Leutenbach Gemeinde plant ein Waldrefugium

Symbolbild. Foto: Schneider/ZVW

Leutenbach. Auch die Gemeinde Leutenbach wolle ein Zeichen gegen das Insektensterben und den Rückgang der Vögel setzen, so Bürgermeister Jürgen Kiesl. Sie plant ein sogenanntes Waldrefugium unweit der Kreuzeiche im Süden des Gebiets Winterhalde oberhalb von Hertmannsweiler. Eine etwa zwei Hektar große Fläche soll vollständig aus der Nutzung für die Holzwirtschaft herausgenommen werden.

Den Standort im Gemeindewald hat das Forstamt vorgeschlagen. Die Fläche liegt in einem rund vier Hektar großen Buchen-, Eichen- und Kiefernbestand. Vom Forstamt kommt auch die Idee, ein Waldrefugium auszuweisen. Bei diesem sei die Nutzung für die Natur und den Erhalt der Artenvielfalt am größten.

Das Waldrefugium ist der wichtigste Baustein in einem Alt- und Totholzkonzept, für das die Gemeinde einen Antrag bei der Unteren Naturschutzbehörde stellen wird. Der erste Gedanke sei eigentlich gewesen, einen Bannwald im Gemeindewald auszuweisen, so Kiesl bei der Vorstellung im Gemeinderat.

Der Forst habe dazu aber gesagt, dass die Bedingungen im Gemeindewald dafür nicht ideal seien, und stattdessen die Alternative Waldrefugium vorgeschlagen. Der Gedanke dahinter sei aber im Grunde der gleiche: Der Wald wird in bestimmten Bereichen komplett sich selbst überlassen, von der bisherigen Nutzung (Einschlag für die Fortswirtschaft) her gesehen quasi stillgelegt.

Er soll bewusst verwildern, die Bäume dort sollen vermodern, damit der erhöhte Anteil an abgestorbenem Holz einer größeren Artenvielfalt Lebenraum bietet. Nimmt man den Aspekt des Naturschutzes hinzu, geht es um die Förderung der Biodiversität.

Geschützte Habitatbäume werden ausgewiesen

Das Konzept besteht aus drei Bausteinen. Der erste und kleinste ist, einzelne sogenannte Habitatbäume auszuweisen. Da sind zum Beispiel Bäume, in denen Spechte Höhlen angelegt haben oder in denen Höhlen dadurch entstanden sind, dass Äste verfault und abgestorben sind oder deren Stämme verletzt, beschädigt worden sind durch Pilze oder Unwetter, oder wo Greifvögel Horste haben oder die besonders alt sind oder deren Stämme einen besonders großen Durchmesser haben oder die bereits selbst ganz abgestorben sind.

Der nächste Schritt ist, solche Habitatbaumgruppen auszuweisen, mit jeweils 15 Exemplaren auf je drei Hektar Fläche, wobei das je nach den örtlichen Gegebenheiten variieren kann.

Sicherheitsabstand zu Wegen muss eingehalten werden

Sowohl bei der Auswahl der Habitatbäume als auch bei der Ausweisung von Gruppen und einem Waldrefugium muss die Sicherheit von Waldbesuchern gewährleistet sein, die Gemeinde steht in der Verkehrssicherungspflicht.

Dazu gehört vor allem ein Sicherheitsabstand von Wander- und Waldwegen, weil die betreffenden Bäume durch die Fäule und das Absterben instabil werden. Wenn Bäume drohen, auf Wege umzukippen, müssen sie entfernt werden.

Wirtschaftlich bedeutet das Konzept für die Gemeinde den Verzicht auf, allerdings verhältnismäßig geringe, Einnahmen aus dem Verkauf des eingeschlagenen Holzes. Es geht laut Verwaltung dabei in Leutenbach um etwa 30 Festmeter pro Jahr und damit um 1500 Euro jährlich.

Es gibt allerdings einen Gegenwert, nämlich die Gutschrift von Ökopunkten. Kiesl sprach von einem „weiteren Baustein“, der zum Landschaftspark Höllachaue bei Nellmersbach und zur Renaturierung des ehemaligen Steinbruchs bei Weiler zum Stein hinzukomme. Der Gemeinderat hat dem Konzept einstimmig zugestimmt.


53 Hektar Wald

Der Leutenbacher Gemeindewald hat eine Fläche von etwa 53 Hektar, rund 40 davon werden bewirtschaftet. Für 2018 ist ein Einschlag von 350 Festmetern vorgesehen.

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