Maskottchen der Remstal-Gartenschau Selbstversuch in Schorndorf: Im Inneren der Biene Remsi

So geht das Fliegen: Remsi versucht, Eis essenden Gartenschaubesuchern das Fliegen beizubringen. Foto: ZVW/Gaby Schneider

Schorndorf. Schweißtropfen rollen, die Halsmuskeln müssen kämpfen, das Atmen wird schwer. Eine Stunde auf dem Laufband ist nichts gegen 20 Minuten im Remsi-Kostüm. Auch wenn die Auftritte der Biene bei der Remstal-Gartenschau locker und leicht aussehen – für den Schauspieler im Inneren ist’s wirklich schweißtreibende Arbeit. Wie schweißtreibend, das hat unsere Redakteurin Michaela Kölbl getestet. Und hinterher eine Flasche Sprudel in Rekordgeschwindigkeit geleert.

Nicht umsonst besuchen die Remsi-Darsteller regelmäßig ein Fitnessstudio. Das Kostüm der tapsigen Plüschbiene wiegt rund 15 Kilogramm. Da müssen Schulter- und Nackenmuskeln gut trainiert sein. Auch ein wenig Ausdauer schadet nicht. Schließlich ist’s eine enorme Belastung, 20 Minuten im Bienenkleid zu stecken. Schnell wird’s in dem riesigen Kopf 50 Grad Celsius warm. Da kommt man doch ins Schwitzen. Drum dürfen die Remsi-Darsteller nur langärmelig - und beinig ausgestattet in die Biene hinein. Der Schweiß soll nicht in den kuscheligen Plüsch gelangen. Zusätzlich wird die Bienenhülle nach jedem Einsatz ordentlich desinfiziert.

Dicker Bauch, runde Füße, spärliche Frisur – einfach schön

Also hat sich die Redakteurin trotz des sommerlichen Wetters regelentsprechend gekleidet. Dann geht’s endlich richtig los. Es warten noch mehr Schichten, die angezogen werden wollen. Hinter der Bühne der Orangerie wird der Schreiberling zum Flugling. Hinein geht’s in die gelben Bienenbeine, es folgen Plüscharme, die an ein Netzhemd genäht sind. Eigentlich ist’s nun schon warm genug. Aber weiter. Hinein in den kesseligen Bienenbauch. Dann werden die besockten Menschen-Füße in breite Bienenpfoten hineingeschnallt. Echte Quadratlatschen sind das. Ein eleganter Gang ist quasi unmöglich. Das Beinbein wird schließlich noch mit Klett am Insektenschuh befestigt, nicht dass noch was verrutscht. Je mehr Bienenschichten übers Darsteller-Ich gleiten, umso mehr Remsi-Charakter stellt sich ein. Irgendwie frech, ziemlich gut gelaunt und ein wenig tapsig kommt man nun daher. Und damit das Redakteurinnen-Ich vollends verschwindet, kommt der kugelige Remsi-Kopf obendrauf.

Fellige Handschuhe machen das Kostüm perfekt.

Ab jetzt heißt’s Schweigen. Kopf schütteln sowie Daumen hoch und runter müssen zur Verständigung reichen. Schließlich soll die Biene ihre Integrität wahren. Wechselnde Stimmen der verschiedenen Bienendarsteller würden speziell die Kinder nur verwirren. Auch der Kopf darf nie vor Zuschauern gelüftet werden. Das würde die Biene entzaubern.

Kuscheliges Rieseninsekt: bewundert und geliebt

So gewandet geht’s nun raus in die freie Wildbahn. Nur durch den Bienenmund hindurch lässt es sich blicken. Über die Insekten-Schnute ist noch ein Netz gespannt. Das schränkt die Sicht nach draußen weiter ein, allerdings ist’s auch irgendwie ganz gut, dass auf diese Weise kein Wespentier ins Bienenhirn gelangen kann. Könnte ziemlich unbequem werden. Noch ein paar Probehüpfer und -wackler, dann kann’s los gehen.

