Landesgartenschau im Kreis? Leutenbach lehnt Machbarkeitsstudie ab

Die Gemeinde Leutenbach. Foto: Habermann/ZVW

Leutenbach. Leutenbach beteiligt sich nicht an einer Machbarkeitsstudie zu einer interkommunalen Landesgartenschau in den 2030er Jahren. Nach der einhelligen Ablehnung des Gemeinderats scheint es ausgeschlossen, dass Leutenbach noch mitmachen wird, sollte es zu einer Bewerbung kommen. Einer scherte aus der Ablehnungsfront aus: Bürgermeister Jürgen Kiesl.

Unabhängig davon, ob die Gartenschau von Leutenbach unterstützt wird, gehe es vorerst nur um die Teilnahme an der Machbarkeitsstudie, betonte Kiesl eingangs der Aussprache. Sie biete für wenig Geld die große Chance, Entwicklungspotenziale zu erkunden, auch wenn Leutenbach bereits den renaturierten Steinbruch bei Weiler zum Stein und den Landschaftspark Höllachaue habe. Außerdem, im Hinblick auf die Solidarität mit den anderen beiden Kommunen, sei es zu früh, aus dem interkommunalen Projekt auszusteigen.



Verweis auf Schwäbisch Gmünd, den Schub für den B-29-Tunnel

Eine Landesgartenschau könne Motor für integrierte, nachhaltige Stadtentwicklung und Landschaftsplanung sein, warb Markus Schlecht, Leiter des Winnender Stadtentwicklungsamtes: „Da geht es um mehr als um ein paar Blumenwiesen.“ Er sehe Chancen für die drei Leutenbacher Teilorte, auch dafür, sie stärker zu verbinden. Verbesserungen gingen über die zentrale Fläche im „Gemarkungsdreieck“ der drei Kommunen hinaus, die vom Winnender Bahnhof aus fußläufig erreichbar sei. Vor allem die Bachläufe könnten verbindende Elemente sein, weitere Naherholungsgebiete geschaffen oder gestärkt werden. Die Machbarkeitsstudie sei Voraussetzung für eine Bewerbung und würde, wenn es zu ihr kommen sollte, Bestandteil von dieser sein.

Schlecht verwies auch auf die „Initialzündung“ durch die Gartenschau in Schwäbisch Gmünd beim Bau des dortigen B-29-Tunnels: „Ohne die wäre der nicht gekommen.“ Es seien zudem mehr Fördermittel als fünf Millionen Euro möglich. Um die Landesgartenschau auszurichten und sich für sie zu bewerben, brauche es allerdings Begeisterung dafür auch in der Bevölkerung. Sollte sich Leutenbach zur Teilnahme an der Machbarkeitsstudie entscheiden, bleibe für die Gemeinde immer noch die Möglichkeit, sich später doch nicht an der Gartenschau zu beteiligen.

Zweifel an der Nachhaltigkeit

Sein und Kiesls Werben verfing bei den Leutenbacher Bürgervertretern allerdings nicht. Ihr Verständnis von Natur sei ein anderes, so Renate Flemming, SPD: „Dem Buchenbach geht es am besten, wenn man gar nichts an ihm macht, sondern ihn in Ruhe lässt.“ Der Leutenbacher Kostenanteil an der Machbarkeitsstudie sei besser direkt für Verbesserungen vor Ort verwendet. Die geplante zentrale Fläche für die Landesgartenschau sei bislang komplett landwirtschaftlich genutzt, so Erwin Schmidt, FWG. Es sei doch die Frage, ob eine Landesgartenschau dort eine wirkliche Verbesserung sei. Dieses Gelände für die Gartenschau müsse ja später zurückgebaut werden, um es wieder für die Landwirtschaft nutzbar zu machen. „Das wäre also nicht nachhaltig, im Gegensatz zu Gmünd, dort steht von der Gartenschau alles noch.“

Es gebe so viele Gründe dagegen, sich zu beteiligen, das er gar nicht wisse wo anfangen, so Bernd Häußermann, CDU, Landwirt aus dem Gollenhof: „Ich bin dagegen, auch nur einen Cent dafür auszugeben.“ Ein Kritikpunkt von mehreren Gemeinderäten: Bei der zentralen Fläche werde Leutenbach doch gar nicht wirklich eingebunden. Für Winnenden und Schwaikheim könne er sich positive Effekte vorstellen, aber Leutenbach liege dort „ab vom Schuss“, hätte also nichts davon, so Karl-Heinz Lämmle, CDU, im Hauptberuf Architekt.


Mögliche Bewerbung für 2032 oder 2034

Bei der Machbarkeitsstudie geht es um eine mögliche Bewerbung für die Landesgartenschauen 2032 oder 2034. Die Studie kostet knapp 100 000 Euro. Daran sollten Winnenden 60 Prozent, Schwaikheim und Leutenbach je 20 Prozent tragen. Das Land fördert investive Maßnahmen mit 50 Prozent, maximal fünf Millionen Euro.

Ein Konzept für die „zentrale Fläche G 3“ gibt es bislang nicht, Vorschläge dazu sollen aus der Machbarkeitsstudie heraus erarbeitet werden. Die Fläche grenzt direkt an eine Erweiterungsfläche für ein geplantes Winnender Gewerbegebiet, liegt wie dieses nahe am Bahnhof, aber auch nahe an der B 14.

2020 findet die Landesgartenschau in Überlingen, 2022 in Neuenburg am Rhein, 2024 in Wangen im Allgäu, 2026 in Ellwangen, 2028 in Rottweil und 2030 in Ulm statt. Bewerber, die bei den betreffenden Vergaben unterlegen waren, werden sich voraussichtlich für die Gartenschauen ab 2032 wieder bewerben (Bad Mergentheim, Ludwigsburg, Rottenburg, Schramberg, Tuttlingen), nicht zuletzt, weil sie bereits Machbarkeitsstudien haben, die eine Bewerbung befürworten.

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