Limes-Gymnasium Welzheim Pfefferspray im Klassenzimmer versprüht

Großeinsatz am Welzheimer Limes-Gymnasium wegen eines Pfeffersprays, der von einem Mädchen ausgelöst wurde. Foto: Stütz / ZVW

Welzheim. Große Aufregung am Freitagvormittag am Welzheimer Limes-Gymnasium. Die Schülerin einer sechsten Klasse hatte nach Angaben des Schulleiters versehentlich ein Pfefferspray ausgelöst. Etwa 18 Schüler mussten deshalb vom Rettungsdienst versorgt werden. Sieben Schüler und eine Lehrerin kamen ins Krankenhaus. Der Unterrichtsraum wurde geräumt und belüftet. Für die anderen 520 Schüler bestand keine Gefahr. Der Schulbetrieb lief weiter.

Schulleiter Frithjof Stephan hatte alle Hände voll zu tun, um die anderen Schüler vom Aufenthaltsraum fernzuhalten, in dem die Verletzten behandelt wurden. Die Polizei war gegen 10.45 Uhr von dem Pfefferspray-Unfall unterrichtet worden. Weil von mehreren verletzten Schülern gesprochen wurde, startete ein Großeinsatz der Rettungsorganisationen. Vor Ort waren die Freiwillige Feuerwehr, der Rettungsdienst und die Polizei mit jeweils mehreren Fahrzeugen.

Verhalten und Ablauf noch unklar

Einige Betroffene konnten vom Rettungsdienst, der mit 31 Einsatzkräften im Einsatz war, vor Ort ambulant versorgt werden. Die Feuerwehr war zum Belüften des Gebäudes mit zwei Fahrzeugen und  14 Einsatzkräften im Einsatz. Zum Zeitpunkt des Geschehens befanden sich 27 Menschen im Klassenzimmer. Das Verhalten der Schülerin und der Ablauf sind für die Polizei noch unklar. Das Mädchen wird erst zu einem späteren Zeitpunkt befragt.

Ein Pfefferspray gehört nicht in Kinderhand

Der Zwischenfall wirft Fragen auf. Warum bringt eine Sechstklässlerin ein Pfefferspray mit an die Schule? Ein Pfefferspray ist ursprünglich als Tierabwehrspray zugelassen. Bei einem Einsatz gegen einen Menschen wird das Spray zur Waffe und dürfte dann an Kinder gar nicht verkauft werden.

Polizeisprecher Holger Bienert gibt auf Anfrage unserer Zeitung eine klare Antwort: „Ein Pfefferspray gehört nicht in Kinderhand.“ Auch nicht dann, wenn eine erhöhte Sicherheitsangst da ist. Der Umgang mit Pfefferspray ist nicht einfach. Wenn ein Polizist, der es einsetzen darf, das Pfefferspray versprüht, während er einen mutmaßlichen Täter verfolgt, rennt er selbst in den Reiznebel. „Wir gehen davon aus, dass das Kind nicht wusste, was es damit auslöst.“ In der Regel sei die Mitnahme eines Pfeffersprays an einer Schule verboten. „Uns ist kein anderer derartiger Fall bekannt“, so der Polizeisprecher.

Keine Altersbegrenzung bei Kauf von Pfeffersprays

Diese Aussage gilt offensichtlich nur für den Bereich der Polizeidirektion Aalen. Der Deutsche Lehrerverband warnte unlängst vor Pfefferspray im Klassenzimmer. Immer häufiger komme es zu Zwischenfällen an Schulen, bei denen leichtfertig mit dem Reizgas umgegangen werde, sagt der Präsident des Verbandes Heinz-Peter Meidinger: „Die Schüler denken, dass das ein Jux ist, und wissen nicht, wie gefährlich Pfefferspray wirklich ist.“ Noch vor fünf Jahren seien kaum Schüler auf diese Idee gekommen. Im vergangenen Jahr habe Meidinger von mehr als 30 Fällen gehört, oft mit Verletzten. Der Verbandspräsident forderte deshalb alle Schulen auf, Pfeffersprays auf ihrem Gelände zu verbieten.

