Leutenbach Leutenbach erhält einen eigenen Mietspiegel

Luftbild Leutenbach. Foto: ZVW/Gabriel Habermann

Leutenbach. Die Gemeinde Leutenbach hat künftig, man könnte auch ergänzen endlich, einen eigenen Mietspiegel. Bislang verwendete sie mit Abschlägen den Waiblinger Mietspiegel.

Es hatte bislang keine Befragungen der Mieter und Vermieter in Leutenbach, also direkt vor Ort, gegeben. Für den Leutenbacher Mietspiegel wurde dies nun erstmals bei Mietern gemacht, in einer Zahl, die ausreicht, dass die Ergebnisse wie gefordert repräsentativ sind. Außerdem wurden Vermieter stichprobenartig befragt. Die dabei erhobenen Daten sind durch das Institut für empirische Marktanalysen, kurz EMA, statistisch ausgewertet worden. Deshalb wird der neue Mietspiegel auch als „qualifiziert“ bezeichnet, seine Vorläufer im Gegensatz dazu als „einfache“.

Mieter- und Vermietervertreter im Arbeitskreis

Der Leutenbacher Mietspiegel ist in Kooperation mit Fellbach, Winnenden und Kernen im Remstal entstanden und vom Land gefördert worden. Bei der Auswertung vor allem der Ausstattungsmerkmale wurden auch die Datensätze der anderen beteiligten Kommunen genutzt, insgesamt rund 900.

Erarbeitet, in mehreren Sitzungen, hat den Mietspiegel ein Arbeitskreis aus Vermieter- und Mietervertretern (unter anderem der Haus- und Grundbesitzerverein Waiblingen, Winnenden und Umgebung, Mieterverein Waiblingen und Umgebung), Mitarbeitern der beteiligten Verwaltungen, dem EMA-Institut und Wohnbauunternehmen (unter anderem Baugenossenschaft Winnenden).

Gesammelt worden sind nur Daten zu Mieten, die in den vergangenen vier Jahren neu vereinbart oder geändert wurden

Die Bürger können den Mietspiegel, der auf der Homepage der Gemeinde eingestellt ist, auch online nutzen. Dort werden die wesentlichen Kriterien wie Wohnungsgröße, Bauzeitraum, Ausstattung und Lage abgefragt und anhand dieser wird die ortsübliche Vergleichsmiete ermittelt.

Gesammelt worden sind nur Daten zu Mieten, die in den vergangenen vier Jahren neu vereinbart oder geändert wurden. Die Haushalte wurden im Zeitraum November 2018 bis Januar 2019 befragt. Insgesamt wurden in Leutenbach 2250 entsprechende Briefe verschickt. Davon kamen 160 zurück, wovon wiederum wegen der Vier-Jahres-Vorgabe 46 nicht verwertbar waren und damit 114 übrig blieben. Die verwertbare Rücklaufquote beträgt somit zwar nur fünf Prozent, statistisch reicht das allemal für eine Auswertung, die repräsentativ ist.

Der Mietspiegel soll Streitigkeiten zwischen Vermietern und Mietern vermeiden und Gerichten helfen zu entscheiden

Ein, wenn nicht das, Ziel ist, mit dem Mietspiegel bei der Festlegung von Mietpreisen Rechtssicherheit zu gewährleisten. Dafür braucht es beim Abschluss oder Änderungen von Mietverträgen verlässliche Informationen zum örtlichen Niveau, für Vermieter und Mieter gleichermaßen.

Der Mietspiegel soll beitragen, das Mietpreisgefüge im Wohnungsbestand (soweit der nicht preisgebunden ist, wie bei Sozialwohnungen) transparent zu machen. Er ist nicht anwendbar bei sogenannten Wohnraumverhältnissen (Studentenwohn- und Pflegeheime, Flüchtlings- und Obdachlosenunterkünfte, Dienst-, Werks- und Ferienwohnungen, Untervermietungen). Er soll Streitigkeiten zwischen Vermietern und Mietern vermeiden und Gerichten helfen zu entscheiden, sollte es gleichwohl dazu kommen.

Mietspiegel wird vor allem bei Änderungen angewandt

Der Mietspiegel wird insbesondere bei Änderungen der Miethöhe herangezogen, entweder als Begründung dafür oder dagegen. Bei Neuvermietungen kann die Miete grundsätzlich frei vereinbart werden. Eine Schranke setzt aber Paragraf 5 des Wirtschaftsstrafgesetzes, der Mietpreisüberhöhung als Ordnungswidrigkeit definiert.

Diese liegt vor, wenn eine Miete unter Ausnutzung eines geringen Angebots die ortsübliche Vergleichsmiete um mehr als 20 Prozent übersteigt, egal ob der Vermieter dabei leichtfertig oder vorsätzlich handelt. Das Gesetz sieht dafür Geldbußen bis zu 50 000 Euro vor.


Im Vergleich

Die ermittelten durchschnittlichen Mietpreise (ungewichtete arithmetische Mittelwerte unabhängig von auf- oder abwertenden Wohnwertmerkmalen wie Art der Heizung, des Bodenbelags, der Sanitärausstattung oder Einbauküche gestellt durch den Vermieter usw.): in Leutenbach 7,83 Euro je Quadratmeter, in Winnenden 7,96 Euro, in Fellbach 8,36 Euro und in Kernen 8,30 Euro.

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