Leichtathletik Kein Besuch aus Kenia für Marcel Fehr

Er läuft und läuft und läuft... und das alles ohne kenianischen Trainingspartner. Foto: ZVW

Flug, Visum, Unterkunft, für alles war gesorgt. Ein kenianischer Läufer, den der Welzheimer Marcel Fehr während seines Aufenthalts in Afrika kennengelernt hatte, sollte für zwei Monate nach Deutschland eingeladen werden. Nun ist der Plan gescheitert: Der Kenianer hat seinen Flug verpasst.

„Das ist eine mittlere Katastrophe“, stöhnt Fehrs Trainer Uwe Schneider. Die beiden hatten das deutsch-kenianische Trainingslager über Monate hinweg geplant. Bereits im Dezember 2011 kauften sie das Flugticket auf den Namen des Kenianers Elijah, dessen Pass Fehr bereits in Afrika wohlweislich kopiert hatte. Das Duo von der LG Limes-Rems kümmerte sich zudem um den Papierkram – ums Visum, um Kranken- und Haftpflichtversicherungen.

Hilfe erhielten sie vom Marathonläufer Herbert Steffny, Dritter bei der Leichtathletik-Europameisterschaft 1986 in Stuttgart. Bei einer seiner Afrikareisen drückte er Elijah die Dokumente aus Waiblingen persönlich in die Hand.

Schneider und Fehr wollten jedes Risiko ausschalten – und sind am menschlichen Faktor gescheitert. Seit Dienstagabend ist klar: Es wird nichts mit dem Besuch von Elijah. In einer SMS teilte er mit, er habe die Maschine verpasst. Schneider hatte es ein wenig kommen sehen: „In den letzten Tagen vor dem Abflug hat er ständig eine SMS geschrieben: Wann geht mein Flug? Wir haben ihm bestimmt 20-mal die Flugzeit geschickt und gesagt, er soll drei Stunden vorher am Flughafen in Nairobi sein. Da hab’ ich schon gedacht, oh, oh . . .“

Hatte der Kenianer Angst vor der langen Reise? „Nein, er wollte unbedingt kommen.“ Was war dann los? Schneider sagt, um das zu verstehen, müsse man die Verhältnisse in Kenia kennen. Elijah stamme aus einem kleinen Dorf und sei noch nie geflogen. Vielleicht habe er sogar gedacht, das sei so wie beim Zugfahren: Verpasst man einen Zug, nimmt man halt den nächsten. „Er hat geschrieben, dass eine Woche später wieder ein Flug geht.“ Doch der hätte freilich neue Kosten verursacht, aufgrund der kurzfristigen Buchung sogar wesentlich höhere als der erste. Und das Fluggeld nach Kenia zu schicken, sei auch nicht infrage gekommen. „Das ist dort ein Jahresgehalt.“

Einen weiteren Versuch, Elijah nach Deutschland zu holen, wird es daher nicht geben. „Ich habe keine Lust mehr. Wir haben locker 1000 Euro für nix reingesteckt.“ Und Arbeit: Gewohnt und gegessen hätte Elijah bei der Familie von Marcel Fehr, der extra ein Zimmer für den Gast renoviert und hergerichtet hat. Der Rückflug des Kenianers war für den 13. Juni geplant, zwei Tage vor der deutschen Meisterschaft in Wattenscheid. Für den Welzheimer Mittelstreckenläufer wäre es mit Elijah ein perfektes zweimonatiges Training gewesen. Nun muss zu herkömmlichen Mitteln gegriffen werden. „Dann fahr’ ich eben mit dem Fahrrad nebenher. Ich kann’s brauchen“, sagt Coach Schneider schmunzelnd.

Immerhin: Gesundheitlich geht’s Marcel Fehr nach seiner Knieoperation wieder gut. Beim Vereinstrainingslager mit der LG-Laufgruppe in Brixen (Südtirol) „waren Marcels Ergebnisse super. Er ist schmerzfrei, im Moment läuft’s sehr gut“. Auch ohne Besuch aus Kenia.

Alle Erlebnisse von Marcel Fehr in Kenia in seinem ZVW-Blog

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