Mobilfunkmesse Barcelona Smartphone sucht Anschluss

Das ist das neue Samsung Galaxy S5. Foto: Samsung

Rund 1700 Unternehmen zeigen auf der weltgrößten Mobilfunkmesse in Barcelona bis Donnerstag ihre Geräte und Dienstleistungen. Die chinesischen Hersteller sind auf dem Vormarsch.

Barcelona - Mobilfunk-Welt

Tausende Journalisten, Analysten und Blogger aus aller Welt strömten am Montagabend zum Hafen von Barcelona. Dort hatte Samsung ein Kongresszentrum angemietet, um am Rande des Mobile World Congress – der größten Mobilfunkmesse der Welt – sein aktuelles Spitzensmartphone Galaxy S5 vorzustellen. Heraus kam ein Handy, das wie Apples iPhone einen Fingerabdrucksensor bietet sowie einen Sensor, mit dem sich die eigene Herzfrequenz messen lässt. Und heraus kam die Erkenntnis, dass Samsung wie alle Smartphone-Produzenten nach weiteren Verkaufsmöglichkeiten und Märkten schielt. Zum Beispiel in den Schwellenländern. Das sind die Messetrends:

Super-Smartphones

Höher, weiter, schneller, schärfer. Auch in diesem Jahr liebt man es auf der Messe Mobile World Congress in Barcelona gigantisch. Beispiel Bildschärfe. Samsungs Riesen-Smartphone Galaxy Note 3 und Sony Xperia Z2 können Aufnahmen in einer Qualität machen, die vierfach schärfer sind als das hochauflösende HD-Format. Der neueste Datenturbo LTE wird immer häufiger zum Standard. Der südkoreanische Hersteller LG hat das erste Smartphone mit einem gebogenen Bildschirm auf den Markt gebracht – das Flex. Damit soll es sich besser beim Telefonieren ans Gesicht anpassen und der Sprecher besser zu hören sein. Vor allem sollen die Bilder plastischer wirken.

Die Gehäuse werden immer stabiler, manche Smartphones kann man ins Wasser werfen – und danach dennoch weitertelefonieren. Ein Trend sind auch immer bessere Frontkameras. „Die Nutzer nehmen sich immer häufiger auf, weil sie ständig Bilder von sich in die Welt senden“, sagt eine Sprecherin des chinesischen Herstellers Huawei. „Außerdem verbessert sich dadurch die Qualität bei der Videotelefonie.“ Überhaupt legen die Kunden vor allem auf herausragende Kameras großen Wert. Samsungs Galaxy S5 bietet mit 0,3 Sekunden Auslösezeit den bisher schnellsten Autofokus bei den Smartphones und bietet wie alle Hersteller Programme an, die bei fast jedem Lichtverhältnis scharfe Fotos garantieren. Apple ist im Übrigen traditionell nicht auf Messen vertreten. Die Kalifornier präsentieren iPhones auf eigenen Events.

Smartphone-Kinder

Das Smartphone bekommt Kinder. Was blumig klingt, beschreibt den Trend zu Fitness-Armbändern und Computeruhren. Diese werden direkt am Körper getragen – und deshalb „Wearables“ genannt – und sind auf eine Verbindung zur Mutterzentrale Smartphone angewiesen. Die populären Fitness-Armbänder von FitBit und Jawbone messen zum Beispiel Puls, Blutdruck und Schlafphasen und zeichnen mit Hilfe spezieller Sensoren Laufgeschwindigkeit und Wegstrecken auf, die dann an das Smartphone gesendet und ausgewertet werden. Marktforscher erhoffen sich künftig enorme Umsätze, weswegen inzwischen auch die Computergiganten auf die Sport- und Gesundheitswelle aufgesprungen sind und in Barcelona eigene Armbänder vorstellten.

Der chinesische Hersteller Huawei lässt mit seinem Band Schritte zählen und die Schlafphasen messen. Außerdem lässt sich ein Drahtlos-Headset entnehmen, mit dem man telefonieren kann. Sonys SmartBand zählt nicht nur Schritte und Kalorien, sondern ist auch ein digitales Tagebuch, mit dem sich – in Verbindung mit dem Smartphone – unter anderem Bilder und Aktivitäten eintragen lassen.

