Leutenbach Federvieh auf der grünen Wies’

Die Hühner werden, wenn sie sicher sind, dass der Besucher nichts Böses will, sehr zutraulich. Bei Gefahr flüchten sie zu ihrem Unterschlupf. Foto: Benjamin Beytekin

Leutenbach. Wenn Zutraulichkeit ein Zeichen dafür ist, dass sich Hühner wohlfühlen, dann muss es denen von Jens Häußermann ausgezeichnet gehen. Die knapp 500 Exemplare der robusten Rasse Lohmann Brown rücken dem fremden Gast bald auf die Pelle und prüfen mit ihren Schnäbeln die Pickfestigkeit seiner Schuhe. Auch sonst macht die Wiese mit Luzerne, Gras, sonstigem Wildwuchs und dem mobilen Stall den Eindruck einer Idylle.

Die holzigen Stängel, die hier wachsen, seinen optimal für die Tiere, so Häußermann. Als Fachmann macht er das Wohlbefinden seiner Tiere an deren dunklen Kämmen fest. Der Betrieb hat die bisherige Bodenhaltung im Juni mit Freilandhaltung ergänzt und dazu ein Hühnermobil angeschafft. Etwa ein halber Hektar Fläche wurde dazu eingezäunt, was deutlich mehr sei als vorgeschrieben, betont Häußermann.

Er zieht einen Vergleich zu einem Wohnwagen, auf die „Autarkie“ des Gefährts verweisend, das jede Woche auf der Wiese umgesetzt wird. Die Stelle, wo es vor 14 Tagen stand, ist, weil kahl, leicht auszumachen, die Hühner haben die Umgebung ihrer Behausung nämlich gründlich abgegrast. Hühner sind ziemlich stationäre Tiere, bleiben also an oder nahe ihrem Standort, nicht zuletzt, weil sie dort Schatten finden, Futter und Wasser und übernachten, drinnen, wohlgemerkt. Die Sesshaftigkeit von Hühnern erklärt Häußermann mit ihrer Abstammung – von den Dinosauriern - und ihrer Herkunft aus Urwäldern. Die Herde, wenn man so will, ist neu im Betrieb. Die Tiere im Bestand, aus der Bodenhaltung, wären mit einem Umzug überfordert gewesen, so Häußermann.

Futter und Wasser müssen rausgebracht werden

Freilandhaltung bedeutet deutlich mehr Aufwand. Futter und Wasser müssen rausgebracht werden zu dem etwa einen Kilometer vom Hof im Heidenhof entfernten Grundstück im Gewann Banreisach, nahe dem Biotop Hühnerloch. Der Mist muss abgefahren werden. Hinzu kommt das Umsetzen des Mobils. All das und der „Mehrkomfort“ für die Hühner, so Häußermann, schlägt sich im Preis nieder.

Die Eier sind elf Cent teurer als die aus der Bodenhaltung

Die Eier sind elf Cent teuerer als die aus der Bodenhaltung. Das sei gerechtfertigt, so Häußermann, schließlich merke man den Eiern nicht nur beim Aussehen, sondern auch beim Geschmack den Unterschied an: „Ob sie aber wirklich besser sind, das lasse ich mal offen.“ Die Tiere bekommen ausschließlich Futter aus der Region, zu 20 Prozent Presskuchen aus Soja, die im nahen Affalterbach angebaut wird, dazu 70 Prozent Weizen aus eigenem Anbau und noch etwa zehn Prozent Mineralstoffe.

Der Zaun um das Grundstück ist fuchs- und rehsicher, zumindest weitgehend. Das Stück liegt in einer Wildwechselzone Richtung Brandwald. Von oben gibt es keinen sicheren Schutz, abgesehen von dem Mobil selbst und ein paar kleinen Holzpalettenunterständen auf der Wiese als Rückzugsgelegenheiten. Kreist ein Greifvogel über ihnen, ist natürlich sofort Alarm in der Herde. So ein Huhn ist zwar durchaus Beute, kann aber von den Jägern der Lüfte nur schwer abtransportiert werden. Der Anblick, der sich in solchen Fällen hinterher bietet, ist nicht angenehm. Häußermann ist das allerdings bisher noch nicht passiert.

Das Hühnermobil hat er seit längerem im Kopf gehabt. Ein stationärer Freilandstall sei sehr teuer und für ihn auch nicht ganz überzeugend als Freilandhaltung. Hier auf der Wiese hätten die Hühner immer frisches Gras, könnten in kleineren Einheiten zusammenleben, was für sie als geradezu familiäre Tiere wichtig sei. Die Kosten für den Anhänger gibt Häußermann als „hohen fünfstelligen Betrag“ an.

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