Leutenbach Im Gespräch mit der neuen Hausärztin Nina Kraft

Dr. Nina Kraft. Foto: ZVW/Gabriel Habermann

Leutenbach.
„Luft zum Atmen“ auch im „neuen Familienmodell“ und „bei guter Work-Life-Balance“ lasse ihr der Übergabevertrag, verspricht Dr. Markus Schuler seiner Nachfolgerin Dr. Nina Kraft, die ihn als Weilermer Hausärztin beerben wird. Er preist sie als hoch motiviert. Sie habe in den knapp vier Jahren, in denen sie in der Praxis mitarbeitet, alle seine Tricks und Tipps gelernt. Er könne also mit dem guten Gefühl in den Ruhestand gehen, dass seine Patienten gut versorgt seien. Anlässlich dieser Vorschusslorbeeren haben wir Nina Kraft, 36, befragt.

Frau Dr. Kraft, wie war Ihr Werdegang?

Ich bin in Erlangen aufgewachsen, wobei da auch drei Jahre im Silicon Valley dabei waren, weil mein Vater dort eine Arbeitsstelle bekam. Später sind wir nach Rottweil gezogen, wo ich das Abitur gemacht habe. Nach dem Studium in Tübingen folgte ein praktisches Jahr in Esslingen, wo ich anschließend fünf weitere Jahre blieb, inklusive zweier Kinderpausen. Tja, und seit September 2016 bin ich hier in der Praxis als Ärztin in Weiterbildung.

Wie gerieten Sie denn hierher?

Herr Schuler deutete damals schon im Vorstellungsgespräch an, dass er jemanden als Nachfolger sucht. Dass ich das mal werden sollte, war aber keine Voraussetzung für die Einstellung, auch nicht für mich. Ich, mit einem voll berufstätigen Mann und zwei kleinen Kindern, suchte eine Stelle, die mit der Familie vereinbar ist, als Klinikärztin mit Elf-, Zwölf-Stunden-Tagen ist das auf Dauer einfach nicht möglich.

Aber wie kamen Sie auf Leutenbach?

Wir haben hier, im Gebiet Mühlefeld, gebaut. Außerdem ist das Leistungsspektrum der Praxis hier, das über das normale eines Hausarztes hinausgeht, reizvoll. Vor allem das Angebot Palliativmedizin hat mich sehr angesprochen.

Es ist also Ihre erste Stelle als niedergelassene Ärztin mit eigener Praxis?

Ja, und ich bin ja noch in der Ausbildung zur Fachärztin in Allgemeinmedizin, die ich im Sommer abschließen werde.

Was reizt Sie am Beruf des Hausarztes?

Man kann sich die Arbeit gut einteilen. Hier sind außerdem die Wochenenden und die meisten Feiertage und Brückentage durch die Notfallpraxis in Winnenden abgedeckt. Ich habe also nur ein-, zweimal im Jahr Dienst dort. Gut, das ist ein Benefit. Aber auf jeden Fall kann man mit der Familie, für die Kinder gut planen.

Also ein Glücksfall?

Ich bin seit knapp vier Jahren hier. Ja, kann man schon sagen, auch vom gut eingespielten, kleinen Team in der Praxis und den Patienten her. Ansonsten hätte ich mir das wohl nicht zugetraut. Ein völliger Neustart wäre sehr schwierig geworden.

Wie sieht es eigentlich mit der Frauenquote bei den Hausärzten aus?

Also bei einer Weiterbildungsveranstaltung für Allgemeinärzte der Uni Heidelberg waren 80 bis 90 Prozent der Teilnehmer Frauen. Deren Werdegänge ähneln sich sehr. Die fangen nach dem Studium in einer Klinik an und stellen irgendwann fest, dass es dort nicht gerade familienfreundlich zugeht. Dann gehen sie in der Regel Richtung Allgemeinmedizin und werden Hausärzte.

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