Leutenbach Razzia in Asylunterkunft

Leutenbach.
150 Polizeikräfte haben am Freitagmorgen in Leutenbach die Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge in der Ziegeleistraße durchsucht. Im Einsatz waren Beamte des Landeskriminalamts, der Bereitschaftspolizei sowie der örtlichen Polizei.

Das Gebäude wird offiziell von 51 alleinstehenden Männern aus sechs Nationen, vorwiegend aus dem afrikanischen Raum bewohnt. Einsatzbeamte untersuchten die Zimmer insbesondere nach Drogen und Diebesgut. Vier Haftbefehle - gegen zwei Gambier, einen Algerier und einen Kosovaren - brachte die Polizei zum Einsatz mit. Gegen drei Gambier und zwei Algerier wurden am Freitag Durchsuchungsbeschlüsse vollzogen. Die Männer stehen unter Verdacht, gewerbsmäßig mit Drogen zu handeln. Die Personalien der Bewohner wurden von Spezialkräften überprüft. Ziel dieser Maßnahme war es, die Identität der Flüchtlinge, die sich derzeit in der Unterkunft aufhalten, dort aber nicht zugewiesen sind, festzustellen. So will die Polizei weitere Erkenntnisse auch aus anderen europäischen Ländern über diese Personen erlangen.

Im Vorfeld der Razzia wurden die erfassten Personen und deren Fingerabdrücke überprüft. So wurden Straftäter identifiziert, Doppel- und Mehrfachidentitäten aufgedeckt und Mehrfachantragsteller erkannt. Eine Beamtin der französischen Grenzpolizei aus dem GZ Kehl war bei der Razzia vor Ort und sorgte für den raschen und direkten Informationsaustausch mit den französischen Behörden.

So konnte zum Beispiel bei mehreren Personen aus Algerien und Gambia festgestellt werden, dass diese bereits in anderen EU-Staaten, darunter Spanien, Frankreich und Österreich, Straftaten verübt hatten und bereits dort erkennungsdienstlich behandelt wurden. Des Weiteren wurde bei den Durchsuchungen ein Versteck mit mehreren italienischen Identitätsdokumenten an der Unterseite eines Schrankes entdeckt.

Nach Angaben eines Sprechers wurde die Flüchtlingsunterkunft für den Einsatz einer Razzia gewählt, da die Bewohner in den vergangenen Monaten strafrechtlich besonders häufig auffällig geworden sind. Immer wieder kommt es zu Streitigkeiten und Ruhestörungen. Insgesamt registrierte die Polizei im vergangenen Jahr einschließlich Januar und Februar des laufenden Jahres rund 120 Meldungen zu verschiedensten Delikten. Bei der Polizei lagen tatsächliche Anhaltspunkte vor, dass in der Unterkunft Straftaten verübt werden, sich Straftäter verbergen und sich dort Personen ohne erforderliche
Aufenthaltsgenehmigung aufhalten. Im Rahmen vergangener Ermittlungen wurde festgestellt, dass sich immer wieder Personen aus anderen Unterkünften dort aufhalten und mit Bewohnern auch Straftaten verabreden. Bei der Vollstreckung einzelner Durchsuchungsbeschlüsse konnte wiederholt Diebesgut aus Einbrüchen und Diebstählen aufgefunden werden. Mehr als
die Hälfte der Bewohner sind bereits strafrechtlich in Erscheinung getreten.

Die Razzia wurde in enger Absprache und Zusammenarbeit mit der Gemeinde Leutenbach und dem Landratsamt Rems-Murr-Kreis, als für die Unterbringung zuständige Behörde, durchgeführt. Es waren jeweils Vertreter der Behörden, unter anderem Herr Bürgermeister Kiesl vor Ort, die in Bezug auf ausländerrechtliche Folgemaßnahmen zur Verfügung standen. Sowohl Bürgermeister Jürgen Kiesl als auch Herr Landrat Richard Sigel unterstützen die Arbeit der Polizei, begangene Straftaten konsequent zu verfolgen und Gefahren abzuwehren. "Das Sicherheitsbedürfnis der Menschen ist groß. Es ist wichtig, dass sich auch die Menschen, die bei uns Schutz suchen, an unsere Gesetze halten. Ich bin der Polizei dankbar, dass sie konsequent handelt, wenn es den Verdacht gibt, dass Straftäter in Flüchtlingsunterkünften des Landkreises Unterschlupf suchen.", so Landrat Sigel.

Gegen neun Uhr waren die Maßnahmen vor Ort beendet, sodass ein erstes Resumee gezogen werden kann.

  • Es wurden 34 Personen kontrolliert. Davon waren 24 Bewohner der Unterkunft.
  • Zehn andere hielten sich dort unberechtigt auf. Neun davon verstießen gegen räumliche Beschränkungen.
  • Bei einem Gambier besteht der Verdacht, dass er sich illegal in der Bundesrepublik aufhält.
  • Bei zwei Personen wurden kleine Mengen Marihuana gefunden.
  • Italienische Ausweisdokumente wurden gefunden, die die Personen eigentlich nicht besitzen dürften.
  • Zwei gestohlene Handys wurden gefunden. Eines davon stammt aus einem Raubdelikt, eines aus einem Diebstahl.
  • Von den fünf Bewohnern, gegen die die Durchsuchungsbeschlüsse vorlagen, war lediglich ein Gambier vor Ort.
  • Von den vier Bewohnern, gegen die Haftbefehle vorlagen, war niemand im der Unterkunft.

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