maga? Es ist ein hebräisches Wort und es steht für Kontaktkampf. Die Methode mixt allerlei aus den genannten Sportarten, entwickelt hat sie Imrich Lichtenfeld 1930, um antisemitische Angriffe abzuwehren.

Man muss nicht in eine Massenschlägerei in Schorndorf geraten sein, um solch einen Kurs nützlich zu finden. Manche kommen aus beruflichen Gründen, sie sind zum Beispiel Türsteher oder Wachleute, manche, wie Thomas (27), weil Kraft mit einem Realitätsbezug trainiert wird. „Ich habe früher Taekwondo gemacht und bin zufällig auf Krav Maga gekommen. Man kann sich auspowern und es macht Spaß.“

Abwehr und Schutz, keine Ausbildung zum Straßenkämpfer

Thomas mimt nach dem Aufwärmen eine ganze Weile den Angreifer mit dem Attrappenmesser, Felix Remppel zeigt mit ihm zusammen, was in so einer Situation alles zu tun ist. „Am wichtigsten ist, Distanz zwischen sich und den Typen zu bringen, so lange nicht klar ist, ob er eine Waffe hat.“ Weggehen oder -rennen sei immer die allerbeste Lösung, sollte es ein Messer sein. Wenn dies allerdings nicht möglich sei, weil einem der Angreifer folgt, zeigt Remppel die Schutz- und Abwehrhaltung. Bauch und Beine so weit wie möglich fernhalten, dort sind die Organe und Arterien, und dann die Messerhand packen, weghalten und den Menschen entwaffnen. Krav Maga wird zwar als Technik beschrieben, die nicht aufwendig zu lernen ist, aber der Besuch im Training zeigt, dass eine Schnellbleiche gar nichts bringt. Man muss dranbleiben und seine Reflexe schulen, Abläufe üben und verinnerlichen, dass sie im Notfall automatisch abgespult werden können.

„Ich will hier ganz normale Leute und bilde niemanden zum Straßenkämpfer aus“, betont Felix Remppel, als die Teilnehmer in Zweierteams die Abwehr üben. Oberste Maxime ist die Kampfvermeidung, zum Beispiel, indem man mit Worten und Körpersprache signalisiert, dass man kein leichtes Opfer ist. „Ich nehme mir heraus, dass ich jemanden nicht im Kurs aufnehme, sollte ich einen anderen Eindruck haben.“

Kursteilnehmer wollen sich sicher fühlen

Diesbezüglich unverdächtig ist Alesia. „Ich bin 16 Jahre alt, fange an, abends auszugehen und will mich sicher fühlen“, sagt die Winnenderin. Sie ist die Jüngste in der geschlechter-gemischten Gruppe, über 60-Jährige sind auch dabei. Auch Johanna aus Korb haben bislang nur mulmige Gefühle, kein echter Angriff, bewogen, ins Training zu kommen. „Den Waiblinger Bahnhof fand ich schon immer gruselig. Und ich wollte Kampfsport machen.“ Seit einer Weile kommt sie zusammen mit ihrem Freund her, einem Hünen. Johanna und er lernen Techniken, mit denen sie Angriffe auch von größeren, schwereren Menschen abwehren können. „Durch das Training fühle ich mich sicherer für den Notfall. Es ist toll, wenn man es schafft, auch mal die Jungs kleinzukriegen“, sagt die zierliche 19-Jährige lachend. In diesem Bewusstsein ist es auch einfacher, Zivilcourage zu zeigen.

„Jeder bekommt von mir beigebracht, was zu ihm passt“, sagt Felix Remppel. Bei Frauen sei es ganz wichtig, das laute Schreien zu schulen. „Das können viele überhaupt nicht.“ Auch sei den Leuten oft nicht bewusst, dass sie im Notfall Finger, Knie oder einen Schlüssel so schmerzhaft einsetzen können, dass der Angreifer von ihnen ablässt. Mit einem Schlaghandschuh lässt Felix Remppel drei einfache Techniken gleich beim Aufwärmen üben: Faust, Ellbogen, Knie hoch. Im Rhythmus seines dann doch martialischen Schreis „Schlag! Schlag! Schlag!“


Zuerst geht es darum, Konflikte zu vermeiden

Felix Remppel (35) ist in Stuttgart aufgewachsen, machte früher Karate und Kickboxen. Er lebt mit seiner Frau und drei Kindern inzwischen in Backnang.

Er arbeitet als Ausbilder für Industriemechaniker. Nebenberuflich betreibt er seit April 2016 das A&B-Fitnessstudio an der Max-Eyth-Straße 38 in Winnenden. Er ist Krav-Maga-Trainer für Kinder, Jugendliche und Erwachsene.

Ein Krav-Maga-Kurs nur für Frauen mit Trainerin Marina soll demnächst beginnen. „Auch an kindgerechte Kurse habe ich schon gedacht“, so Remppel. „Sie sollen dabei auch lernen, körperliche Auseinandersetzungen und Konflikte zu vermeiden“, betont der 35-Jährige. „Bei der Bedrohung Dritter lernen die Kinder zu helfen und die richtige Entscheidung zum Selbstschutz zu treffen.

Kürzlich hat Felix Remppel zusätzlich in Backnang ein Trainingscenter eröffnet, in dem er ebenfalls Krav-Maga-Kurse anbietet.

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