Leuchtender Weinberg in Weinstadt Schwere Vorwürfe gegen Mitarbeiter der Remstalkellerei

Aufgrund der schlechten Wetterlage ist der Leuchtende Weinberg am 27. Juli rund drei Stunden nach Veranstaltungsbeginn abgesagt worden. Foto: ZVW/Benjamin Büttner

Weinstadt. Besucher des Leuchtenden Weinbergs erheben schwere Vorwürfe gegen Mitarbeiter der Remstalkellerei: Diese sollen Gäste beleidigt und getreten haben. Geschäftsführer Peter Jung betont hingegen im Gespräch mit unserer Zeitung, dass Aussage gegen Aussage stehe: Laut seinen Mitarbeitern sei die Aggression von den Gästen ausgegangen. In einer Mail an eine Betroffene entschuldigte sich Jung indes für das Verhalten seiner Mitarbeiter.

Die Mail von Vanessa Herzog aus Remshalden hat unsere Zeitung am Donnerstag erreicht. „Gegen schlechtes Wetter kann keiner was, aber an seiner Moral sollte der ein oder andere Mitarbeiter der Remstalkellerei arbeiten“, fängt sie ihre Mail an – und schildert dann, was sich laut ihrer Darstellung am Samstag, 27. Juli, beim Leuchtenden Weinberg in den Weinbergen zwischen Beutelsbach und Schnait ereignet hat.

Vom Regen durchnässt habe sie wie andere Gäste Schutz in den Zelten der Remstalkellerei gesucht, die sich auf dem Aussichtspunkt „Drei Riesen“ befanden. „Das Zelt hatte noch genügend Platz, um die vom Regen überraschten Gäste zu beherbergen und gemeinsam ein Viertele zu schlotzen.“ Die Szenen, die sich dann jedoch nach kürzester Zeit abspielten, waren nach ihren Angaben unmenschlich und für keinen der Anwesenden nachvollziehbar.

Augenzeugin Vanessa Herzog: Frauen wurden getreten

Das Personal, schreibt Vanessa Herzog, habe keine Rücksicht auf Schutzsuchende genommen, sondern sei vielmehr aggressiv und äußerst gewaltbereit gewesen. „Traurig mitanzusehen war, wie ein Rentner-Paar mit Tritten und Beleidigungen unsanft vor dem Zelt entfernt wurde. Frauen wurden getreten, eine Mutter mit Kind auf dem Arm konnte nur mit Unterstützung anderer Gäste in Sicherheit gebracht werden. Vereinzelt haben sich Gäste gegen das Vorgehen beschwert und wurden unsanft zu Boden gerissen.“

Vanessa Herzog selbst hatte laut eigenem Bekunden panische Angst, weil ein Mitarbeiter sie sehr unsanft am Arm gepackt, angeschrien und nach ihr getreten habe, als sie sich für eine Familie eingesetzt habe. „Bei der Aktion habe ich mehrere blaue Flecke davongetragen, und auch meine Jacke wurde dabei beschädigt.“

Ein Mitarbeiter soll besonders aus der Rolle gefallen sein

Unsere Zeitung nahm nach Empfang der Mail direkt Kontakt mit Vanessa Herzog auf. Die Remshaldenerin gab an, dass Freunde von ihr ebenfalls Zeugen der Vorfälle gewesen seien und dass es mittlerweile auch zwei Mails von Remstalkellerei-Geschäftsführer Peter Jung gebe, in denen dieser das Geschehen bedauere. Darin betonte er, dass er die Vorfälle intern aufgearbeitet habe.

Laut Vanessa Herzog soll ein Mitarbeiter der Remstalkellerei besonders aus der Rolle gefallen sein. Er habe herumgeschrien, dass sich die Leute vom Kühlschrank fernhalten sollen – dabei habe nach ihrer Beobachtung niemand den Kühlschrank angefasst. Er habe ein Shirt getragen, auf dem „Remstalkellerei“ stand. Ein Gast habe ein Foto von dem Mann gemacht und dieses der Remstalkellerei geschickt, damit diese die Person identifizieren könne. „Der war echt brutal.“

Unsere Zeitung bat auch Remstalkellerei-Geschäftsführer Peter Jung um eine Stellungnahme. Der hat derzeit bekanntlich eh schon keinen leichten Job bei der krisengeplagten Genossenschaft. Im November 2018 hatte er die Auszahlung des Traubengelds an die Mitglieder gestoppt und die wirtschaftliche Lage in einem internen Brandbrief als desaströs bezeichnet – eine Aussage, die natürlich bald ihren Weg in die Öffentlichkeit fand.

