Leutenbach Volksbank schließt: Mobile Filiale für Nellmersbach?

Sieht aus wie ein Wohnmobil der gehobenen Klasse. Das Bankgefährt bietet über den Geldautomaten hinaus auch Beratung an. Foto: Volksbank Hohenhohe

Leutenbach.
Die Filialen der Kreissparkasse in Weiler zum Stein und Nellmersbach sind schon längst dicht und bald, Mitte Februar, schließt auch die Volksbank in Nellmersbach ihre Filiale. So verkündet es ein Aushang in ihrem Schaukasten. Und hat den Trost parat, dass eine SB-Station – mit Geldausgabe- und -einzahlungsautomat sowie Kontoauszugsdrucker – verbleiben soll. Im Übrigen verweist die Bank auf ihre Filialen in Weiler zum Stein und in Leutenbach die SB-Filiale im ebenso nahen Hertmannsweiler sowie die Direktion in Winnenden. Die Werbung mit dem Satz auf der Homepage „Besuchen Sie uns in unserer Volksbank Stuttgart eG Filiale Nellmersbach. Ihre Ansprechpartner sind persönlich für Sie da. Wir freuen uns auf Ihren Besuch in der Bahnhofstraße 28 in 71397 Leutenbach“ ist also demnächst überholt.

Der nächste Schritt also nach der Verkürzung der Öffnungszeiten (mittwochs nur noch vormittags, dienstags und donnerstags ganz zu). In Weiler zum Stein hat die Voba nur noch dienstags und donnerstags geöffnet. Bleibt dort allerdings, noch, standorttreu, was Bürgermeister Jürgen Kiesl in einem Brief an den Vorstandsvorsitzenden Stefan Zeidler ausdrücklich lobt. Dort gibt es offenbar noch eine ausreichende Zahl von Filialbesuchen, während in Nellmersbach die Kundenfrequenz zuletzt sehr niedrig gewesen sein muss. Kiesl vergisst nicht zu danken dafür, dass die Bank dort immerhin einen Geldautomaten betreiben wird.

„Spürbare Beeinträchtigung“ vor allem für Ältere

Der Leutenbacher Bürgermeister weiß, dass auch eine Bank ihre Kostensituation im Auge haben muss und dass ein immer größerer Teil der Bevölkerung seine Bankgeschäfte mittlerweile digital, online, übers Internet, erledigt. Aber eben nicht alle, vor allem die Älteren, und für die bedeute der Verlust ihrer Bankfiliale vor Ort „eine spürbare Beeinträchtigung“, so Kiesl, gar eine Verringerung der „Teilhabe am öffentlichen Leben“ beklagend, so wie schon bei der Schließung der beiden Kreissparkasse-Filialen, nach denen die Bank nur noch im Teilort Leutenbach vertreten ist.

Er habe seit Bekanntwerden der Schließungsabsicht überraschend starke Reaktionen, natürlich negative, langjähriger Volksbankkunden registriert, und zwar deutlich mehr und intensivere als bei denen der genannten Sparkassenfilialen 2018. Über Jahrzehnte treue Kunden fühlten sich im Stich gelassen, schreibt der Bürgermeister weiter. Aus dieser besonderen Bindung – dass Kunden gleichzeitig Genossenschaftler sind – entstehe eine besondere Verantwortung für die Volksbank, so Kiesl, der auch Vorsitzender des Volksbank-Beirats Winnenden ist. Er schlägt vor, über den Geldautomaten hinaus, um die Schließung abzufedern, eine mobile Bankfiliale einzurichten, die einmal pro Woche für einige Stunden nach Nellmersbach kommt. Und genauso nach Birkmannsweiler.

Die Idee mit der mobilen Bankfiliale hat Kiesl natürlich nicht erfunden, sie ist ihm auch nicht im Traum erschienen. Solche gibt es nämlich bereits vor allem in ländlichen Gegenden mit vielen kleinen Ortschaften, wo sich eine Filiale betriebswirtschaftlich gesehen nicht mehr „lohnt“, die Nutzung kontinuierlich rückläufig ist und die Bank andererseits hohe fixe Kosten (Raummieten) hat.


„VobaMobil“ in Hohenlohe Pionier

Die Volksbank Hohenlohe betreibt eine mobile Bankfiliale, nach Angaben der genossenschaftlichen Rechenzentrale eine der bundesweit ersten und damit ein Pilotprojekt. Das „VobaMobil“ tourt zwischen zwölf Ortschaften (in der Regel nicht mehr als 1000 Einwohner) im Geschäftsgebiet der Volksbank, und zwar nach einem festen Wochentag- und Zeitplan. Die Flecken werden ein-, zweimal in der Woche angefahren, die Stand- beziehungsweise Öffnungszeit liegt jeweils zwischen einer und zweieinhalb Stunden.

Die Bank setzt das Gefährt, das auf den ersten Blick wie ein gehobenes Wohnmobil aussieht, im Gegenzug dafür ein, dass sie ihre bisherigen Kleinstfilialen dort schließt. Laut Jochen Leitner, Bereichsleiter des Vertriebsmanagements, ist die mobile Voba-Filiale die einzige Bankstelle in diesen Dörfern. Die sieben Tonnen schwere Filiale auf Rädern hat die Funktionen der SB-Stationen und sie bietet, wie bisher in den stationären Filialen, darüber hinaus Beratung an, und zwar durch die bisherigen Mitarbeiter. Die Online-Anbindung erfolgt mittels einer Satelliten-Antenne. Die Stromversorgung an den Standorten ist gewährleistet und wird durch eine Fotovoltaikanlage auf dem Dach unterstützt.

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