Mittelhandbruch TVB muss wochenlang auf Mimi Kraus verzichten

Augen zu und durch: Ausgerechnet den derzeit überragenden Mimi Kraus hat's schlimm erwischt. Wenn kein Wunder geschieht, greift der Weltmeister in desem Jahr nicht mehr ins Geschehen ein. Und Kraus's Traum von der WM-Teilnahme im eigenen Land ist damit auch geplatzt. Foto: Sascha Klahn

Eine andere Diagnose wäre eine Überraschung gewesen: Wie befürchtet, hat sich Michael „Mimi“ Kraus bei der 24:29-Niederlage in Lemgo die Mittelhand gebrochen. In den restlichen sechs Spielen in diesem Jahr muss der Handball-Erstligist TVB 1898 Stuttgart ohne seinen zuletzt überragenden Spieler auskommen. „Das ist ein schwerer Rückschlag für uns“, sagt der TVB-Trainer Jürgen Schweikardt.

Vielleicht sollte sich Michael Kraus künftig die Rückkehr an seine alte Wirkungsstätte nach Lemgo sparen. Vor eineinhalb Jahren hatte sich der 35-Jährige beim 24:24-Unentschieden des TVB in der 14. Minute die rechte Mittelhand gebrochen. An diesem Donnerstag war er nur elf Minuten länger auf dem Spielfeld, ehe ihm dasselbe Malheur passierte. „Es war wie ein Déjà-vu“, sagte Kraus kurz nach dem Spiel.

Ohne Kraus war Stromausfall beim TVB

Bis zu Kraus' Ausscheiden hielt der TVB mit dem seit sechs Spielen sieglosen TBV Lemgo mit – was nicht zuletzt am Spielmacher und besten Torschützen der Stuttgarter lag. Der Ausgleich zum 11:11 war der siebte Treffer von Kraus. Woraufhin der Lemgoer Trainer Florian Kehrmann seine Spieler in einer Auszeit dezent darauf hinwies, sich doch bitteschön etwas intensiver um seinen Weltmeister-Kollegen von 2007 zu kümmern.

Das war nicht mehr nötig, weil Kraus nicht mehr aufs Spielfeld zurückkehrte. „Ich war mir sicher, dass hier etwas drin sein würde für uns“, sagte Kraus nach dem Spiel. „Aber plötzlich war der Stecker gezogen.“ Anders ausgedrückt: Ohne Kraus war Stromausfall beim TVB.

Kraus hofft auf Comeback noch im Dezember

Entsprechend gedrückt war die Stimmung auf der gut sechsstündigen Heimfahrt in der Nacht auf Freitag. Im Bus saß auch Michael Kraus, der nach Spielschluss von Dr. Broy versorgt wurde. Die Röntgenaufnahmen in der Praxis des Lemgoer Teamarzt brachten Gewissheit: Die Mittelhand ist gebrochen, eine Operation ist unumgänglich. Mindestens sechs Wochen und damit in den restlichen sechs Spielen bis zur Pause im Januar dürfte Kraus dem TVB fehlen.

So ganz indes hat Kraus die Hoffnung nicht aufgegeben, dass die Heilung rascher voranschreitet. „Ich lasse mich jetzt so schnell wie möglich operieren“, sagte er noch in der Nacht im Bus. „Mein Ziel ist es schon, im Dezember noch für den TVB zu spielen.“ Wobei Kraus überzeugt davon ist, dass der TVB auch ohne ihn ausreichend Qualität hat, die nötigen Punkte zu holen. Wie in der Saison 2016/17, als Kraus für die letzten fünf Spiele ausgefallen war.

Teilnahme an WM nicht mehr möglich

Ein anderes Ziel, die Teilnahme an der Heim-WM im Januar, kann Kraus auf alle Fälle abhaken. Und der Bundestrainer Christian Prokop hat womöglich eine schlaflose Nacht weniger, weil er sich nicht mit Kraus' Nominierung oder Nicht-Nominierung auseinandersetzen muss.

Schweikardt: "Jetzt müssen wir uns neue Gedanken machen"

Den TVB jedenfalls trifft Kraus' Verletzung ins Mark. „Das ist ein schwerer Rückschlag für uns“, sagt der TVB-Trainer Jürgen Schweikardt. „Jetzt müssen wir uns neue Gedanken machen.“ Spieler, die aufgrund von Kraus' Glanzform zuletzt weniger Spielanteile hatte, müssten nun wieder mehr Verantwortung übernehmen. In Lemgo jedoch war davon 35 Minuten lang so gut wenig zu sehen. „Bis zu Mimis Verletzung war alles soweit in Ordnung“, sagt Schweikardt. „Danach haben wir die Konzentration verloren.“

Keine Zwei-Minuten-Strafe für Lemgo

Entscheidend für die Niederlage sei jedoch das Zweikampfverhalten gewesen. „Hinten wie vorne waren die individuellen Zweikampfergebnisse in der Summe zu negativ. Sie sind nun einmal die Basis im Handball, erst danach können wir über Taktik sprechen.“ Im Angriff fehlte der Mut, in die Lücken zu stoßen. Rühmliche Ausnahmen waren Kraus und Robert Markotic – auch wenn dem Kroaten nicht alles gelang. Wie verhalten die Angriffsbemühungen des TVB waren, zeigt auch die Zeitstrafenstatistik: Lemgo kam ohne Zwei-Minuten-Strafe aus. Anfällig zeigte sich auch die Defensive des TVB, die gegen die energischen Lemgoer oft einen Schritt zu spät kam.

Heimspiel gegen Melsungen am Donnerstag

Einen Gewinner indes gab's beim insgesamt enttäuschenden Auftritt des TVB: Der Jugend-Nationalspieler Max Oehler, der für die verletzten Linksaußen Max Häfner und Tobias Schimmelbauer in den Kader rückte, nutzte seinen sechsminütigen Auftritt perfekt: Mit viel Selbstvertrauen agierte der 17-Jährige, erzielte zwei Feldtore und schnappte sich sogar bei einem Siebenmeter den Ball.

Oehler ist eine Hoffnung für die Zukunft, aktuell indes muss sich der TVB mit der Gegenwart beschäftigen. Und die heißt zunächst am Donnerstag (19 Uhr/Scharrena) MT Melsungen. Nach anfänglichen Problemen hat sich das Team gefangen und ist klammheimlich auf Rang vier in der Tabelle geklettert. „Da wird uns nicht einmal eine gute Leistung reichen, wir brauchen eine sehr gute“, so Jürgen Schweikardt.


So ist’s passiert

Ich hab’ beim Wurf die Hand des Gegners getroffen. Es hat gleich „knack“ gemacht. Ich bin raus, und da konnte man den Knochen schon gleich relativ leicht verschieben. Michael Kraus

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