Mannheim Kleinkind gequält: Prozess gegen Pflegeeltern beginnt

Das Eingangsportal des Amtsgerichts in Mannheim. Foto: Ronald Wittek/Archiv Foto: dpa

Mannheim.
Ein Ehepaar aus dem Rhein-Neckar-Kreis soll seinen Pflegesohn brutal misshandelt haben - von Dienstag an (9.00 Uhr) müssen sich die Frau und der Mann vor dem Amtsgericht Mannheim verantworten. Sie sind wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung mit Misshandlung von Schutzbefohlenen angeklagt. Der damals drei Jahre alte Junge war mit offenen Wunden, ausgerissenen Haaren, gebrochenen Knochen, einer Leberprellung sowie völlig unterernährt 2017 aus der Pflegefamilie herausgeholt worden. Das Mannheimer Jugendamt war auf die Misshandlung aufmerksam geworden und brachte den Bub in eine Klinik, wo er zehn Tage behandelt wurde.

Die 44-jährige Pflegemutter hat laut Anklage eine Misshandlung des Kindes bestritten. Dieses sei gestürzt und habe zu wenig gegessen, um die anderen Familienmitglieder zu "bestrafen". Die Haare habe sich der Junge selbst herausgerissen. Der gleichaltrige Vater hatte zunächst geschwiegen und dann einen Brief ans Gericht geschrieben, dessen Inhalt nicht öffentlich bekannt wurde.

Die leibliche Mutter des Opfers tritt in der Verhandlung als Nebenklägerin auf. Der Strafrahmen für die gefährliche Körperverletzung und die Misshandlung von Schutzbefohlenen liegt bei sechs Monaten bis zu zehn Jahren Freiheitsstrafe.

Nach Angaben des zuständigen Mannheimer Jugendamtes wurde das Kind regelmäßig dem Kinderarzt vorgestellt und besuchte kontinuierlich den Kindergarten - ohne dass es Hinweise auf häusliche Probleme gegeben habe. Der am 13. September 2017 beim Jugendamt eingegangene Hinweis auf eine konkrete Kindeswohlgefährdung wurde sofort geprüft. Innerhalb von zwei Stunden sei der Junge in Obhut gekommen.

Die zuständige Mannheimer Bürgermeisterin für Bildung, Kinder, Jugend und Gesundheit, Ulrike Freundlieb, zeigte sich betroffen angesichts des Falls und der Tatsache, dass die Gewalt nicht früher habe verhindert werden können. "Es ist sehr bedauerlich, dass durch Fälle wie dem aktuellen, dem Ruf und der Leistung von Pflegeeltern ein schlimmer Schaden zugefügt wird." Die Pflegeeltern in Mannheim und in der Rhein-Neckar-Region leisteten eine sehr wichtige und pädagogisch anerkannte Aufgabe.

Hätte das Leid des Jungen früher entdeckt oder verhindert werden können? Freundlieb sagte, die Beurteilung einer familiären Situation sei letztlich immer eine Prognose in die Zukunft, die stets nur aufgrund der aktuellen Situation bewertet werden könne. "In der Nachbetrachtung kann sich die Situation dann jedoch als anders herauskristallisieren, als sie sich zum Beurteilungszeitpunkt dargestellt hat."

Das Jugendamt Mannheim betreut derzeit 203 Pflegefamilien, in denen 235 Pflegekinder leben. Der Pflegekinderdienst vermittelt im Jahr durchschnittlich 25 bis 40 Kinder in Familien in Mannheim.

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