Leichtathletik Doping in Kenia überrascht Fehr

Im vergangenen Jahr war Marcel Fehr im Trainingslager in Afrika. Foto: Montage: Habermann

Ein überführter Läufer hat ausgepackt: In Kenia wird offenbar in großem Stil gedopt. Der Welzheimer Marcel Fehr ist überrascht. Im vergangenen Jahr war er im Trainingslager in Afrika und berichtete von ärmlichen Verhältnissen. „Ich hätte nicht gedacht, dass die Läufer dort die Möglichkeit haben, Blutdoping zu betreiben.“ Fehr hofft, dass nun in Kenia mehr kontrolliert wird.

Fehr in Kenia

Nachzulesen sind Marcel Fehrs Erlebnisse in Kenia unter www.zvw.de/fehr.

Die Legende geht so: Die kenianischen Athleten sind deshalb so gut, weil sie ständig Höhenluft atmen, ideale körperliche Voraussetzungen mitbringen und Laufen Volkssport ist. Das Training findet auf unbefestigten Staubpisten statt. Kommen die Läufer auf Tartanbahnen, gehen sie folglich ab wie die Raketen.

Die ganze Wahrheit ist das anscheinend nicht. Während in London die Olympischen Spiele liefen, sendete die ARD Berichte ihres Dopingexperten Hajo Seppelt aus Kenia. Im Interview gab der überführte Dopingsünder Mathew Kisorio, ein Weltklasseläufer, sein Vergehen nicht nur zu, sondern erläuterte die gängige Praxis in Kenia. In der Nähe aller Traingszentren der Athleten gebe es von Ärzten betriebene Apotheken. Die Läufer würden dort mit verbotenen leistungssteigernden Medikamenten wie dem Blutdopingmittel EPO und Psychopharmaka versorgt. Stellen sich sportliche Erfolge ein, verlange der Arzt einen Anteil an Preis- und Sponsorengeldern.

Fehr und sein Coach trainierten im Leistungszentrum in Eldoret

Eines der in den Berichten erwähnten Leistungszentren ist Eldoret. Überwiegend dort verbrachten Marcel Fehr (LG Limes-Rems, SV Plüderhausen) und sein Coach Uwe Schneider im November vergangenen Jahres ein vierwöchiges Trainingslager. Im Blog für den Zeitungsverlag Waiblingen berichteten die beiden von den bescheidenen Trainingsmethoden der Läufer, den ärmlich ausgestatteten Zentren und den freundlichen Menschen. Und davon, dass sich die Läufer dort teures Doping gar nicht leisten könnten.

Fehr sagt, er habe von illegalen Praktiken nichts mitbekommen. Umso überraschter sei er von den nun ausgestrahlten Reportagen gewesen. „Das hätte ich nicht gedacht. Ich würde aber trotzdem nicht sagen, dass alle Topläufer gedopt sind, gerade weil in Kenia die Konkurrenz so groß ist.“ Der 20-Jährige spekuliert, dass das Dopingproblem vielleicht nicht einmal so sehr die Topläufer betrifft. Sondern eher jene, die nicht ganz so gut sind, es aber ebenfalls an die Spitze schaffen wollen. Nicht immer stehe der Sport im Vordergrund. „Es kann sein, dass Läufer sagen: Ich muss Geld verdienen. Also dope ich, um das zu erreichen.“

In die Kritik geraten sind in den ARD-Berichten auch die überwiegend aus Europa stammenden Trainer und Manager. Fehr hat den irischen Laufguru Brother Colm O’Connell, einen der erfolgreichsten Lauftrainer der Welt, kennengelernt. „Ich war fünf Tage bei ihm und hab’ dort gewohnt. Dem glaube ich, dass er nichts mit Doping zu tun hat.“ Der Welzheimer hofft, dass die nun bekanntgewordenen Fälle auch ihr Gutes haben. Vielleicht würden Athleten in Kenia künftig stärker kontrolliert.

Kritisch sieht er einige Leistungen bei den Olympischen Spielen in London. Etwa die des Bronzemedaillengewinners über 100 Meter der Männer, Justin Gatlin. Der US-Amerikaner war mit Unterbrechung insgesamt fünf Jahre lang wegen Dopings gesperrt gewesen. Solange man ihm aber nichts nachweisen könne, „geh’ ich von der Unschuldsvermutung aus“. Von lebenslangen Sperren für erstmalige Dopingsünder hält Fehr zwar nichts. „Eine Möglichkeit wäre aber der Olympia-Ausschluss.“

„Richtig krass“ fand der Welzheimer Mittelstreckenläufer den Endlauf in London über 800 Meter. „Wenn ein Deutscher dabei gewesen und deutschen Rekord gelaufen wäre, wäre er nur Vorletzter geworden.“ Silbermedaillengewinner Nijel Amos aus Botswana lief 1:41,73 Minuten. Eine unfassbare Zeit für einen 18-Jährigen. Fehr bezweifelt das Alter des Athleten. Warum aber sollte der sich jünger machen, als er ist? Um bei der U-20-WM starten zu dürfen, mutmaßt Fehr. Dort holte Amos Gold in Weltrekordzeit.

Doch zweifelhafte Altersangabe hin, Doping her: Als ambitionierter Sportler ist das größte deutsche Mittelstreckentalent fest davon überzeugt, dass Topleistungen auch mit legalen Mitteln möglich sind. „Sonst könnte ich meinen Traum an den Nagel hängen, mal vorne mit dabei zu sein.“

Endlich wieder schmerzfrei

Nach monatelanger Leidenszeit mit Knieoperation, Krankheiten und Alternativtraining ist Marcel Fehr endlich wieder schmerzfrei. Seit zwei Wochen ist er in der Sommerpause, läuft aber zwei- bis dreimal wöchentlich. „Ich bin noch ein, zwei Wochen ein bisschen vorsichtig. Dann geht’s wieder los.“ Richtiger Trainingsbeginn ist Ende August.

Der Welzheimer bekommt einen Trainingspartner, auf den er sich sehr freut. Robel Mesgena, der bereits seit vergangener Saison für die LG Limes-Rems startet, zieht in der kommenden Woche ins Remstal. Der SV Plüderhausen hat ihm die Wohnung im Vereinsheim zur Verfügung gestellt, die Miete wird für den Läufer gleich sein wie zuvor in Kassel. Mesgena wird außerdem an einer Schule in Stuttgart das Fachabitur machen.

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