Ku-Klux-Klan im Rems-Murr-Kreis Juli 2000: Kreuzverbrennung in Winterbach

, aktualisiert am 26.07.2019 - 15:52 Uhr
Mitglieder des Ku-Klux-Klan verbrennen ein Kreuz im US-Bundesstaat Virginia. Foto: dpa/Jim Lo Scalco

In Winterbach brennt ein Kreuz. Drumherum stehen, laut Landesverfassungsschutz: Der angebliche Anführer eines Stuttgarter Ku-Klux-Klans und der spätere Anführer der „European White Knights“, einem Klan-Ableger aus Schwäbisch Hall.

1. Juli 2000: Auf einem Grundstück in Winterbach brennt während einer Geburtstagsparty ein 1,50 Meter hohes Kreuz. Ein Ritual, wie man es vom Ku-Klux-Klan kennt. Was die Teilnehmenden vermutlich nicht wissen: Vor Ort befindet sich mindestens ein V-Mann des Landesverfassungsschutzes.

4. Juli 2000: Der Landesverfassungsschutz schreibt auf Grundlage der V-Mann-Berichte einen Vermerk, in dem auch Namen der Teilnehmenden auftauchen. Äußerst interessante Namen, die sich mit dem Ku-Klux-Klan in Verbindung bringen lassen.

Einer dieser Namen lautet: Markus F.

Kirchheimer mit Verbindungen zum Klan in den USA

Verbindungen des Kirchheimer Neonazis zum Ku-Klux-Klan werden bereits 1995 deutlich. Während einer dreitägigen Skinhead-Party nimmt die Polizei F. und zwölf weitere Rechte in Gewahrsam. Darunter: Ein Mitglied des Klans aus den USA.

Im September 1996 folgt eine Anfrage des Landesverfassungsschutzes Mecklenburg-Vorpommern an die Kollegen aus Stuttgart. Darin wird vor einer Klan-Gruppe aus Stuttgart gewarnt, deren Anführer Markus F. sei.

Im Rahmen des zweiten NSU-Untersuchungsausschusses wird F. zum Klan befragt. Er leugnet, jemals bei einem deutschen Ableger Mitglied oder gar Anführer gewesen zu sein. Er bestätigt aber im gleichen Atemzug, dem Ku-Klux-Klan in den USA anzugehören.

Klanführer und Informant aus Schwäbisch Hall

Ein anderer Name der in dem Vermerk des Landesverfassungsschutzes auftaucht lautet: Achim S.

Achim S. ist im Juli 2000 noch Mitglied bei den „International Knights of the Ku-Klux-Klan“ (IK KKK), einem Klan-Ableger aus Heilbronn. Im Oktober desselben Jahres gründet er wegen interner Streitigkeiten aber seinen eigenen Klan in Schwäbisch Hall: Die „European White Knights of the Ku-Klux-Klan“ (EWK KKK). Er fliegt eigens in die USA, um sich zum „Grand Dragon“ ernennen zu lassen – dem Anführer eines eigenen Königreichs innerhalb des Klan-Imperiums.

Außerdem ist Achim S. von 1994 an bis zum November 2000 Informant des Landesverfassungsschutzes. Das hat er unserer Redaktion gegenüber bestätigt.

Die Umtriebe von Achim S. und den EWK KKK sind so umfangreich, dass ihnen innerhalb unserer Serie zum Ku-Klux-Klan im Rems-Murr-Kreis ein eigener Artikel gewidmet werden muss. Vorab nur so viel: Auch Polizisten gehörten dazu. Das berühmteste Mitglied des EWK KKK war aber ein Mann, der im Rahmen der NSU-Untersuchungen eine zentrale Rolle spielte: Thomas R., besser bekannt unter seinem Decknamen „Corelli“.

Aussagen aus dem Untersuchungsausschuss legen nahe: Auch er war dabei, am 1. Juli 2000, als in Winterbach ein Kreuz in Flammen aufging.


Verbindungen zum Klan wohin man auch schaut

Markus F. soll maßgeblich daran beteiligt gewesen zu sein, „Blood & Honour“ im Südwesten aufzubauen. Gegründet wurde das Neonazi-Netzwerk von einem Engländer, dessen Faszination für den Klan unübersehbar war: Ian Stuart Donaldson, dem Vordenker der Rechtsrock-Szene.

Ian Stuart war unter anderem Frontmann Band namens Klansmen und an Songs wie „The Invisible Empire“ – eine gängige Bezeichnung für den Klan – beteiligt. Immer wieder nutzte der Engländer in seiner Musik Klan-Symbolik.

Mit seiner Band Skrewdriver trat er am 10. Juli 1993 vor etwa 400 Zuhörern auf dem Grillplatz Lämmle in Waiblingen auf. Es war das letzte Konzert Donaldsons, der nur zwei Monate später bei einem Autounfall starb. Veranstaltet wurde es von einer Gruppe, deren Namen förmlich nach Ku-Klux-Klan schreit: Den „Kreuzrittern für Deutschland“ aus Waiblingen.

Hier geht es zum Artikel: Neues zur Razzia im Rems-Murr-Kreis - Ku-Klux-Klan-Grupperiung seit Jahren aktiv

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