Müll sparen in Schorndorf Hier gibt es Alternativen zu Plastikbehältern & Co.

Die Verkäuferinnen beim Metzger Thomas Kurz füllen das Mittagessen auf Kundenwunsch auch in Tupperdosen. Foto: Habermann/ZVW

Schorndorf. Vor der Arbeit schnell einen Kaffee zum Mitnehmen vom Bäcker, mittags ein Essen vom Metzger oder dem Imbiss aus der Einwegbox – so entsteht viel Plastikmüll. Einigen Einzelhändlern ist das Problem bewusst, sie bieten an, die Schüsseln und Becher der Kunden zu befüllen.

Das Mittagessen bei der Metzgerei Thomas Kurz ist beliebt. Viele Menschen kommen um die Mittagszeit, um sich ein Tagesessen zu holen, das die Verkäuferinnen in Styropor-Packungen mit Alu-Deckel füllen. Etwa 100 verpackte Essen gehen so jeden Tag über die Theke, das macht viel Müll. Deshalb bietet die Metzgerei auch an, die eigene Tupperdose mitzubringen und diese zu befüllen. „Die Sensibilität der Kunden für das Thema Plastikmüll steigt“, sagt Inhaber Thomas Kurz. Viele sind es zwar noch nicht, die ihre eigenen Gefäße mitbringen, doch es werden mehr, sagt er. Die Verkaufsleiterin Rebecca Wahl spricht sogar von einem erkennbaren Trend, weniger Müll zu verursachen.

Andere Metzger haben auch Bedenken

Auch bei anderen Metzgern ist es möglich, sich das Mittagessen in eine eigene Dose packen zu lassen. Zu ihnen gehören beispielsweise auch die Metzgereien Winter und Fritz.

Es gibt aber auch Metzgereien, die das bisher nicht anbieten und rechtliche Bedenken dabei haben, die Tupperdosen der Kunden zu befüllen. Die Metzgereien Müller und Wolz etwa befüllen zwar die Dosen mit Wurst und Fleisch, aber beim Mittagessen wollen sie das nicht anbieten. Ursula Müller ist genervt von den komplizierten rechtlichen Vorschriften, die zu großer Unsicherheit bei den Händlern führen. „Das ist ein richtiger Hickhack, diese ganzen Regelungen“, schimpft sie.

Gefäße, die nicht von den Metzgereien gereinigt sind, dürfen nicht in den sensiblen Bereich hinter der Theke. Bei der Metzgerei Thomas Kurz wird die Regelung beim Mittagessen umgangen, indem die Dosen auf der Theke befüllt werden.

Auf Feinheiten kommt’s an: Hinter und auf der Theke

Ulrich Fritz, Obermeister der Fleischerinnung Rems-Murr, hat innerhalb der Innung bereits aktiv dafür geworben, dass Wurst und Fleisch auch in Tupperdosen gegeben wird. Mit dem Tablett, das über die Theke gereicht wird, etwa sei das von den Behörden geduldet, sagt er. Fritz war lange Zeit Geschäftsführer der Metzgerei Fritz, die nun seine beiden Kinder führen.

In Sachen Plastiktüte haben viele Verbraucher aber offenbar schon umgedacht. „Seitdem die Plastiktüte bei uns zehn Cent kostet, bringt die Hälfte der Kundinnen und Kunden die eigene Tasche mit“, sagt die Fachverkäuferin Rebecca Wahl von der Metzgerei Thomas Kurz. Diese Erfahrung haben auch die anderen Metzgereien in Schorndorf gemacht. Finanzielle Anreize ändern offenbar das Verhalten einiger Kundinnen und Kunden. Aber nicht nur bei den Metzgereien fällt viel Müll an.

Auch bei großen Veranstaltungen, wie dem Weihnachtsmarkt, ist das ein Problem. An einzelnen Ständen gab es dort zuletzt bereits keine Einweg-Boxen oder Ähnliches mehr, um das Essen mitzunehmen. Unter anderem bei „Weiser’s Maultäsch“ musste man in dem Fall seinen eigenen Teller mitbringen. Bei einem der Wurststände gab es die Currywurst aus einer Mehrweg-Schale, auf die der Standbetreiber Pfand erhob.

Auch Einwegbecher sind ein Problem

Auch Cafés und Bäckereien, die einen Kaffee zum Mitnehmen anbieten, sorgen für viel Müll. Bei einigen können sich die Schorndorferinnen und Schorndorfer ihren Mehrwegbecher aber auffüllen lassen.

Unter anderem bei den Bäckereien Maurer und Mildenberger, aber auch beim Café Hallo dürfen die Kunden ihre eigenen Gefäße mitbringen. Bei Einzelnen sparen die Kunden sogar zehn Cent pro Getränk.