Ein halbes Jahr später präsentierte Peter Jung einen Konsolidierungsplan, der in Zusammenarbeit mit den Gremien der Genossenschaft, externen Experten sowie Unternehmensberatern zustande kam. Es war der Versuch eines Befreiungsschlags. Nun muss Peter Jung erneut einen Brandherd löschen.

Remstalkellerei bittet in Mail um Entschuldigung

Unserer Zeitung liegt die Mail vor, die Peter Jung am Donnerstagabend an Vanessa Herzog schrieb. Darin heißt es: „Sie sind nicht die Einzige, die sich bezüglich der Vorkommnisse am vergangenen Samstag an uns wendet. Die entsprechenden Mails nehmen wir sehr ernst. Das Verhalten unserer Mitarbeiter ist mit Sicherheit nicht derartiger Gestalt gewesen, wie wir es als kundenorientiertes Unternehmen von unseren Mitarbeitern erwarten, erst recht, wenn eine entsprechende Extremsituation vorliegt. Ich kann Sie hier nur persönlich und im Namen der Remstalkellerei um Entschuldigung bitten.“

In der Mail erläuterte Peter Jung, dass er die Vorkommnisse intern aufgearbeitet und daraus die entsprechenden Konsequenzen gezogen habe, da es bei gewissen Dingen keine Spielräume oder Toleranzen als Arbeitgeber gebe. Zudem bot er Vanessa Herzog an, ihr eine kleine Aufmerksamkeit als Geste der Entschuldigung zukommen zu lassen.

Peter Jung spricht von einer aufgeheizten Lage

Im Gespräch mit unserer Zeitung stellte sich Peter Jung indes auch schützend vor seine Mitarbeiter. Diese seien am Montag proaktiv auf ihn zugekommen und hätten ihm ihre Sicht der Dinge geschildert. Angefangen habe alles damit, dass einzelne Gäste die Mitarbeiter wüst beschimpft hätten. Zu dem Zeitpunkt habe der Regen bereits eingesetzt, woraufhin etwa 25 Besucher Zuflucht unter dem Zelt der Remstalkellerei gesucht hätten. Dort habe sich aufgrund der beengten Verhältnisse und des Alkoholkonsums einzelner Gäste die Lage zugespitzt. Eine Frau habe dann sogar ein Glas Wein über dem Kopf eines männlichen Beschäftigten ausgekippt, nachdem sie zuvor eine weibliche Mitarbeiterin beschimpft habe.

Dass danach Beschäftigte der Remstalkellerei auch lauter wurden, erklärt sich Peter Jung durch die aufgeheizte Lage. Die Security-Kräfte des Leuchtenden Weinbergs seien übrigens schnell kontaktiert worden. Da diese aber voll damit beschäftigt waren, den Leuchtenden Weinberg wegen des Wetters zu räumen, hätten sie eine Zeit gebraucht, um vor Ort zu sein.

Geschäftsführer: „Ich denke, das war eine absolute Ausnahmesituation“

Peter Jung hat laut eigenem Bekunden auch mit unabhängigen Augenzeugen gesprochen, die ihm bestätigt hätten, dass die Aggressionen von einzelnen Gästen ausgingen. Dass dies die Ursache für die aufgeheizte Stimmung gewesen sei, habe aber vor Ort nicht jeder am Zelt der Remstalkellerei mitbekommen. Er selbst habe jede Beschwerde von Besuchern telefonisch oder per Mail beantwortet und Verständnis gezeigt. „Wir müssen für uns die Situation intern bewerten“, sagt Peter Jung.

Überlegt werden soll, wie die Mitarbeiter in solch einer aufgeheizten Lage künftig schneller und besser reagieren. Der Remstalkellerei-Geschäftsführer bittet indes auch um Verständnis. „Ich denke, das war eine absolute Ausnahmesituation.“


Das sagt die Stadt

Auf Anfrage unserer Zeitung hat sich der Weinstädter Pressesprecher Holger Niederberger zu den Vorwürfen gegenüber Mitarbeitern der Remstalkellerei geäußert.

„Wir hören erstmals von diesem Vorfall und, sollte es sich tatsächlich so zugetragen haben, bedauern wir ihn sehr. Dies müssen wir nun in Zusammenarbeit mit der Remstalkellerei und den Sicherheitskräften aufklären, denn freilich haben für uns als Veranstalter des Leuchtenden Weinbergs das Wohlbefinden und die Sicherheit der Gäste oberste Priorität.“

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