Pfeffersprays zur Tierabwehr können in Deutschland legal gekauft werden: in Waffengeschäften, in Online-Shops oder in einigen Drogeriemärkten. Es gibt nicht einmal eine Altersbegrenzung, so die Polizei. „Das ist eigentlich eine Gesetzeslücke.“

Spray darf im äußersten Notfall gegen Menschen eingesetzt werden

Es klingt paradox: Mit der Aufschrift Tierabwehrspray fällt das Pfefferspray nicht unter das Waffengesetz. Sprays, die zur Abwehr von Menschen entwickelt wurden, dürfen nur an Jugendliche ab 14 Jahren verkauft werden. Gleichwohl darf ein Tierabwehrspray im äußersten Notfall auch gegen Menschen eingesetzt werden. Also zur Selbstverteidigung bei einer drohenden gefährlichen Körperverletzung zum Beispiel. Aber auch in diesem Fall darf das Spray nicht im Übermaß eingesetzt werden. Umstritten ist der Einsatz des Pfeffersprays selbst bei angreifenden Hunden. Das Pfefferspray kann das Tier zusätzlich reizen und es wird noch unberechenbarer. Gleiches gilt bei Wölfen.

Pfefferspray in Drogeriemarkt versprüht

Erst vor kurzem hatte ein Zwischenfall in einem Drogeriemarkt in Schorndorf für Aufregung gesorgt. Eine 18 Jahre alte Frau gab später beim Rettungsdienst zu, für den Zwischenfall verantwortlich zu sein. Die junge Frau hatte im Geschäft selbst ein zuvor erworbenes Pfefferspray ausprobiert. Die Angestellten und Kunden, die im Anschluss durch den betroffenen Gang im Drogeriemarkt liefen, hatten wohl noch die in der Luft vorhandenen Partikel eingeatmet bzw. in die Augen bekommen. Mit Pfefferspray ist also nicht zu spaßen.


Wie funktioniert ein Pfefferspray?

Das Abwehrspray kommt in der Regel in eine Sprühdose. Der Umgang damit scheint einfach zu sein: Wer auf die Dose drückt, versprüht in einem sogenannten ballistischen Strahl den Reizstoff Capsaicin. Dieser wird aus Chilis beziehungsweise Paprika gewonnen – und nicht aus Pfeffer. Er wirkt auf dreierlei Weise:

Augen: Der Wirkstoff, auch als Oleoresin Capsicum bekannt, führt zu einem starken Schmerz und einer Schwellung der Schleimhäute. Die Konsequenz: Die Augenlider schließen sich sofort. Der Betroffene kann für fünf bis zehn Minuten nichts sehen.

Atmung: Zudem führt das Abwehrspray zu Husten und Atemnot, die den Betroffenen ebenfalls stark handlungsunfähig machen.

Haut: Der Wirkstoff Capsaicin brennt auch auf der Haut. Ein starker Juckreiz ist ebenfalls die Folge, der bis zu 45 Minuten andauern kann. Bei sehr starker Dosierung sogar mehrere Tage.

Verboten!

Der Beigeordnete der Stadt Reinhold Kasian als Vertreter des Schulträgers, der Stadt Welzheim, hat noch offene Fragen am Feitagnachmittag folgendermaßen beantwortet (die Antworten sind mit der Schulleitung abgestimmt worden):

„Die Frage, weshalb eine Schülerin ein Pfefferspray dabei hat, stellen wir uns auch. Wir werden dieser Frage zusammen mit der Schule nachgehen.“

Bislang sind weder der Stadt noch der Schulleitung keinerlei Ängste bekannt (begründet oder unbegründet), die sich auf die Welzheimer Schulen beziehen. „Auch die Frage danach werden wir mit den Welzheimer Schulen erörtern“, so Kasian.

Gefährliche oder gesundheitsgefährdende Gegenstände sind in der Schule schlicht verboten.

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