Leutenbach Beim 23. Dalmstock Open Air kamen Metaller wieder auf ihre Kosten

Die „Helldozers“ aus Köln orientieren sich am Stil der 1990er. Foto: ZVW/Gaby Schneider

Leutenbach. Maximal verzerrte Gitarren, das pulsierende Wummern der Double-Bassdrum und knurrender Gesang – die Musikrichtung Heavy Metal hat ihre ganz eigene, homogene Fangemeinde. Das Dalmstock-Festival hat auch dieses Jahr wieder ein beeindruckendes Set aufgefahren, Highlight am Freitag ist die Backnanger Gruppe „Dust & Bones“.

Bei Einbruch der Dunkelheit geht es am Freitagabend neben dem Buchenbach so richtig los. Drei Bands haben das Publikum bereits eingestimmt, jetzt betreten die Gäste aus Köln, die Southern Groove-Metal-Band „The Helldozers“, die Bühne. Der Sound der kölschen Jungs orientiert sich klar am Stil der 1990er, ganz besonders an der legendären Band Pantera. Sänger Anton „Tony Dozer“ Rynskiy growlt und screamt mit Cowboyhut, während Atha Vassiliadis mit seinen Gitarrenriffs dem großen Meister Dimeback Darrell nacheifert – nur bei der Exaktheit der Soli hapert es noch etwas. Da gilt wohl eher der Grundsatz: möglichst schnell, laut und schräg.

Ein wirbelnder Kreis der Tanzenden

Das Publikum braucht ein bisschen, bis es auftaut. Noch taumeln die, die tanzen wollen, etwas gehemmt umher, doch schon ab dem dritten Song geben sie sich immer mehr der Musik hin. Vor der Bühne entsteht ein Kreis, eine Moshpit, in der wild und selbstvergessen getanzt wird. Doch man darf sich von dem scheinbar unkontrollierten Wirbel sich gegenseitig anrempelnder Körper nicht täuschen lassen: Trotz allem achten die Tanzenden aufeinander, geht einer zu Boden, hilft ihm sein Nachbar sofort wieder hoch. Die „Helldozers“ verabschieden sich, nachdem sie noch die lautstark geforderte Zugabe geliefert haben.

Während die Roadies schnell für die nächste Band umbauen, kommt der wild tanzende Pulk kurz zur Ruhe. „Warte, ich brauch meine Brille“, ruft einer seinem Kumpel zu und sammelt diese vom Bühnenrand ein, bevor es zum Bierwagen geht. Zerbrechliche Gegenstände nimmt man halt doch lieber nicht mit in eine Moshpit.

„Dust & Bones“ sind als Nächstes dran. Dahinter verbergen sich Thorsten, Bernd, Vöhri und Jarle aus Backnang. Der fünfte Mann, Gitarrist Dirk, ist heute leider nur Backstage mit dabei, er hat sich nämlich die Hand verletzt. Sie spielen unter dem Motto: „We all gonna die but not today“, ihren Musikstil bezeichnen sie selbst als „High Energy Dirt Rock“, eine Beschreibung, die einen ganz guten Eindruck vom tatsächlichen Klang schafft.

Die Band spielt laut und dreckig, weniger rhythmisch akzentuiert als ihre Kollegen aus Köln. Auch der Bass bekommt eine fette Zerre verpasst. Alleinstellungsmerkmal der Gruppe ist vor allem der recht skurrile Kontrast zwischen den Frontmännern Thorsten und Vöhri: cleaner, hoher Gesang mit starker schwäbischer Färbung trifft auf gutturales Growlen wie aus dem Lehrbuch. Auch vom Äußerlichen her könnten die beiden kaum unterschiedlicher sein.

Dass es bei Metal kaum auf die Texte ankommt, zeigt sich daran, dass sich „Dust & Bones“ in dieser Hinsicht eher auf dem Niveau einer mittelmäßigen Schülerband bewegen. Stören tut das aber offensichtlich niemanden. Die Dalmstock-Besucher sind ein sehr gutmütiges Publikum, das einfach nur Spaß haben will.

Die Security lobt die Besucher

Tatsächlich fällt die ganze Veranstaltung durch ihre harmonische Atmosphäre auf: Keine alkoholisierten Pöbler oder andere Störenfriede, alle sind nett zueinander. „Das ist eine der entspanntesten Veranstaltungen überhaupt. Die Leute haben Spaß – einfach ein tolles Publikum“, lobt auch die Security das kleine Festival in höchsten Tönen.

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