Mehr Betreuungsplätze Leutenbach richtet Naturkindergarten ein

Symbolbild. Foto: Pavlovic / ZVW / Archiv

Leutenbach. Die vorhandenen Betreuungsplätze in den Kindergärten werden bald nicht mehr ausreichen. Die Gemeinde will aus Kostengründen nicht erweitern und auch nicht neu bauen, sondern das Problem bei den über Dreijährigen mit einem Naturkindergarten im Landschaftspark Höllachaue lösen.

Man habe monatelang überlegt, berechnet, sei „kreativ“ geworden, um „Lösungen zu finden, die die Gemeinde nicht überfordern“, so Bürgermeister Jürgen Kiesl in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats, auf das Bevölkerungswachstum von über acht Prozent in den vergangenen zehn Jahren verweisend. Das mache sich nicht zuletzt an vollen Kindergärten bemerkbar und daran, dass die Leutenbacher Grundschule an der Grenze zur Dreizügigkeit sei. Bei einer weiteren Erweiterung von dieser wären erneut Millionen fällig.

Bedarf an Naturkindergarten ist nun da

Eine Möglichkeit, dies zu vermeiden, ein Waldkindergarten wie andernorts, gehe nicht, weil es Leutenbach an ausreichend eigener Waldfläche mangle, so Kiesl. Pläne für einen Naturkindergarten lägen schon länger in der Schublade. Nun sei der Bedarf da. Hauptamtsleiter Jakob Schröder verwies darauf, dass vor einigen Jahren allerorten noch sinkende Kinderzahlen vorausgesagt worden sind: „Es ist anders gekommen als gedacht.“ Überall in der Region seien die Zahlen steigend. In Leutenbach seien kinderreiche Familien zugezogen. Nicht zu vergessen die Kinder aus dort lebenden Flüchtlingsfamilien.

Standort liegt zentral zwischen den drei Teilorten

Die Verwaltung hat anhand der Jahrgangszahlen die Entwicklung der Kinderzahlen (ab dem dritten Lebensjahr) für die kommenden Jahre errechnet und mit der Kapazität der sechs Gemeindekindergärten und der beiden kirchlichen Betreuungseinrichtungen bis zum Jahr 2022 abgeglichen. Demnach werden in Leutenbach und in Weiler zum Stein die Ü-3-Plätze knapp, bereits im laufenden Kindergartenjahr, in Nellmersbach ist die Lage etwas entspannter. Der Ausweg soll ein Naturkindergarten sein, mit dem zentral zwischen den drei Teilorten gelegenen Standort Landschaftspark Höllachaue, wo viele Grundstücke im Besitz der Gemeinde sind und wo es laut Verwaltung ausreichend Möglichkeiten gibt, den Kindergartenalltag abwechslungsreich zu gestalten (unter anderem Naturpfad und das Wassertretbecken).

Treffpunkt für Kinder und Erzieherinnen

Im Gemeinderat stieß der Vorschlag auf Zustimmung. Kathrin Kopriva, ALi, sprach von einer „charmanten Idee“. Sie warnte allerdings vor Bring- und Holverkehr der Eltern: „Es kann nicht sein, dass jeden Tag zweimal 20 Autos in der Höllachaue einfallen.“ Dem werde mit einem Treffpunkt vorgebeugt, voraussichtlich am nahen Grillplatz Dalmenhölzle oben an der Straße zwischen Leutenbach und Nellmersbach, von dem aus die Kinder und Erzieherinnen gemeinsam runter zur Höllachaue gehen sollen, beruhigte Schröder.

Bei Erzieherinnen sind diese Stellen sehr begehrt

Renate Flemming, SPD, hakte mit Blick auf die einzustellenden Erzieherinnen nach, für einem Naturkindergarten seien ja wohl besondere Qualifikationen, vielleicht sogar eine spezielle Ausbildung erforderlich. Von der Ausbildung her seien das „ganz normale“ pädagogische Fachkräfte, die aber Fort- und Weiterbildungen absolvieren, so Schröder. Die Erfahrung lehre, dass diese Stellen sehr begehrt seien: „Die werden leichter zu besetzen sein als in einem normalen Kindergarten.“ Was mit Personalräumen sei, der Bauwagen sei für die anfallenden Verwaltungsarbeiten ungeeignet, so Andrea Unterweger-Rösiger. Dafür stünden Räume in den stationären Kindergärten zur Verfügung, versicherte Schröder. Außerdem sei der Verwaltungsaufwand in einem Naturkindergarten niedriger. Mit dem neuen Angebot erhöhe die Gemeinde die pädagogische Vielfalt und damit ihre Attraktivität, lobte Marcus Lenz, ALi.


20 Plätze und verlängerte Öffnungszeiten

Die Verwaltung hat im September alle Leutenbacher Eltern von Kindergarten- und Krippenkindern angeschrieben, gefragt, was sie von der Idee Naturkindergarten halten und ob sie ihre Kinder dorthin zur Betreuung schicken würden.

Etwa jeder vierte Fragebogen kam ausgefüllt zurück. Die Einführung wurde von mehr als zwei Dritteln der antwortenden Eltern befürwortet. Ein Drittel hat angekündigt, ihn auch in Anspruch zu nehmen. Zwei Drittel haben „Nein“ angekreuzt. Von den Kindern wiederum, deren Eltern eine Aufnahme in eine mögliche Vormerkliste bejaht haben, kommt ein Drittel in den kommenden Jahren in die Schule. 34 Kinder werden in diesem und in den kommenden Jahren in den Kindergarten aufgenommen.

Die Verwaltung sieht aus all dem die Grundlage dafür gegeben, einen Naturkindergarten mit 20 Plätzen und verlängerten Öffnungszeiten einzurichten.

Sie geht davon aus, dass drei Erzieherinnen benötigt werden (Personalkosten für die Gemeinde etwa 160 000 Euro jährlich).

Als Möglichkeit, sich (Kinder und Erzieherinnen) aufzuwärmen und auch sich gegen heftigen Regen zu schützen, soll ein Bauwagen angeschafft werden (Kosten etwa 50 000 Euro), hinzu kämen laufende Kosten von etwa 8000 Euro jährlich.

Vor allem wegen der Personalsuche rechnet die Verwaltung mit etwa sechs Monaten Vorlaufzeit. Sie verweist bei den Kosten darauf, dass diese nicht vergleichbar seien mit denen, die bei einem Um- oder gar Neubau eines Kindergartens anfallen würden.

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