Goldgräberstimmung herrscht auch bei den Computeruhren. Mit ihnen lässt sich telefonieren und fotografieren, sie zeigen E-Mails und Webseiten an. Weil klobiges Design und mäßige Handhabung die Kunden noch vom Verkauf abschrecken, ist ein Wettlauf um die erste massentaugliche Computeruhr entbrannt. Samsung präsentiert mit der Gear 2 bereits seine zweite Modell-Linie. Die Computeruhr dient jetzt auch als Fernbedienung für den heimischen Fernseher, Musikspieler, Pulsmesser und Schrittzähler. Aber auch Sony und Hersteller wie Pebble und Simvalley haben bereits Computeruhren auf dem Markt. Apple soll laut Branchengerüchten noch dieses Jahr eine Computeruhr herausbringen.

China-Offensive

Warum sollte es auf dem Smartphone-Markt anders sein als sonst in der Weltwirtschaft? Die Chinesen rollen das Feld von hinten auf. Bei Chinas großem Sprung steht Huawei in der ersten Reihe. Der zweitgrößte Netzwerkausrüster der Welt hat sich binnen Jahren zum drittgrößten Smartphone-Hersteller gemausert. Technisch hat sich Huawei mit seinem Spitzenmodell Ascend P6 an die Premium-Handys von Samsung, Apple, LG und HTC herangearbeitet – und überzeugt auch mit Chic und einem hochwertigen Gehäuse. Huawei zeigt in Barcelona mit neuen Smartphones, dass man auch im Segment der günstigeren Mittelklasse-Handys top ist. Überhaupt arbeitet das größte chinesische Privatunternehmen an seinem Markenimage – nachdem die Technik in den Handys anderer Hersteller steckte, ohne dass der Benutzer davon wusste.

Aber auch Chinas Computergigant Lenovo ist bereits an die Nummer fünf der Smartphone-Produzenten gerückt – dank der Übernahme von Googles Handysparte Motorola. Bisher sind die Chinesen in 20 Ländern vertreten. In Deutschland ist Lenovo vor allem durch seine Tablets der Marke Medion bekannt. Lenovo-Manager Thilo Huys ist überzeugt, dass die in Barcelona präsentierten Modelle in zwei Jahren auch in deutschen Läden stehen werden. „Die Bekanntheit unserer Tablets wird den Weg ebnen.“ Zustimmung kommt von den Marktforschern von Gartner: „Die Chinesen agieren bei der Vermarktung geschickt – und werden immer besser.“

Billig-Handys

Smartphones von Apple und Samsung sind in den Schwellenländern schlichtweg zu teuer, deshalb sind in Afrika, Indien und China günstigere Mobiltelefone gefragt. Zu den Gewinnern zählen Gerätehersteller, die das Betriebssystem Android nutzen, das Google kostenlos zur Verfügung stellt. So sind die chinesischen Mobilfunk-Marken ZTE und Alcatel mit 100-Euro-Smartphones vertreten. Weil im Vergleich zu den Industrienationen wenige Kunden Smartphones besitzen, ist das Potenzial gewaltig. „Wir werden in diesem Jahr einen riesigen Schub an günstigen Android-Smartphones sehen“, sagt Annette Zimmermann vom Marktforscher Gartner.

Das lässt auch Nokia – einst größter Handyhersteller der Welt – umdenken. Die Finnen, die bald zu Microsoft gehören, haben die Konkurrenz-Software Android genutzt, um sie mit den Angeboten vom Microsoft zu kombinieren – und so die Herstellungskosten zu senken. Das Ergebnis sind respektable Smartphones, die in den Schwellenländern für rund 100 Euro auf den Markt kommen sollen. „Damit haben wir die Möglichkeit, mehr Kunden in diesem Wachstumsmarkt zu gewinnen“, betont Kommunikationschef Benjamin Lampe. Doch profitieren auch deutsche Verbraucher von den neuen Billig-Handys? Die Antwort ist knapp wie ausweichend: „Kann sein. Kann auch nicht sein.“

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