„Machine Gun Preacher“ Vom Dealer zum Retter der Waisen

Sam Childers fühlt sich in der Motorrad-Werkstatt ganz wie zu Hause. Foto: Kölbl / ZVW

Waiblingen-Neustadt. In jungen Jahren war er ein „Verbrecher erster Güte“ und dealte in großem Stil mit Drogen. Heute tourt Sam Childers als „Machine Gun Preacher“ durch die Lande, um Geld für seine Hilfsprojekte im Südsudan zu sammeln, wo er Kindersoldaten das Leben rettet. In Neustadt predigte der 56-Jährige in einer Motorrad-Werkstatt.

Im Video: "Machine Gun Preacher" Sam Childer predigt in der Motorrad-Werkstatt in Neustadt.

Sam Childers gilt als einer der berühmtesten und umstrittensten Prediger weltweit. Seine Lebensgeschichte wurde in Hollywood mit Gerard Butler in der Hauptrolle verfilmt. Nun aber der echte „Machine Gun Preacher“ in einer Motorrad-Werkstatt in Neustadt – wie kommt es dazu?

Für „Dr. Mechanik“ Max Krpanic war die Veranstaltung eine Herzenssache – obwohl er mit dem christlichen Hintergrund nicht viel am Hut hat. „Für mich gibt es keinen Gott, aber Sam als Mensch beeindruckt mich.“

Den Machine Gun Preacher in die Werkstatt einzuladen, wo er vor etwa 50 Leuten predigte, will der gebürtige Kroate, der in den Neunzigern als Flüchtling nach Deutschland kam, als kleinen Beitrag verstanden wissen zu der Hilfe, die Sam Childers in einer der ärmsten Regionen der Erde leistet.

Bis er 30 war, gehörte er den "Hells Angels" an

Zwar werden Predigten meistens in Kirchen und Gemeindehäusern gehalten, der schillernde Entwicklungshelfer dagegen fühlt sich in der Werkstatt zwischen Schraubstock und funkelnden Harleys wie zu Hause. In den USA betrieb er selbst einen „Biker Shop“ und eine Baufirma.

Bis er 30 war, gehörte er der berüchtigten Rockergruppe „Hells Angels“ an. Optisch passt er in die Werkstatt, als sei er ihr bester Kunde. Das Publikum an diesem Abend ist nicht nur, aber natürlich motorradbegeistert. Draußen vor dem Tor stehen die Öfen sauber aufgereiht. Röhrend naht Besucher um Besucher.

Drogentransporte quer durch die Vereinigten Staaten, bewaffnete Leibwache für Drogendealer, Heroin und Alkohol – so sah seine Vergangenheit aus. Als er einer blutigen Massenschlägerei lebend entkam, schwor er dem Outlaw-Leben ab.

Kindersoldaten befreit und Brunnen gebohrt

Die christliche Bekehrung folgte, anders als im Film, erst zwei Jahre später. Für ein Hilfsprojekt kam er in den Sudan und erlebte Kinder, die als Soldaten oder Sexsklaven ausgebeutet wurden, und musste mit ansehen, wie ein Junge von einer Landmine zerrissen wurde. Das war ein weiterer Wendpunkt: Inzwischen rettete er nach eigenen Angaben mit seinen Projekten mehr als 1000 Kinder das Leben.

In Waisenhäusern bekommen die Kinder nicht nur ein Bett und zu essen, sondern eine Ausbildung. Bis Ende des Jahres soll ein sechsstöckiges Gebäude mit Bäckerei, Restaurant, Hotel und Wohnräumen für 50 junge Leute entstehen, die dort lernen und arbeiten.

Außerdem lässt Sam Childers in der verheerend trockenen Region mit schwerem Gerät Brunnen bohren. „Die Brunnen müssen mindestens 60 Meter tief sein, sonst sind Bakterien im Wasser und die Leute werden krank.“

Sam Childers outet sich als Trump-Wähler

Ein cooler Typ, eine packende Lebensgeschichte – und der „Machine Gun Preacher“ ist ein mitreißender Redner, der auch von großen Konzernen als Motivationstrainer angeheuert wird. Sein Haupteinkommen erzielt er mit einer bewaffneten Sicherheitsfirma – eine Branche, in der im Südsudan laut Childers eine große Nachfrage besteht.

Die Gewinne aller seiner Unternehmen gingen an die Hilfsprojekte, bei zwei Millionen Dollar Umsatz jährlich behalte er nur 65 000 für sich. Man mag das alles glauben oder nicht. Aber dann bittet er die Leute mit rhetorischer Eindringlichkeit, die Augen zu schließen und sich vorstellen, dass sie persönlich das Essen für die in langer Reihe anstehenden Kinder ausgeben, irgendwann ist der große Topf leer und die übrigen Kinder müssen hungrig fortgeschickt werden – und so folgt, wirkungsvoll vorbereitet, nach einem Gebet ein Spendenaufruf.

Dabei war kurz zuvor die Stimmung etwas gesunken, als der Preacher nach seiner Haltung zu Donald Trump und Hillary Clinton gefragt wird. Sam Childers outet sich als Trump-Wähler, obwohl er betont, dass der Präsident viel Stuss rede. Seine Politik jedoch hält er für richtig – und klingt gleich nach Trump-Wahlkampf.

Der habe schon jetzt mehr erreicht, als andere in Jahrzehnten. Die Zahl der durch Schusswaffen getöteten Menschen in den USA rechnet Childers gegen die Zahl der Abtreibungen auf. Fast klingt es, als habe der Präsident Abtreibungen bereits abgeschafft – was allerdings nicht zutrifft.

Eine Notwendigkeit zur Verschärfung der Waffengesetze sieht Childers nicht, sie müssten nur angewendet werden, Und Hillary? Die habe mindestens 20 Jahre Gefängnis verdient.


Waffen und Waisen

  • Als sein Waisenhaus fertig war, begann Childers mit bewaffneten Touren, um Kinder aus den Fängen von Rebelenmilizen zu retten. Die Dorfbewohner begannen ihn daher „Machine Gun Preacher“ zu nennen. Nach eigenen Angaben ist Childers schon mit Waffen aufgewachsen. Waffenbesitz gelte in seiner Heimat Minnesota als normal.
  • Heute ist das Waisenhaus eins der größten im Südsudan und hat 1000 Kindern ein Dach über dem Kopf geboten. 2017 wohnten dort 185 Kinder.
  • 1998 gründete Childers die Hilfsorganisation Angels of East Africa. 2013 bekam er den Mutter-Teresa-Gedenkpreis für Soziale Gerechtigkeit.
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