Mit dem Forschungsflugzeug „Sofia“ Ein Rudersberger Schulleiter hebt ab

Im September hat sich Thomas Smolarczyk die „Sofia“ schon einmal angesehen. Foto: Privat

Rudersberg.
Das Forschungsflugzeug „Sofia“, eine umgebaute Boeing 747 SP, ist als „Stratosphären-Observatorium für Infrarot-Astronomie“ regelmäßig auf bis zu 14 Kilometer Höhe unterwegs – also um die vier Kilometer höher als ein normales Passagierflugzeug –, um entfernte Galaxien zu beobachten und astronomische Infrarot-Daten zu sammeln.

Als die „Sofia“ kürzlich in Stuttgart landete, war Thomas Smolarczyk, der Leiter des Rudersberger Schulzentrums, einer der wenigen Laien, die sich die Forschungsstation, die eine Zusammenarbeit zwischen der Nasa und dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrttechnik (DLR) möglich gemacht hat, vor Ort ansehen konnten. Das trifft sich gut, denn Anfang Dezember fliegt er bei einem der „Sofia“-Forschungsflüge ab Palmdale, Kalifornien, mit.

Die Schüler der Astronomie-AG würden selbst gerne mitfliegen

Wir haben den Rektor am Schulzentrum in seiner Astronomie-AG besucht. Er hat den Fünft- und Sechstklässlern, die daran teilnehmen, gerade einen Film zur Einstimmung gezeigt und ihnen verkündet, dass er in der „Sofia“ mitfliegt.

Die nehmen das mit gemischten Gefühlen auf: „Ich hätte es mehr verdient“, scherzt der junge Andreas. „Ich würde selber gerne mitfliegen.“ Die anderen Kinder stimmen ihm zu. Sie sind in der AG, weil sie sich für unser Sonnensystem begeistern, für Raketen und entfernte Galaxien. „Mich interessiert das Gefühl, schwerelos zu sein“, erzählt Julia.

Einen kleinen Trost gibt es für die neugierigen Schülerinnen und Schüler: Thomas Smolarczyk bietet ihnen an, dass sie ihm einen Talisman auf seine Reise mitgeben können, den er dann bei seinem Flug in die Stratosphäre mitnehmen wird.

Die „Sofia“ ist nicht vergleichbar mit einem Passagierflugzeug

Zu seinem „Sofia“-Besuch in Stuttgart meint Thomas Smolarczyk: „Es war sehr spannend. Besonders weil ich wusste, ich darf bald mitfliegen.“ Die „Sofia“ sei nicht vergleichbar mit einem Passagierflugzeug. „Das ist schon eine tolle, fantastische Technik“, schwärmt er.

Das Teleskop mit einem Durchmesser von zweieinhalb Metern im hinteren Teil des Flugzeugrumpfs wurde im Auftrag des DLR entwickelt und wiegt mitsamt den wissenschaftlichen Instrumenten um die 20 Tonnen. Bei einer Flughöhe von 13 Kilometern ist das Teleskop Temperaturen von Minus 60 Grad Celsius ausgesetzt.

So kalt wird es für die Wissenschaftler und die fünf deutschen Lehrer, die ihnen bei einem Forschungsflug im Dezember über die Schulter schauen dürfen, in der Passagierkabine natürlich nicht. „Etwas kälter als bei einem normalen Flug ist es“, sagt Thomas Smolarczyk. „Aber wir ziehen uns dann einfach warm an.“

Anfang Dezember wird er für eine Woche in die USA fliegen. Nach einer Übernachtung in Los Angeles geht es weiter in das „Neil A. Armstrong Flight Research Center“, eine Einrichtung der Nasa in der Mojave-Wüste. „Neil Armstrong war dort früher selbst aktiv“, sagt Thomas Smolarczyk. Er wird dort als einer von nur fünf Lehrern aus Deutschland bei Vorbereitungstreffen dabei sein und in Sicherheitsmaßnahmen geschult, bevor der Flug startet.

„Bei der Sicherheit sind sie dort streng“, sagt er. „Sie haben uns erzählt, dass die Reise abgebrochen werden muss, wenn zum Beispiel ein Kameradeckel verloren geht.“ Auch Alkohol ist strengstens verboten. Eigentlich kein Problem, der Schulleiter plant aber, deutsche Schokolade als Gastgeschenk mitzunehmen. Sorten wie „Rum Traube Nuss“ fallen da schon einmal weg.

Lehrer sollen Begeisterung für Astronomie wecken

Ein Vorbereitungstreffen gab es bereits. „Einer der Wissenschaftler, die im Dezember mitfliegen, hat einen Vortrag gehalten“, berichtet Thomas Smolarczyk. Dabei haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer viel wissenschaftlichen Input bekommen. „Mein Physik-Studium liegt schon eine Weile zurück“, sagt er. „Da musste ich mich dann schon sehr konzentrieren.“ Fehlendes Fachwissen ist aber kein Problem, denn der Schulleiter fliegt nicht mit, um selbst zu forschen. Die Nasa und das DLR bieten die Mitflüge für Lehrkräfte an, damit sie ihren Schülerinnen und Schülern von der Erfahrung erzählen und so Begeisterung für die Astronomie wecken können.

Ob bei der Lektüre von Science-Fiction-Romanen oder beim Verfolgen des Dramas um die Apollo-13-Mannschaft: Thomas Smolarczyk war schon immer von der Astronomie begeistert. Weil er den Schülerinnen und Schülern in seiner Astronomie-AG aktuelles Wissen vermitteln wollte, machte er sich auf die Suche nach Fortbildungen. Dabei stieß er auf das Angebot der Nasa und des DLR. Um als einer von weniger ausgewählt zu werden, musste er sich mit einem Konzept bewerben. Sein Gewinner-Vorschlag sieht es vor, das Thema Astronomie in allen Klassenstufen altersgerecht zu vermitteln.

Wunsch, „die Erde einmal klein von oben zu sehen“

Seine Astronomie-AG ist für Thomas Smolarczyk eine Herzensangelegenheit. „Die Neugierde treibt einen dazu, mehr über seine Umwelt erfahren zu wollen“, meint er. „Der natürliche Forschungstrieb des Menschen soll nicht an den Schülerinnen und Schülern vorübergehen.“

„Ich habe mir schon immer gewünscht, die Erde einmal im Leben klein von oben zu sehen“, sagt er. „Da steckt ein Stück Romantik in mir.“ Die Erdwölbung wird er von der „Sofia“ aus nicht sehen, aber trotzdem: „Die Erfahrung ist für mich einmalig“, freut sich Thomas Smolarczyk.

  • Bewertung
    6
Der ZVW Morgen-Newsletter

Gut informiert in den Tag starten. Einfach kostenlos anmelden.

Heute in Ihrer Tageszeitung

Lust auf mehr?

Lesen Sie Ihre Zeitung immer und überall digital: Hier ePAPER-Angebote entdecken!