Mord an 22-Jähriger aus Backnang Verteidiger plädiert auf Totschlag

Das Stuttgarter Landgericht. Foto: Habermann/ZVW

Stuttgart/Backnang. Um zu erklären, wie es am Abend des 8. November 2017 dazu kommen konnte, dass Daniel E. die 22-jährige Katharina K. tötete, musste sein Verteidiger Thomas Raich etwas ausholen und näher auf den Charakter seines Mandanten eingehen. Ein gewisser Narzissmus, eine dissoziale Ader, ein großes Geltungsbedürfnis – das könne auch er als Verteidiger Daniel E.s nicht abstreiten. „Einen besseren Angeklagten kann es gar nicht geben“, folgerte er, die Sicht der Anklage einnehmend. Denn „so einem Mann traut man alles zu“.

Ob er deshalb aber auch kaltblütig seine ehemalige Lebenspartnerin und Mutter seines Sohnes ermordete, das könne man allein aufgrund dessen nicht sagen. Das eigentliche Tatgeschehen sei nach wie vor ungeklärt. „Ich gehe davon aus, dass es an dem Abend einen Streit zwischen den beiden gab“, erklärte Raich. Besonders das Sorgerecht um den gemeinsamen Sohn war ein ständiger Streitpunkt. Daniel E. hatte sich dieses zuvor erschlichen, darüber war Katharina K. extrem wütend.

Anders als von manchen Zeugen beschrieben, sei Katharina K. durchaus in der Lage gewesen, sich durchzusetzen. Ihre eigene Anwältin hatte sie als „toughe junge Frau“ charakterisiert. In dem Wissen, dass ihre Drohung also nicht nur leere Worte waren, „hat der Angeklagte die Kontrolle verloren und begann in seiner Wut, sie zu würgen“, so Raich.

Kein Tötungsvorsatz erkennbar

Einen Tötungsvorsatz will der Verteidiger nicht erkannt haben. Dass sein Mandant diese Form der Aggression schon zuvor angewandt hatte, räumte der Anwalt indes ein. Die Schilderung der Ex-Freundin des heute 25-Jährigen vor Gericht sei glaubhaft gewesen. Und auch Katharina K. hatte ihren Angehörigen davon erzählt, dass Daniel E. sie am Hals gepackt habe.

Er gehe deshalb auch nicht von einem Tötungsvorsatz aus, erklärte der Verteidiger. „Es spricht für eine spontane Tat.“ Vielleicht habe er Katharina K. nur einen gehörigen Schrecken einjagen wollen. „Aber dieses Mal war es nicht so, Katharina ist dabei gestorben.“

Diese „schlimme Tragödie“ habe den Angeklagten auch alles andere als kalt gelassen. Sein Verhalten – etwa dass er die Leiche offenbar in den Teppich gewickelt, zuerst in den Keller gebracht und dann in einer Mülltonne aus dem Haus geschafft habe, „sieht wahnsinnig professionell aus“, sagte Raich in Anspielung auf Formulierungen der Staatsanwältin. Bei genauerem Hinsehen sei es aber nicht Teil eines durchdachten Plans.

Zum einen gäbe es weitaus besser geeignete Orte als die Wohnung in Backnang-Strümpfelbach, um jemanden unbemerkt umzubringen. „Wir sprechen hier von einem bewohnten Haus mit mehreren Parteien. Zudem waren zwei Kinder in der Wohnung.“ Dann habe Daniel E., nachdem er die Leiche seiner Ex-Freundin in einem Gartengrundstück in Eglosheim angezündet hatte, noch einmal in einen anderen Schrebergarten nach Asperg gefahren. Und schlussendlich legte er den Körper der 22-Jährigen in einem Komposthaufen ab.

Verhandlung wird am 13. Dezember fortgesetzt

All jene Umstände sprechen laut Thomas Raich dafür, dass es sich eben nicht um Mord, sondern um eine spontane Affekttat gehandelt habe. Für die von den Nebenklageanwälten vorgeworfene Heimtücke der Tat sah er „keine objektiven Anzeichen“, und auch die von der Staatsanwältin angeführten niederen Beweggründe seien nicht handlungsleitend gewesen. „Der Grund für die Tötung war nicht, dass mein Mandant das Sorgerecht bekommen wollte“, sagte Raich. Daniel E. habe auch damals schon gewusst, dass er seine Haftstrafe wegen Betrugs damit nicht vermeiden könnte.

Folglich beantragte Raich, die Tat als Totschlag zu werten und mit einer Haftstrafe von maximal zehn Jahren zu ahnden. Die Möglichkeit, das letzte Wort zu sprechen, nahm Daniel E. hiernach nicht wahr.

Die Verhandlung wird am Donnerstag, 13. Dezember, um 11 Uhr fortgesetzt. Voraussichtlich wird das Gericht dann das Urteil verkünden. Staatsanwaltschaft und Nebenklage hatten für eine Verurteilung wegen Mordes mit besonderer Schwere der Schuld plädiert.

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21.11.2018: Angeklagter war am Fundort der Leiche

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04.12.2018: Daniel E. bricht sein Schweigen

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