Leutenbach Elternbeiträge für die Kindergärten steigen

Die Gemeinde erhöht die Kindergartengebühren um rund drei Prozent. Foto: Pixabay (CCO Public Domain/Carole LR)

Leutenbach. Die Elternbeiträge für die Kindergärten steigen zum neuen Kindergartenjahr, wie von den kommunalen und kirchlichen Landesverbänden empfohlen, über alle Betreuungsangebote und unterschiedliche Sätze je nach Kinderzahl in den Familien hinweg im Schnitt um rund drei Prozent. Künftig müssen auch Familien mit vier oder mehr Kindern im Ü-3-Bereich für die Betreuung mit verlängerten Öffnungszeiten bezahlen. Für sie war diese bislang umsonst.

Noch stimmt wie bei vorherigen Erhöhungsrunden eine Mehrheit des Gemeinderats zu. Aber die Ablehnungsfront wird breiter. Nicht nur die SPD ist, mittlerweile traditionell, dagegen, auch die beiden Vertreter der neuen Jungen Liste Leutenbach (JLL) haben die Zustimmung verweigert, so dass es bei der Abstimmung 13 Ja- und sechs Neinstimmen gab.

Die Erhöhungen erfolgen üblicherweise im Zwei-Jahre-Rhythmus und nach einem Grundsatzbeschluss des Gemeinderates aus dem Jahre 2003 den Verbändeempfehlungen folgend. Diese Regelmäßigkeit soll dafür sorgen, dass sie maßvoll ausfallen, Sprünge, stärkere Belastungen auf einen Schlag, vermieden werden.

Insgesamt liegt der Kostendeckungsgrad bei knapp 14 Prozent

Richtschnur für die Empfehlungen ist, einen Deckungsgrad der Betriebskosten von 20 Prozent durch Elternbeiträge anzustreben. Diese Zahl ist allerdings nur eine Marke am weiten Horizont, keine Vorgabe, worauf die Gegner der Erhöhungen regelmäßig abheben.

In Wirklichkeit kommt Leutenbach, wie andere Kommunen, mit ihnen der Marke kaum näher, sondern verhindert nur, dass angesichts weiter steigender Personalaufwendungen die Gemeinde sich immer weiter davon entfernt. Die Beitragserhöhungen gleichen diese allenfalls aus. Bei den Kindergärten (Ü 3) liegt der Kostendeckungsgrad in Leutenbach bei knapp 13 Prozent, in den Krippen (U 3) zwischen 17 und 19 Prozent, allerdings nur durch die Entlastung durch das Land. Insgesamt liegt der Kostendeckungsgrad bei knapp 14 Prozent.

Nach wie vor Forderung nach Beitragsfreiheit wie bei den Schulen

Die Gegner der Erhöhungen bemängeln ebenso regelmäßig, auch in Leutenbach, dass angesichts des aus ihrer Sicht zu vernachlässigenden Beitrags der Eltern zu den Betriebskosten, zumindest was den prozentualen Anteil betrifft, es keinen großen Unterschied mehr machen würde, die Betreuung beitragsfrei anzubieten. Sie verweisen auch darauf, dass dies in einigen anderen Bundesländern, die ärmer als das Ländle sind, bereits so ist. Sie fordern weiterhin, dass die frühkindliche Bildung in den Kindergärten und Krippen ebenso beitragsfrei gestellt werden müsste wie die in den Schulen. Land und Bund stünden in der Pflicht, Eltern und Kommunen weiter zu entlasten.

Bürgermeister Jürgen Kiesl hielt alldem entgegen, dass der Kindergartenbeirat, in dem auch die Eltern vertreten sind, der empfohlenen Erhöhung einstimmig zugestimmt hat. Die Anregung, auch von Familien mit vier oder mehr Kindern für den Ü-3-VÖ-Bereich künftig einen Beitrag zu erheben, sei gar von diesem gekommen. Weil zum einen eben nicht jede kinderreiche Familie bedürftig sei und es zum anderen für bedürftige Familien Möglichkeiten zur Beitragsbefreiung gibt.

Die Kehrseite der Gratiskindergärten sei, dass dort an Personal und Ausstattung gespart werde

Da der Beitrag mit jeweils 22 Euro pro Kind ohnehin gering ist, verzichtet die Gemeinde darauf, wie bei Zwei- und Drei-Kinder-Familien eine Unterstaffelung des Beitrags nach der Zahl der Kinder in der Betreuung einzuführen.

Kiesl führte auch ins Gefecht, dass zum Beispiel in Mecklenburg-Vorpommern, einem Bundesland mit Beitragsfreiheit, auf 13 Kinder eine Erzieherin komme. In Leutenbach laute das Verhältnis sieben zu eins. Die Kehrseite der Gratiskindergärten sei eben, dass dort an Personal und Ausstattung gespart werde.

In Leutenbach sei dagegen beides überdurchschnittlich. Erwin Schmidt, FWG, gab zu bedenken, dass, so niedrig der Kostendeckungsgrad auch sei, es doch um rund 550 000 Euro gehe, die von den Eltern kommen. Verzichte die Gemeinde darauf und sprängen nicht Land und Bund in die Bresche, fehle dieses Geld im kommunalen Haushalt und stelle sich damit die Frage, wo man es woanders wegnehmen solle oder einsparen könne.

  • Bewertung
    2

Heute in Ihrer Tageszeitung

  • Waiblinger Kreiszeitung
  • Schorndorfer Nachrichten
  • Winnender Zeitung
  • Welzheimer Zeitung
Lust auf mehr?

Lesen Sie Ihre Zeitung immer und überall digital: Hier ePAPER-Angebote entdecken!