Limes-Cicerones in Welzheim Nachtwache im Kastell: Auf den Spuren der Römer

Eindrucksvoll: Der Helm der römischen Soldaten. Foto: Palmizi/ZVW

Welzheim. Die Abendsonne geht im Westen des Welzheimer Ostkastells unter. Eine kleine Gruppe neuer Rekruten hat sich am Tor versammelt. Auf zur Nachtwache im Kastell. Doch zunächst werden die Rekruten von ihrem Befehlshaber zurechtgestutzt. Soldatenleben live. Zum Auftakt der Saison führten Marcus und Andreas Schaaf (35) in Szenen durch das römische Lagerleben.

Links herum, rechts herum, gerade stehen in zwei Reihen. Zu Beginn können die Besucher bei der Führung der Limes-Cicerones erleben, wie die Soldaten einst ihren Wachdienst übernahmen. Die Fackeln und Öllampen bleiben an diesem Abend aus, denn es ist einfach noch zu hell, was auch dem wunderbaren frühsommerlichen Wetter zu verdanken ist.

Die Frage nach einem Leben nach dem Tod im Jenseits

Bei der Inspektion steigt der Besucher auch tatsächlich in die Geschichte ein. Bei der Führung am Samstagabend standen Fragen nach einem Leben im Jenseits und wie die Religionen versuchen, darauf zu antworten, im Mittelpunkt.

Seit dem Jahr 2005 gibt es diese öffentlichen Führungen, um das Leben der Römer lebendig werden zu lassen. Besucherzahlen werden laut Marcus Schaaf nicht ermittelt, da mehrere Limes-Cicerones in Welzheim mit unterschiedlichen Führungsformaten unterwegs sind. Er schätzt aber, dass rund 2000 Menschen im Jahr auf den Spuren der Römer geführt werden.

Die Resonanz auf das Angebot ist nachhaltig. Schaaf: „Zwar nicht mehr so gigantisch wie im Jahr 2005, als der Limes Weltkulturerbe wurde, aber noch relativ stabil kommen Menschen aus nah und fern, um das römische Erbe vor Ort zu erkunden.“

Dabei kommen die Teilnehmer vorrangig aus dem Remstal, immer wieder aber verirren sich auch einige Welzheimer her, um etwas über ihre Vergangenheit zu erfahren.

„Patrone“ des römischen Erbes

Die Limes-Cicerones sind im Jahr 2004 entstanden, als die Vorbereitungen für die Anerkennung des Limes als Weltkulturerbe liefen. Der Ostalbkreis und der Rems-Murr Kreis haben sich in Zusammenarbeit mit dem Archäologischen Landesmuseum Stuttgart um Menschen bemüht, die Besuchergruppen römische Relikte vor unserer Haustür zeigen. Seitdem finden sich immer wieder neue Vertreter und Vermittler, die „Patrone“ des römischen Erbes werden.

Bereits vor Beginn der offiziellen Führung rennen viele Teilnehmer mit ihren Fotoapparaten durch die Gegend. Die zeitgemäß gekleideten Limes-Cicerones mit ihren Helmen und Schildern vor dem Ostkastell sind ein beliebtes Fotomotiv. Immer wieder verstehen es die Brüder, die Teilnehmer in das Geschehen einzubeziehen. Einer darf das Schild tragen, ein anderer den Speer oder die Tasche mit den Utensilien.

Der Alltag war hart: Drill stand auf der Tagesordnung

Die Rekruten verhalten sich jetzt disziplinierter. Die Übungen zeigen erste Erfolge. „Der Alltag und der Drill waren hart und standen auf der Tagesordnung“, berichtet Marcus Schaaf. In den religiösen Gedanken klingt immer wieder die Hoffnung durch auf ein Leben nach dem Tod. In Welzheim gab es vor rund 2000 Jahren eine Garnison von insgesamt 100 Garnisonen, und zwar im Ostkastell und im Westkastell. Das Kastell war Dorf am Rande des Dorfes mit einem Eigenleben. Eigentlich sollte der Soldat keine Ehe eingehen, um seine ganze Kraft dem Soldatenleben widmen zu können. Gleichwohl wurden wilde Ehen geduldet, denn es wurden gleichzeitig frische Rekruten benötigt. Das Soldatenleben startete seinerzeit mit 16. Nach 20 bis 25 Jahren wurde man aus dem Dienst entlassen.

