Kunstmesse Art Basel Spitzenkunst und fade Fische

Sinnbild der Hoffnungen und Abgründe des Kunstmarktes: Installation „Temptation“ (2012) von Elmgreen und Dragset, präsentiert durch die Pariser Galerie Perrotin. Foto: dpa

Basel - Denkbar unerfreulich war das Wetter am Eröffnungstag der diesjährigen Art Basel, unschön der Messevorplatz, weil das Gelände derzeit eine einzige große Baustelle ist, verärgert waren viele Besucher und Medienvertreter, weil der Zugang zu Preview und Vernissage restriktiver denn je gehandhabt wurde. Triste Stimmung also in Basel, wäre da nicht die Hauptsache: Der Rubel rollt nämlich an der weltgrößten Kunstmesse, die zahlreich aus St. Petersburg, Schanghai oder Schorndorf angereisten Sammler erweisen sich als kaufkräftig und äußerst kaufwillig. Deshalb haben die Galeristen so viel Wertvolles an den Oberrhein gekarrt, wie nur möglich war: Verkäuflich ist derzeit alles, was teuer, selten und prestigeträchtig ist. Die Blue Chips der Kunst sind begehrt wie nie, nun wird in ­Basel wieder das Hochamt des internationalen Kunstmarktes gefeiert werden.

300 Galerien aus 36 Ländern
Zu sehen sind in Basel Arbeiten von mehr als 2500 Künstlern. Das ist gleichsam eine Olympiade der Kunst, Verkaufsrekorde und Spitzenumsätze sind garantiert. Zwar zeichnen sich Galeristen gemeinhin durch ihre große Verschwiegenheit aus, wenn es um die Kommentierung ihres Geschäftsganges geht. Das war bereits am ersten Abend der Messe plötzlich anders, als sich die Kunsthändler unisono voller Enthusiasmus und Begeisterung über ihre Verkäufe äußerten. Ein Schweizer Galerist freute sich, dass er eigentlich schon nach dem ersten Messetag nach Hause gehen könne – sein Stand war bereits komplett leer gekauft. Eine ­Galeristin aus New York fand die Nachfrage in Basel einfach „marvellous“. Dieser herausragende Erfolg der Messe ist vor allem ihrem erstklassigen Angebot an Kunstwerken der Klassischen Moderne und der hochpreisigen Kunst nach 1945 geschuldet.

Spitzenerlöse am ersten Tag
So kann man bei Landau Fine Art aus ­Montreal eine museale „Liegende weibliche Figur“ von Henry Moore für knapp 28 ­Millionen Euro erstehen, während eine raumgreifende, archaische Installation von Robert Indiana für vergleichsweise günstige 1,51 Millionen Euro (bei Gmurzynska, ­Zürich) bereits vorreserviert war. Karsten Greve (Köln) widmet der großartigen Louise Bourgeois ein One-Woman-Kabinett, dort findet der Sammler kleinere Aquarelle der französischen Künstlerin zu je 65.000 Euro oder eine große Bronzestele für 1,7 Millionen Euro. Bei Zwirner (New York) kam man bereits vier Stunden nach Eröffnung der Messe zu spät, um die „Männer mit Flugzeugen“ von Neo Rauch zu erwerben, das ­Gemälde war für rund 680.000 Euro bereits verkauft. Und Zwirner gelang auch der vielleicht größte Deal der Messe, indem er Bruce Naumans „Four Small Animals“ von 1989, ein großes Mobile mit an Küchenschaben erinnernden Figuren zu einem nicht ­genannten Preis verkaufen konnte.

Wer da leer ausgegangen war, konnte sich mit Bridget Rileys „Two Yellows“ trösten, einer Komposition mit gelben Kringeln auf weißem Grund für 217.000 Euro (Max Hetzler, Berlin) oder mit einem 72 mal 104 Zentimeter großen „Abstrakten Bild“ Gerhard Richters (Ropac, Salzburg), für das knapp 2,8 Millionen Euro zu bezahlen waren.

Der Galerist Hans Mayer aus Düsseldorf bietet zwar ein monumentales „Liegendes Kreuz“ aus Granit an, das Joseph Beuys 1970/71 geschaffen hat, ob er es wirklich verkaufen will, bleibt jedoch unklar, denn den Preis des Objekts will er partout nicht nennen. Mayers Geheimniskrämerei ist ein Indiz für einen nach wie vor äußerst intransparenten Kunstmarkt, dessen Funktionsweise für die Öffentlichkeit nur schwer nachvollziehbar bleibt. In Basel hat der aufmerksame Beobachter jedoch die Chance, gewissen Marktmechanismen nachzuspüren: Die feine New Yorker Helly Nahmad Gallery bietet auf ihrem eleganten, hervorragend bestückten Stand unter anderen Meisterwerken der Klassischen Moderne eine „Femme se poudrant“ von Joan Miro für 8,77 Millionen Euro und eine „Schottische Landschaft“ von Max Ernst für knapp 4,8 Millionen Euro an. Delikat ist hierbei, dass beide Bilder im Jahr 2011 in einer Präsentation der Privatsammlung Nahmad im Kunsthaus Zürich gezeigt wurden.

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