Mangel an Ehrenamtlichen Abenteuerspielplatz in Weinstadt droht das Aus

Eine Gruppe von fast 50 Kindern posiert im April 2009 beim Weinstädter Bildungszentrum für den Abenteuerspielplatz-Verein, der damals noch auf der Suche nach einem Platz war. Foto: Pavlovic / ZVW / Archiv

Weinstadt. „Unsere Betreuer und Betreuerinnen haben leider alle letztes Jahr aufgehört“: Hülya Russ hat viel versucht, um die Zukunft des Abenteuerspielplatzes zu sichern – doch nun muss sie aufgeben. Zusammen mit den verbliebenen Ehrenamtlichen hat die Vorsitzende beschlossen, bei der Mitgliederversammlung am 18. Februar den Weinstädter Verein nach zehn Jahren aufzulösen.

„Es ist Zeit Lebwohl zu sagen. Es waren tolle Jahre, die wir gern für euch Kinder da waren. Bleibt weiterhin kreativ“: Hülya Russ fällt der Abschied nicht leicht. Die Vorsitzende des Abenteuerspielplatz-Vereins hat viel Herzblut in ihr Ehrenamt gesteckt und immer versucht, den Betrieb irgendwie am Laufen zu halten.

Mangel an ehrenamtlichen Betreuern

Bereits vor einem Jahr, als das traditionelle Winterfeuer aus Mangel an Helfern abgesagt wurde, gab es erste Anzeichen, dass der Verein in der Krise steckt.

Trotzdem konnten 2018 am Dienstag- und Freitagnachmittag die Kinder immer noch vorbeikommen. Am 26. Oktober war der letzte Öffnungstag. „Nach unserer Winterpause sind wir voraussichtlich ab Mitte März wieder für euch da“, hieß es noch im Herbst in einer Mitteilung auf der Internetseite des Vereins. Hülya Russ suchte damals auch das Gespräch mit Oberbürgermeister Michael Scharmann. Dieser konnte freilich auch nicht das geben, woran es dem Verein mangelt: genug ehrenamtliche Betreuer.

Zerstörte Hütten und aufgebrochene Container

„Es ist einfach mühselig“, sagt Russ. Sie brauche neue Leute für den Vorstand, habe aber in den vergangenen zwei Jahren niemanden gefunden. „Zudem sind die Eltern auch nicht bereit oder können einfach aus zeitlichen Gründen nicht ehrenamtlich auf dem Platz oder hinter den Kulissen mitwirken.“ Dazu kamen Randale auf dem Platz durch Jugendliche, die die Vereinsvorsitzende als sehr anstrengend empfunden hat. Immer wieder sei alles verwüstet worden, die Hütten der Kinder seien zerstört und die Container aufgebrochen worden.

Als Kinder gespielt, als junge Männer auf dem Platz ausgeholfen

Mittlerweile haben sich laut Hülya Russ alle ehrenamtlichen Betreuer zurückgezogen. Manche studieren jetzt, andere sind weggezogen. Für jene Kinder im Alter von sechs bis 14 Jahren, die gerne zum Abenteuerspielplatz kamen, wird definitiv etwas fehlen. „Manche sind in den Jahren auch in Betreueraufgaben hineingewachsen. Irgendwann haben Yannick Möller und Denis Russ, die selbst mal als kleine Kinder auf dem Platz Hütten gebaut und ihren Feuer-Führerschein gemacht hatten, als junge Männer auf dem Platz ausgeholfen“, erinnert sich Hülya Russ.

Vier Jahre lang war die Beutelsbacherin Vorsitzende, im Rückblick möchte sie deshalb all jenen danken, die sie immer mit Rat und Tat unterstützt haben. Wie Tine Huber, die Schatzmeisterin, und Frank Teuber, der Schriftführer, der 2018 sein Amt niedergelegt hat. „Die Zwei sind seit der Gründung dabei“, sagt Hülya Russ. Auch will sie Rentner Rolf Strohmayer Danke sagen, der seit 2012 jeden Dienstag ehrenamtlich die Kinder auf dem Abenteuerspielplatz betreut und zudem beim Hüttenbau geholfen hat. Nicht zu vergessen Rentnerin Gabriele Wathmann und Silke Möller, die auch lange dabei sind. Insgesamt waren es aber zu wenig Ehrenamtliche.

Mehr als 2500 Unterschriften für Abenteuerspielplatz gesammelt

In den Anfangsjahren war das anders. Ende der 2000er Jahre formte sich eine Elterninitiative um Uli Kinzler, die für einen Abenteuerspielplatz kämpfte. 2009 gingen die Eltern mit einer Werbeaktion an die Öffentlichkeit, fotografierten 46 Weinstädter Kinder mit Bauhelmen, Hämmern und Brettern für Plakate, die sie in ganz Weinstadt aufhängten. Ein mindestens zwei Fußballfelder großes Areal wünschten sie sich damals, beim Standort war den Eltern eine zentrale Lage zwischen Beutelsbach und Endersbach wichtig. Uli Kinzler und ihre Mitstreiter sammelten mehr als 2500 Unterschriften für einen Abenteuerspielplatz. Die Stadt bot dem Verein noch im selben Jahr verschiedene Grundstücke an, letztlich einigten sich 2010 alle auf das Gelände an der Schönfelder Straße am Beutelsbacher Ortsrand. 2011 startete der Verein dann richtig durch, nachdem er im Jahr zuvor vor allem durch Aktionen Geld für den Betrieb einsammelte. Immer wieder gab es Rückschlage durch Vandalismus, aber die Ehrenamtlichen ließen sich davon nicht beirren. Jetzt scheint es so zu sein, dass die Mitgliederversammlung am Montag, 18. Februar, im Löwen in Beutelsbach (Beginn ist um 18 Uhr) die letzte in der Geschichte des Vereins wird.


Das sagt die Stadt

Die Stadt Weinstadt bedauert es laut Pressesprecher Holger Niederberger sehr, dass aufgrund von Mitgliedermangel der Verein den selbst gestalteten Abenteuerspielplatz nicht weiter betreiben kann. „Ein solches Angebot, welches von Vereinsseite offeriert wird, ergänzt das vielfältige Jugendangebot der Stadt Weinstadt. Ein weiterer Betrieb unter Führung der Stadt auf dem Gelände ist aus Kapazitätsgründen nicht möglich.“

  • Bewertung
    3

Heute in Ihrer Tageszeitung

  • Waiblinger Kreiszeitung
  • Schorndorfer Nachrichten
  • Winnender Zeitung
  • Welzheimer Zeitung
Lust auf mehr?

Lesen Sie Ihre Zeitung immer und überall digital: Hier ePAPER-Angebote entdecken!