Dass für ein kuscheliges Rieseninsekt andere Regeln gelten als für Normalos ist schnell klar. „Hey Remsi, komm mal her, ich möcht’ ein Selfie machen.“ Zack, hat die Biene eine junge Dame im Arm, die sich von ihrer Begleitung ablichten lässt. Dass dabei den blauen Flügeln ein paar Blumentöpfe im Weg stehen – nun ja, was soll man machen. Man hat halt hinten am gelben Köpfchen keine Augen. Und dann kommen sie der Biene schon entgegengesprungen – die Kinder. Sie himmeln die Gelb-Schwarze mit großen Augen an, winken schüchtern, staunen und freuen sich über die kleinen Gummibärchentüten. Und dann gibt’s auch ganz Forsche. Ein kleiner Mutiger stürzt sich der Biene mit einem „Hallo, Remsi!“ herzhaft in die Arme. Schließlich ist das tapsige Tier in der Daimlerstadt keine Unbekannte mehr. David Wagner, Chef der Agentur Vanevents und damit Remsis Chef weiß, dass die Biene hier am häufigsten im Einsatz ist. „Remsi ist bestimmt dreimal pro Woche in Schorndorf.“ In kleineren Kommunen oder auch in Schwäbisch Gmünd, wohin es das kuschelige Insekt weniger oft verschlägt, ist die Aufregung noch erheblich größer, wenn es um die Ecke biegt. Dafür ist die Vertrautheit auch erheblich kleiner.

Trotz Anstrengung ein Heidenspaß

Einstweilen wird’s wärmer und wärmer im Bienenkleid. Schweißtropfen rollen, nein rauschen über die Stirn, wandern weiter Richtung Hals. Abwischen ist unmöglich. Schließlich versperrt Remsis Kugelkopf den Weg. So richtig viel Sauerstoff kommt auch nicht hinein und recht viel Kraft kostet die Sache auch. Da muss die Nackenmuskulatur wirklich gut arbeiten, damit Remsi nicht mit hängendem Kopf daherspaziert. Der Puls gibt Gas.

Allerdings – es macht auch einen Heidenspaß. Im Bienenkostüm versteckt, erwacht ein längst vergessener Spaß am Spielen, ein gewisser Hang zum Scherzetreiben stellt sich ein. Und das Beste: Keiner ist von Remsi genervt. Auch wenn sich das dickliche Flügeltierchen in der Eisschlange vordrängelt, Blümchen vom Tisch fegt, bei Fotos Hasenöhrchen zeigt und die kleinen Besucher um ihre Gummibärchentütchen kämpfen lässt – niemand ist Remsi böse. Aber wie auch. Die Maskottchen-Macher haben in Sachen Kindchenschema wirklich alles geben: Große Kulleraugen, riesiger Kopf, dicker Po und spärliche Frisur – dagegen kommt kaum einer an.


Vier Remsi-Kostüme im Umlauf

Ursprünglich gab’s drei Remsi-Kostüme für die Gartenschau. „Die sollten mit drei Darstellern an rund 30 Terminen eingesetzt werden“, erinnert sich David Wagner von der Agentur Vanevents. Die Agentur kümmert sich um die Darsteller und organisiert Remsis Terminplan. Nur zu den wichtigen offiziellen Ereignissen war der Einsatz der Biene ursprünglich geplant.

Aber schon nach kurzer Zeit war klar - die Gartenschaubesucher lieben Remsi und wollen sie öfter sehen. Es wurde eine vierte Biene hergestellt. Schlappe 5000 Euro ist eines der gelb-schwarzen Maskottchen wert. Inzwischen hat die Biene 700 Einsätze hinter sich. Die Darstellermannschaft hat sich auf neun Personen ausgeweitet. Vor allem an den Wochenenden ist das Bienchen komplett ausgebucht. Und bis Mitte Oktober werden noch viele Auftritte folgen.

David Wagner hat noch nie erlebt, dass ein Maskottchen so erfolgreich war wie Remsi. Das liege auch an dem Charakter, der für das Plüschtier ersonnen wurde: immer freundlich, tollpatschig und offen für alle Kinder. „Das persönliche Erlebnis steht im Vordergrund.“ Im Gegensatz zu den meisten Maskottchen gehe Remsi aktiv auf die Kinder zu, gibt ihnen die Hand, bevor sie Gummibärchen verteilt, und versucht gerne Mal Dinge, die mit ihrer Statur eigentlich unmöglich sind: Kisten schleppen, Rad fahren, schaukeln – Remsi will alles erleben, aber nicht alles gelingt. Grade das macht sie wiederum so sympathisch.

Ob die Biene nun ein Junge oder Mädchen ist? „Beides und gleichzeitig keins von beiden“, erklärt Wagner. Jungs wie Mädchen sollten sich gleichermaßen angesprochen fühlen. Da würden Geschlechtszuschreibungen stören.

An diesem Wochenende ist Remsi wieder in Schorndorf unterwegs: Am heutigen Samstag, 24. August, ist das Maskottchen von 10 bis 13 Uhr auf dem Schorndorfer Marktplatz, am Sonntag, 25. August, von 12 bis 14 Uhr im Schlosspark und von 14 bis 18 Uhr auf dem Marktplatz. Während dieser Zeiten macht Remsi immer wieder Pausen. Schließlich dürfen die Darsteller wegen der starken Hitzebelastung nicht länger als 30 Minuten am Stück im Fell stecken.

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