MC Bruddaal und Da Schraxx Schwäbischer trifft Bayrischen Rap in Rudersberg

Der Schorndorfer MC Bruddaal mit typischer Fellmütze und Sonnenbrille hatte das Rudersberger Publikum schnell voll im Griff. Foto: ZVW/Benjamin Büttner

Rudersberg. Hip-Hop und Rap sind musikalische Strömungen, die ihre Wurzeln auf der Straße, der engeren Nachbarschaft, der lokalen Gemeinde haben. Von daher kommen auch ihre Texte voller Satire, Frust oder auch Liebe, die die Erfahrungen der Allerweltsleute mit rhythmischem Witz zu elektronischer Musik skandieren. So, wie den Leuten der Schnabel gewachsen ist: im Slang, auf Bayrisch oder eben auch Schwäbisch.

Eigentlich sind Bayern und Schwaben ja Nachbarn. Südstaatler sozusagen, mit gemeinsamer Preußen-Abneigung (Berlin!). Aber dann, wenn der Münchner Hip-Hop- Artist „Da Schraxx“ auf die Frage, was seine bayrischen Lieblingssprichwörter sind, antwortet: „Basst scho, schau ma moi, werd scho wern“, dann tun sich allemal Gräben gegenüber uns Schwaben auf.

Bajuwarischer Fatalismus gegen schwäbische Schafferlesmentalität

Dieser bajuwarische Fatalismus hat für uns schon eine etwas k.-u.-k-mäßige, balkanische Schicksalsergebenheit und steht der akkuraten Schafferlesmentalität von uns Schwaben diametral entgegen. Dialekt hin oder her: Das sind zwei - unvereinbare - Kulturen! Und das war auch bei den beiden tollen Auftritten von Da Schraxx und MC Brudaal beim „1. Menix Hip-Hop Mundart“-Festival in Rudersberg so.

Ganz Vorstadt-Filou mit Karo-Schiebermütze überm Schnauzer und anfangs rotem Jockey-Blouson traut sich da der Schraxxinger-Sepp (Titel seines ersten Albums) aus Hallbergmoos auf die Bühne der Gemeindehalle vor etwa 250 Rudersberger Hip-Hop-Fans aus allen Altersstufen.

Eine Seele von Mensch iss a, da Schraxx, und singt davon, wie sein „Härz, bumbbd, bumbbd, bumbbd Bluad“. Denn, so seine unwiderstehliche Vorstadt-Philosophie: „Mir san oalle Menscha, deshoib ghärn mer zsamm!“ Man musste ihn mögen, den Bayern in der schwäbischen Fremde, der von sich sagt, „a bissel verplant, aber immerhin ehrlich“, zu sein, aber schon mal zur Sicherheit nachfragen musste, „vastäht’s ihr ahn Wort, von dem, was i sog?“

Heimspiel für MC Bruddaal

Diese Sorgen musste sich MC Bruddaal, der Schorndorfer Musensohn, nun nicht machen. Für ihn war das Konzert von der ersten Sekunde an ein Heimspiel, zu dem er mit dem Mini-Chopper-Fahrrädle auf die Bühne eingeritten kam. Und dann, von null auf hundert, so unvergessliche, dazu absolut heimische Reime, gleich in seinem ersten Song: „I hab Sacha vom Wühli / Ond ben frisch wie Spüli.“

Und dann, der Mann hat inzwischen wirklich Hits, die jeder, sogar die nun wahrlich vom Internet abgehängten Rudersberger, mitsingen können. „I schab di Schbäddsle logger aus’m Handgelängg. Schbäddsle, Party, Lalalala! / I lärn di ei / Genau so muss a Party sei!“

MC Bruddaal erweist sich da als großer Entertainer. Das liegt sicher auch daran, dass der charismatische Schwobaseggel wirklich Spaß hat an seinem Auftritt. Und sogar seinen famosen DJ Lobster an den Turntables und elektronischen Gimmicks sieht man immer mal wieder über die Spontaneität von MC Bruddaal überrascht lächeln. Also, anders als bei den „schau mer mal“- Bayern: „Heit wird wieder sauber g’macht / Des isch a super Sach!“ heißt es im Klassiker „Kehrwoch“ und bei „Wertstoffhof“ singen dann sogar die von ihren Eltern mitgenommenen Kids im Saal begeistert mit: „I fahr zom Wertstoffhof ond werd mein Wertstoff los!“ Und schließlich das Flirten mit dem Auftrittsort: „Rudersberg, du bisch mei Namber Wan!“ Was zählt, ist der Augenblick. Und das vermittelt MC Bruddaal einfach umwerfend. „Wo isch’s am geilschda? Dahanna!“

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