Mit Disziplin zum Wein-Meistertitel Korber darf sich "Master of Wine" nennen

Thomas Curtius (50) trinkt gerne Wein aus der ganzen Welt. Foto: ZVW/Alexandra Palmizi

Korb. Seinen Weg zum Titel „Masters of Wine“ vergleicht Thomas Curtius mit Hochleistungssport. Mit Ausdauer, Disziplin und der Unterstützung seiner Frau hat er sieben Jahre lang neben seiner Arbeit bei Daimler auf den Abschluss hingearbeitet. Nun will er Verkostungen organisieren und Kurse für junge Weinliebhaber anbieten.

„Trainiere deine Schwächen“ – dieses Motto hat Thomas Curtius sieben Jahre lang auf dem Weg zum Titel „Master of Wine“ begleitet. Bereits morgens vor der Arbeit stellte ihm seine Frau Feodora drei Weine auf den Tisch, damit er die Verkostung übt. Samstagsmorgens waren es sogar zwölf, wie in der echten Prüfungssituation. Dabei suchte sie immer Weine aus, mit deren Erkennung sich Curtius schwertat, berichtet er. Auf Partys analysierte er den Wein, den er trank. Er machte sich sogar Notizen. Dabei hatte er die Prüfung zum Meister des Weins immer im Hinterkopf.

Thomas Curtius ist weltweit einer von 390 Meistern des Weins

Vom Londoner „Institute of Masters of Wine“ kam Ende August die Nachricht: Sie haben es geschafft, Sie sind einer von weltweit 390 „Masters of Wine“ (siehe Infobox). Acht erfolgreichen Absolventen aus fünf Ländern gratulierte das Institut. Mit 40 Personen aus aller Welt hatte Curtius gemeinsam studiert. Sie trafen sich an den Wochenenden zum gemeinsamen Lernen, jedes Mal in einem anderen europäischen Land. Im Flugzeug und vor der Arbeit schrieb er Aufsätze und lernte für die Prüfungen. Bestimmte Seminare besuchten sie alle in London. „Da nimmt man sich halt frei“, sagt Curtius, der bei Daimler in der Kommunikationsabteilung arbeitet. Das sei nur eine Frage der Organisation. Denn neben den Pflichtveranstaltungen sei der Stundenplan individuell zusammenstellbar.

In den sieben Jahren Studium sei er einmal durch die theoretische und einmal durch die praktische Prüfung gefallen, erzählt Curtius. Mit der Theorie habe er während der Zeit aber wenig Probleme gehabt. Er schrieb Aufsätze über Management, Marketing und die Lagerung des Weins. Wie bei der Vorbereitung auf jede Prüfung, komme es auf Selbstorganisation und Disziplin an. Ein klarer Plan habe ihm dabei geholfen, sagt der 50-Jährige. Schwieriger hingegen sei die Verkostung gewesen, die in einer Prüfungswoche morgens vor den Theorieprüfungen stattfand. „Stress blockiert die Sinne“, sagt Curtius. „Da kommt es auf die Tagesform an.“ In zwei Stunden und 15 Minuten musste er zwölf Weine verkosten und dazu Fragen beantworten: Um welche Rebsorte handelt es sich? In welchem Preissegment liegt dieser Wein? Wie wurde er hergestellt? Zehn von zwölf Weinen musste er richtig analysieren, um die Prüfung zu bestehen.

Noch nie so wenig Alkohol getrunken wie während der Ausbildung

Eine große Herausforderung sei für ihn gewesen, nach der Verkostung nicht zu lange darüber nachzudenken, ob er die Fragen zu jedem Wein beantworten konnte. „Schieb das, was vorher war, weg und konzentrier’ dich auf das Nächste“ – um diese Einstellung zu erreichen, bereitete er sich mit einem Mentalcoach auf die Prüfungssituation vor. Fachliche Unterstützung erhielt er außerdem von seiner Mentorin Caro Maurer. Die in Bonn lebende Journalistin bekam vor acht Jahren als erste Frau im deutschsprachigen Raum den „Master of Wine“.

Auch viel Sport, kein Kaffee und kein Zucker halfen ihm, fit zu bleiben, sagt der 50-Jährige. „Ich habe noch nie so wenig Alkohol getrunken, wie in dieser Zeit“ – denn obwohl sich alles um den Wein dreht, habe er so fit sein müssen wie für den Hochleistungssport.

Die Geduld und Zeit, die andere in seine Ausbildung investiert haben, möchte Curtius zurückgeben. Bei der „Wine and Spirit Education Trust“, einer Organisation, die Kurse und Prüfungen im Bereich Wein und Spirituosen anbietet, möchte er sich engagieren. Dort machte er vor Beginn seines Masterstudiums ein Wein-Diplom. Auch will er Kurse für Sommeliers und an Hotelfachschulen geben. Außerdem organisiert er Verkostungen.

Wein sei schon lange sein Hobby. Vor mehr als 25 Jahren hatte Thomas Curtius' Frau ihm ein Weinseminar geschenkt, berichtet der 50-Jährige. Je mehr er sich mit Wein beschäftigte, desto mehr Fragen seien aufgetreten. Die Neugier trieb den Korber an, mehr über die Herstellung der edlen Tropfen und die Herkunft von Weinsorten zu erfahren.


Blind verkosten

Insgesamt gibt es nur neun Deutsche, die den Titel „Master of Wine“ tragen. Die Ausbildung gilt als eine der schwierigsten in der Weinwelt.

Ein Großteil der Studierenden scheitert an der Abschlussprüfung, bei der in einer halben Stunde zwölf Weine blind degustiert, beschrieben und identifiziert werden müssen.

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