Mit dem Gartenschau-Bus auf Tour Die Höhepunkte des Remstals kennenlernen

Der Gartenschau-Bus fährt unter anderem an Weinbergen vorbei und – wie hier – nach Breuningsweiler hinauf. Im Hintergrund werden die Teilnehmer mit einem Blick auf Hanweiler belohnt. Foto: ZVW/Gabriel Habermann

Weinstadt. Zum ersten Mal ging es am Dienstag mit dem neu gestalteten Gartenschau-Bus auf die Halbtagestour „Das Remstal auf Hochtouren“. Der Weinerlebnisführer Karl Rüdiger Marion erzählte dabei witzige Anekdoten aus der Region – sehr zur Unterhaltung des Frauen-Chores aus Bad Cannstatt.

Giuseppe Barbutos Verwandten sind zum ersten Mal in Deutschland. In ihrer Heimat Kalabrien sind es derzeit knapp 20 Grad, die Sonne zeigt sich viel und gerne und hinterlässt eine natürliche Sommerbräune auf den Gesichtern. In Weinstadt können sie erst mal auf die Sonnencreme verzichten; stattdessen werden die Regenschirme gezückt. „Wir haben Sonne im Herzen, uns kann der Regen nichts anhaben“, sagt Giuseppe mit einer ausladenden Geste. Direkt am Anfang macht Giuseppe klar: Am liebsten wird er mit dem Vornamen angesprochen. Er ist heute unser Busfahrer, der uns zu den Höhepunkten des Remstales bringt.

Mit an Bord: 24 Frauen vom Gesangverein Harmonie Bad Cannstatt. „Die Männer haben wir zu Hause gelassen. Die können schaffen gehen“, dringt es aus der hinteren Reihe nach vorne. Gelächter. Applaus.

Im Rahmen der Gartenschau hat der Veranstalter „Omnibus Dannenmann“ in Zusammenarbeit mit dem Weinerlebnisführer Karl Rüdiger Marion die Halbtagestour „Das Remstal auf Hochtouren“ entwickelt, die den Teilnehmern das Remstal mit seiner Kulturgeschichte näherbringen soll. Witzige Anekdoten und Plaudereien über Wein inklusive. Am Dienstag fand die Tour zum ersten Mal statt – und trotz des andauernden Regens war der Reisebus fast bis auf den letzten Platz gefüllt. Besser die Umgebung hinter dem mit Regentropfen gesprenkelten Busfenster erkunden, als die Zeit im Hotelzimmer totzuschlagen.

Winnenden hat die größte Mops-Dichte Deutschlands

Giuseppe bringt uns zu den Mühlwiesen in Großheppach und über die alte B 14 Richtung Winnenden. „Die Stadt hat übrigens die höchste Mops-Dichte in ganz Deutschland“, verrät Marion. Das sei auf eine 300 Jahre alte Legende zurückzuführen: In der Schlacht um Belgrad im Jahr 1717 sei der Hofmops von seinem Herrchen – Herzog Karl Alexander von Württemberg – getrennt worden. Vor lauter Sehnsucht zu seinem Besitzer sei eben jener Mops allein zum Schloss Winnental zurückgelaufen. Nach seinem Tod errichteten die Schlossbewohner in Erinnerung an seine Treue ein Denkmal. Seitdem gehöre der Mops zu Winnenden wie die Milch zum Kaffee. Eine schöne Geschichte. Ob sie wahr ist, kann historisch nicht zweifelsfrei belegt werden; aber heute im Bus löst die Legende zumindest immer noch Gelächter aus. Allein das Wort „Mops“ scheint schon ein komisches Potenzial zu haben.

Giuseppe fährt uns schließlich zur Buocher Höhe. Mit 520 Metern ist sie die höchste Erhebung auf dieser Tour. „Normalerweise hat man hier einen fantastischen Blick auf die Landschaft“, erzählt Tour-Guide Marion über das Board-Mikrofon. Heute wird die Sicht auf die Schwäbische Alb allerdings von Dunst und Nebel getrübt. Macht nichts. „Man muss das auch einfach mal genießen, wenn es so wolkenverhangen ist. Das erzeugt eine ganz andere, mysteriöse Atmosphäre. Und umso schöner ist es, wenn man ins Warme einkehren kann“, ermuntert Marion die Reisenden.

Es funktioniert. Das wiegenähnliche Schaukeln im Bus und das monotone Grau der Wolken wirken zeitweise ermüdend. Doch mit Maultauschen, Schlachtplatte, Apfelstrudel und Co. kommt die Reisegruppe im „Schmiegs Rems-Besen“ in Winterbach wieder zu Kräften. Mehr noch: Sie wird geradezu beflügelt. Die Chor-Frauen kramen die Notenblätter aus ihren Taschen und geben spontan ein kleines Konzert für Marion und Giuseppe; beide haben erst vor ein paar Tagen Geburtstag gefeiert. Als sie das Lied „Lebe, liebe, lache“ anstimmen - ein Ständchen extra für Giuseppe -, filmt dieser begeistert die Performance mit der Handykamera. „Bellissimo! Ein tolles Geschenk!“

Natur mit 4-D-Effekt

Zurück im Bus. Es geht über Remshalden zum Remstalkino. 26 Holz-Stühle, die Kinosesseln nachgeahmt sind, geben den Blick auf das Rems- und Neckartal frei. Wer sich traut, verlässt den Bus mit Marion und kämpft sich durch den peitschenden Regen ein paar Hundert Schritte zum Bergsporn; wer trocken bleiben möchte, bleibt mit Giuseppe im Bus. Auf dem Bergsporn angekommen soll laut Veranstalter die Landschaft als Kinoleinwand erlebbar sein. Tatsächlich.

Die Zuschauer erfahren Natur mit 4-D-Effekt: Der Wind reißt an den Regenschirmen und knickt sie um; die vorher mit Schaumfestiger zurechtgelegten Frisuren fallen durch die Nässe allmählich in sich zusammen. Schön ist es trotzdem gewesen. Im Bus ist es schließlich wieder warm, für Erheiterung sorgen die Schnapspralinen. Und ein Lied zum Abschluss darf natürlich nicht fehlen. Die Damen entscheiden sich für „Schön ist die Welt“. Damit ist auch das Remstal gemeint. Bei Sonnenschein sicher genauso schön wie Kalabrien.


Aktion Reporter-Tausch

Britta Prasse ist normalerweise als Reporterin für die Westfalenpost-Lokalredaktion Bad Berleburg unterwegs. Die Stadt gehört zu der Region Südwestfalen in Nordrhein-Westfalen und liegt an der Grenze zu Hessen.

Im Rahmen der Aktion „Reportertausch“ des Bundes der Deutschen Zeitungsverlage arbeitet Britta Prasse für eine Woche in der Kreisredaktion des Zeitungsverlags Waiblingen.

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