Doch alsbald kehren Marcus und Andreas Schaaf zum Hauptthema zurück: Jupiter (auch Iuppiter Optimus Maximus genannt) war bei den alten Römern der oberste und wichtigste Gott aller römischen Götter. Als Vater von Jupiter gilt Saturnus, ebenfalls ein römischer Gott. Seine Mutter war Ops. Er wurde der Mythologie zufolge in einer Höhle am Berg Dikte geboren. Die Nymphe Almathea hat ihn schließlich aufgezogen. In einigen Schriften ist auch die Rede davon, dass er von einer Wölfin oder von Bären aufgezogen wurde. Jupiter gilt als Beschützer des Staates sowie der Familie und des Hauses. Von seiner Bedeutung entspricht er in der griechischen Mythologie dem Gott Zeus. Er galt als Herrscher über Blitz, Donner und Regen. Nach dem Gott Jupiter benannt ist auch der Planet Jupiter.

Venus gilt als Göttin der Schönheit und Liebe und ist der griechischen Göttin Aphrodite gleichgesetzt. Bei Darstellungen der Göttin Venus ist sie meist von Delphinen begleitet, welche als Symbole für die Liebe galten.

Magischer Zusammenhang zwischen Himmel und Erde

Die Menschen in jener Zeit sahen einen magischen Zusammenhang zwischen Himmel und Erde. Sie brachten den Göttern Opfer dar wie Wein und Fleischgaben und glaubten, dass diese in den Himmel aufsteigen und dort von den Göttern tatsächlich gegessen und getrunken werden.

Die Götter anderer Kulturen wurden nicht vernichtet, sondern abgewandelt und in die eigene Religion eingebunden. „Das wurde seinerzeit als Bereicherung empfunden“, so Marcus Schaaf.

Die Badekultur war seinerzeit schon sehr weit entwickelt, was die Limes-Cicerones im Welzheimer Ostkastell aufzeigten. Das Badegebäude war ein fester Bestandteil des Kastells mit Umkleide, Kalt- und Warmwasserbecken und einer Sauna. Die Erfindung Fußbodenheizung hatten die Römer von den Griechen übernommen.


Info

Weitere Infos zu den Erlebnisführungen aller Art und für jeden Anlass auf der Homepage und telefonisch unter 0 71 82/87 34 oder 0 71 82/27 69.

Truppenstandort

Der Luftkurort Welzheim gehörte im 2. und 3. Jahrhundert n. Chr. zu den wichtigsten Truppenstandorten am Obergermanischen Limes.

Im Archäologischen Park wurde das Westtor des ehemaligen Ostkastells mit Kastellmauer rekonstruiert und Reste eines größeren Gebäudekomplexes sowie das Badehaus konserviert. Außerdem ist einer der beiden Brunnen zu sehen, aus dem Dutzende von römischen Schuhen geborgen werden konnten.

Abgüsse von Altären, Göttinnen und Göttern, die am Odenwaldlimes und am Obergermanischen Limes gefunden wurden, verdeutlichen die religiösen Vorstellungen jener Zeit.

Schautafeln im Infopavillon und auf dem Kastellgelände sowie ein Bronzemodell des Ost- und Westkastells wurden zur Information im Archäologischen Park zur Verfügung gestellt.

Virtuelle Limeswelten gibt es sonntags von 11 bis 17 Uhr im Museum Welzheim in der Pfarrstraße zu sehen. Weitere Infos: 0 71 82/80 08-15.

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