Leutenbach Die Feldbahn ist demnächst wieder in Betrieb

Am 7. und 8. September ist wieder Fahrtag im Feldbahngarten. Foto: ZVW/Gabriel Habermann

Leutenbach. Von Stuttgart zum Kirschenhardthof mit der S-Bahn, für die einen wäre dieser Abzweig ab Nellmersbach vielleicht ein Traum, für andere, bei der Vorstellung des Trassenverlaufs, eher ein Alptraum. In seiner Feldbahnscheuer lässt Michael Jahnle die Strecke zumindest mit einem entsprechenden Schild Wirklichkeit werden.

2007 ist der Bahnliebhaber und -experte mit seinem Depot und Fuhrpark auf das Areal nahe der B-14-Ausfahrt Nellmersbach umgezogen und hat es in den zwölf Jahren seither zu einer sehens- und staunenswerten Sammlung ausgebaut. Den Begriff Museum mag der 62-Jährige nicht, auch wenn viele seiner Exponate mittlerweile historisch und nicht wenige geradezu nostalgisch sind. Ein Schmuckstück ist aber modern: ein Solartriebwagen namens „Lucie“.

Den Antrieb hat der Leutenbacher Patrick Nickels zusammen mit Freunden im Rahmen der Abschlussarbeit zum staatlich geprüften Techniker an der Rudolf-Diesel-Fachschule in Nürnberg entwickelt und gebaut. Auch Lucie ist beim nächsten Fahrtag im Einsatz, egal ob die Sonne gerade scheint oder nicht. Die Solarenergie der Fotovoltaikanlage auf dem Dach wird nämlich in vier Batterien gespeichert und ist damit jederzeit abrufbar.

Jahr für Jahr Attraktion der Leutenbacher Hocketse

Eine Galerie an Erinnerungsfotos schmückt die Wände des Feldscheuerdepots, unter anderem vom ersten Einsatz der Feldbahn bei der Leutenbacher Hocketse 1987. Auch bei Gewerbeausstellungen in Sulzbach und Kirchberg war Jahnle mit der Feldbahn im Einsatz, bei den Aalener Bergwerktagen, auf dem Backnanger Gänsemarkt, beim Degerlocher Maimarkt, beim Januarius-Markt in Murrhardt und und und. Ausgemusterte U-Bahn- und SSB-Stationsschilder, einen Fahrplan der U 15 zu Ruhbank und Fernsehturm, eine Anzeigetafel für die U 5 von Stammheim nach Heumaden, hat er gesammelt, bewahrt sie für die Nachwelt auf.

Ursprünglich wurde die Feldbahn für Transporte am Lehmziegelwerk eingesetzt. Die Schule in Nellmersbach entstand auch mit ihrer Hilfe. Auch an großen Baustellen – Straßenbau, Kanalbau – wurden Feldbahnen eingesetzt, ebenso für Hinterhofwerkstätten und kurze Strecken zu Firmengeländen. Es war die Zeit vor dem Aufkommen von Gabelstaplern beziehungsweise Last- oder Schwertransportmaschinen mit Reifen. Eine Entwicklung, die Jahnle insofern bedauert, als der Kraftaufwand, um die gleichen Mengen beziehungsweise Massen zu bewegen, das Vielfache gegenüber einer Feldbahn betrage: „Eigentlich war die also viel ökonomischer.“

Jahnle beschränkt sich bei der Sammlung nicht auf Gegenstände, die unmittelbar mit der Feldbahn oder der Bahn überhaupt zu tun haben. Er will die Zeit damals insgesamt „a bissle“ festhalten. In Nutella-Gläsern in Miniformat, die es heute nicht mehr gibt, bewahrt er Schrauben auf. „Da staunen die Kinder immer, weil sie die noch nie gesehen haben.“ Ein Benzinfläschle aus der Apotheke, ein Zigarrenkistle, alles lässt sich irgendwie weiterverwenden, auch ein Niveacremedöschen. Aber halt, die sieht doch genauso aus wie die von heute? Jahnle schmunzelt: „Stimmt, das Design von der kann man halt nicht mehr verbessern.“

Jahnle ist Bahnler durch und durch. Eisenbahn sei wie Wasserwerk, gehöre nun mal zur Daseinsvorsorge. An Samstagnachmittagen trifft sich seit 1987 auf dem Gelände regelmäßig der Freundeskreis, nicht nur zum Schwätzen, Erinnerungen austauschen, es gibt immer was zu tun, an der Strecke und den Fahrzeugen hört die Arbeit nie auf. Besonders freut Jahnle, dass auch immer Jugendliche kommen und dass Junge von früher immer noch dabei sind.


Fahrtag

  • Am 7. und 8. September ist wieder Fahrtag im Feldbahngarten im Gewann Bodenäcker/Zweracker (Zufahrt ab Kreisverkehr am Ortseingang ausgeschildert).
  • Am Samstag dreht die Feldbahn von 14 bis 19 Uhr dort ihre Runden, am Sonntag von 11 bis 18 Uhr (an beiden Tagen bewirtet).
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