Wobei auch hier einige Bedenken haben, etwa das Café Mack am Marktplatz. „Wir dürfen aus hygienischen Gründen keine Becher der Kunden unter unsere Kaffeemaschine stellen“, sagt Ute Maier, die im Kaffee die Kunden bedient. „Wir können höchstens unseren Metallbecher zum Umfüllen benutzen“, sagt sie. Diese Zeit haben die Verkäuferinnen aber nicht immer. In der Bäckerei gehen jeden Tag etwa 50 bis 100 Einweg-Becher über die Ladentheke.

Einige Städte haben inzwischen einen eigenen Mehrweg-Becher und werben bei ihren Bürgerinnen und Bürgern dafür, diesen beim Bäcker und beim Café zu benutzen, wie beispielsweise die Stadt Freiburg, die einen „Freiburg-Cup“ eingeführt hat.

Bestrebungen dazu gibt es auch in Schorndorf. Die SPD-Fraktion forderte die Einführung eines solchen Bechers im Rahmen ihres Antrages „Tipptopp“. Nun soll das Konzept geprüft und an einem runden Tisch diskutiert werden.

Abramzik bietet nun Mehrweg-Schüsseln bei den Salaten an

Eine andere Möglichkeit, die ebenfalls den Müll reduzieren könnte, ist die Einführung eines Pfandsystems auf einzelne Verpackungen. Was im Großen in der Bundespolitik diskutiert wird, bietet der Lebensmittelhändler Abramzik seit dieser Woche freiwillig an. An der Salatbar können die Kunden eine Mehrweg-Schüssel zum Befüllen benutzen. Die 2,50 Euro für die Schüssel bekommen sie bei Rückgabe wieder zurück, ähnlich wie beim Dosenpfand. „Es fällt einfach so viel Müll an, dagegen wollten wir etwas tun“, sagt Julia Abramzik, die Geschäftsführerin des Winterbacher Ladens. Dort können die Kunden sich auch ihre eigenen Tupperdosen oder Gläser an der Frischetheke befüllen lassen.

Das ist auch bei einigen anderen Einzelhändlern, wie etwa beim Edeka „E-Center“ möglich. Anstelle von Plastiktüten können die Kunden auch Mehrweg-Gemüsebeutel dort kaufen und verwenden. So wie auf dem Wochenmarkt auch.

Nachdem etwa die Metzger und andere Alternativen zu den großen Verpackungen bieten, sieht der Obermeister der Fleischerinnung, Ulrich Fritz, nun die Verbraucherinnen und Verbraucher am Zug: „Jetzt muss der Kunde in die Gänge kommen.“


Zahlen & Fakten

  • Jeder Deutsche produziert im Jahr mehr als 200 Kilogramm Verpackungsmüll. Zwei Drittel davon entfallen auf Verpackungen von Nahrungsmitteln und Getränken.
  • Recycelt wird vom Plastikmüll nur ein gutes Drittel. Der Großteil wird verbrannt.
  • Im Rems-Murr Kreis stieg der Verpackungsmüll in der Gelben Tonne in den Jahren 2013 bis 2017 um mehr als eine Tonne an. Im Jahr 2013 waren es noch 13 666 Tonnen Verpackungsmüll im Rems-Murr- Kreis, im Jahr 2017 bereits 14 534 Tonnen.
  • Ab 2021 sind in der EU eine ganze Reihe von Wegwerfprodukten aus Plastik verboten. Darauf einigte sich das Europaparlament mit den EU-Staaten im vergangenen Jahr. Von dem Verbot betroffen sind unter anderem Trinkhalme, Plastikteller und -besteck. Mit dem Schutz der Ozeane begründete die EU-Kommission diesen Vorstoß. Mehr als 80 Prozent des Mülls in den Meeren ist demnach Plastik.
  • In einigen Städten gibt es auch Läden, in denen die Kundinnen und Kunden ganz ohne Plastikverpackung einkaufen können, wie etwa den Laden „unverpackt GD“ in Schwäbisch Gmünd.
  • Jutta Pöschko-Kopp, die Redakteurin und Leiterin der Lokalredaktion Waiblinger Kreiszeitung, unternahm vergangenes Jahr einen Selbstversuch und versuchte auf den Konsum von Plastik möglichst weit zu verzichten. Im ZVW-Podcast „Die Woche“ vom 9. November sprach sie über ihre Erfahrungen. 
  • Bewertung
    5
 

Heute in Ihrer Tageszeitung

  • Waiblinger Kreiszeitung
  • Schorndorfer Nachrichten
  • Winnender Zeitung
  • Welzheimer Zeitung
Lust auf mehr?

Lesen Sie Ihre Zeitung immer und überall digital: Hier ePAPER-Angebote entdecken!