Mehr Mobilität für Senioren Plüderhausen hat jetzt ein Bürgermobil

Freuen sich über das neue Angebot in Plüderhausen: Hauptamtsleiterin Verena Kwapil und Karl Mayer vom Krankenpflegeverein. Foto: Palmizi/ZVW

Plüderhausen. Bürger fahren Bürger und begleiten sie zum Arzt, bei Behördengängen oder beim Einkaufen: Das ist das Prinzip hinter dem Bürgermobil. Die Gemeinde Plüderhausen und der Krankenpflegeverein haben damit eine Mobilitätslücke für die Seniorinnen und Senioren geschlossen. Das Angebot startet jetzt.

Bei dem Begriff Bürgermobil mag einem ein Kleinbus einfallen, ein Transporter, vielleicht noch ein Kleinwagen, aber ein schwarzer 2er-BMW Grand Tourer? Das ist dann doch eine überraschende Wahl – zumindest auf den ersten Blick.

Denn Karl Mayer vom Krankenpflegeverein Plüderhausen fällt auf Anhieb eine ganze Reihe von Vorzügen ein: Das Fahrzeug hat eine gute Einstiegshöhe, die Sitze lassen sich leicht verstellen, es gibt eine Sitzheizung und, das ist besonders wichtig, genügend Platz um einen Rollator zu verstauen. Kurzum: Nach langer Suche erwies sich das schicke Auto mit dem Kennzeichen WN-BM 2021 eben schlichtweg als Wahl der Vernunft.

Fahrten auch für Walkersbach und die Höfe angeboten

Künftig werden Seniorinnen und Senioren von Plüderhausen, Walkersbach und den Höfen, die körperlich eingeschränkt sind, damit von zu Hause abgeholt und dahin gebracht, wo sie etwas zu erledigen haben: seien es Arzttermine oder Einkäufe.

Das Angebot geht auf einen Haushaltsantrag der SPD aus dem Jahre 2016 zurück, weshalb sich Gemeinderätin Elke Mück besonders freut, dass es nun Wirklichkeit geworden ist. Nicht ohne Grund, denn Mobilität ist in Plüderhausen für viele ältere Mitbürger nur eingeschränkt gegeben. Durch den nicht barrierefreien Bahnhof etwa (ein Ärgernis, gegen das Verwaltung und Gemeinderat schon länger ankämpfen) oder Busse mit zu hohen Einstiegen.

Was ein Praktikum bewirken kann

Im vergangenen Jahr hat sich dann ein Praktikant bei der Verwaltung eingehend mit dem demografischen Wandel beschäftigt, es gab einen Runden Tisch und schließlich den Entschluss, das in Plüderhausen auszuprobieren, was in Schorndorf oder Welzheim ja offensichtlich recht gut funktioniert.

Der Gemeinde sei aber schnell klar gewesen, dass sie ein solches Angebot nicht alleine stemmen kann, sagt Hauptamtsleiterin Verena Kwapil. „Funktionieren kann das nur, wenn wir breit aufgestellt sind.“ Karl Mayer, Rechner und Verwalter beim Krankenpflegeverein begriff das Bürgermobil dann als eine Chance, den Verein „aus dem Dornröschenschlaf zu erwecken“, trug es dem Vorstand vor und erntete dort Zustimmung.

Zehn Ehrenamtliche stemmen die Fahrten

Relativ schnell haben sich dann Freiwillige gemeldet. Für alle gab es einen Erste-Hilfe-Kurs, eine Prüffahrstunde sowie eine Einführung ins Fahrzeug. Zehn Ehrenamtliche haben sich schließlich herauskristallisiert (weitere sind erwünscht!), wobei hier ehrenamtlich tatsächlich bedeutet, dass sie für diese wichtige Tätigkeit finanziell nichts erhalten. Als Zweierteams arbeiten sie abwechselnd im Fünf-Wochen-Takt.

Und so eine Fahrt kann schon mal etwas länger dauern, wie Mayer berichtet, der in der Testphase bereits einige Senioren zum Arzt brachte, sie dabei die ganze Zeit begleitete und damit mehrere Stunden verbrachte.

Die Erfahrungen waren bisher positiv. „Sehr dankbar“ seien die Nutzer gewesen, sagt Mayer. Schon jetzt habe er Buchungen für März erhalten. Die Notwendigkeit für dieses Angebot, sie hat sich erwiesen, bevor es überhaupt offiziell an den Start ging.

Wochentags zwischen 8 und 18 Uhr ist das Bürgermobil verfügbar

Nun startet das Bürgermobil auch hochoffiziell. Genutzt werden kann es immer montags bis freitags, jeweils zwischen 8 und 18 Uhr. Abweichende Zeiten sind nur im Einzelfall und nach Absprache möglich. Fahrten müssen spätestens einen Tag vorher bestellt werden (siehe auch: Wie buchen?). Bis zu einem Umkreis von rund 25 Kilometern, also etwa von Schwäbisch Gmünd bis Winnenden, übernehmen die Fahrerinnen und Fahrer Aufträge.

Das Angebot ist prinzipiell kostenlos, Spenden für die Deckung der Betriebskosten (für Leasing, Benzin und Versicherung) sind jedoch erwünscht.

Gemeinde und Krankenpflegeverein sind nun gespannt, wie der Bürgermobil-BMW bei den Seniorinnen und Senioren ankommt. Am Gefährt selbst dürfte dieser Versuch jedenfalls wohl kaum scheitern.


Wie bestellen? 

Wer das Bürgermobil nutzen möchte, muss es spätestens einen Tag im Voraus bestellen.

Und zwar telefonisch unter der 07181/60 67 790 bei der Diakoniestation Schorndorf und Umgebung.

Das Telefon ist montags bis freitags von 9 bis 11 Uhr besetzt.

Der Krankenpflegeverein Plüderhausen freut sich über Spenden, mit denen die Kosten für das Bürgermobil gedeckt werden auf das Konto: DE 97 6025 0010 0004 0040 26 bei der Kreissparkasse Waiblingen. Die Mitgliedschaft im Verein kostet 16 Euro pro Jahr.

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