Leutenbach Mit Messer bedroht

, aktualisiert am 09.03.2020 - 17:13 Uhr

Leutenbach/Rudersberg.
In Weiler zum Stein kam es am späten Samstagabend (07.03.) gegen 23 Uhr zu einem Einsatz von Polizei und Rettungsdienst. Ein Mann bedrohte Familienangehörige mit einem Messer. Nach ersten Aussagen der Polizei wurden Mutter und Kinder nicht verletzt, der Mann jedoch schon. Jedenfalls konnte die Bedrohungslage von der Polizei aufgelöst werden, der Bedroher sitzt in Haft. Im Laufe dieses Sonntags wollte das Polizeipräsidium mehr Infos zu dem Fall herausgeben, sobald der Einsatzbericht geschrieben wurde.

Am Montag gab die Polizei dann bekannt, dass der Mann vermutlich infolge seiner Alkoholisierung und einer möglichen Depression immer aggressiver geworden war. Als er sich mit einem Messer bewaffnet hatte und damit herumfuchtelte, hatten seine beiden erwachsenen Söhne die Polizei gerufen. Der Mann wurde bis zum Eintreffen der Polizei von den Söhnen festgehalten. Bei diesem Gerangel verletzte sich der Mann leicht.

Unklar ist auch noch, ob der Mann und die Frau in Trennung leben. "Beziehungs-Gewalttaten", in den allermeisten Fällen sind Männer die Täter, sind ein erntszunehmendes gesellschaftliches Problem. Erst am Mittwochmorgen (04.03.) hatte die Polizei eine 55-jährige Frau in einer Wohnung in Rudersberg tot aufgefunden. Die Frau lebte dort mit ihrem jetzt beschuldigten Lebenspartner zusammen. Ein Arzt konnte anschließend nur noch den Tod der Frau feststellen. Nach ersten Erkenntnissen der Kripo ist davon auszugehen, dass der 52-Jährige seine Partnerin getötet hat. Er befindet sich in polizeilichem Gewahrsam.

In Deutschland wird statistisch gesehen jeden Tag mehr als ein Mal pro Stunde eine Frau von ihrem Partner gefährlich körperlich verletzt. 122 Frauen sind in Deutschland im Jahr 2018 von ihrem Partner oder früheren Lebensgefährten getötet worden. Anders ausgedrückt: Jeden dritten Tag stirbt in Deutschland statistisch betrachtet eine Frau von der Hand ihres Partners oder Ex-Partners. Dunkelfeldstudien legen nahe, dass jede dritte Frau in Deutschland mindestens einmal in ihrem Leben von Gewalt betroffen ist. Darauf wies Familienministerin Franziska Giffey anlässlich des Internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen im November 2019 hin. Demnach sind knapp 80 Prozent der Opfer vorsätzlicher, einfacher Körperverletzung in Paarbeziehungen Frauen. Bei Mord und Totschlag innerhalb von Paarbeziehungen sind 77 Prozent der Opfer Frauen.

Der vor der Rudersberger Tragödie geschehene jüngste Fall von tödlicher Partnergewalt im Rems-Murr-Kreis liegt nur acht Monate zurück.

Partnergewalt kommt in allen gesellschaftlichen Schichten vor, heißt es in einer Analyse des Polizeipräsidiums Aalen. Gründe gibt’s viele: Unterschiedliche Wert- und Rollenvorstellungen, Alkohol- und Drogenmissbrauch, aber auch Arbeitslosigkeit, Armut und Verzweiflung – und „Boshaftigkeit bis Hass.“

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