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Murrhardt Vollbrand in Sägewerk: Schicksalsschlag für Familienunternehmen

Murrhardt. Ein Großbrand im Sägewerk Eisenschmiedmühle hat die Feuerwehr und viele Einsatzkräfte am Mittwochvormittag in Atem gehalten. Nach ersten Informationen war schnell klar, dass der Brand ein größeres Ausmaß annehmen wird. Die Wehren aus Murrhardt, Oppenweiler, Sulzbach an der Murr, Aspach, Backnang sowie der Werksfeuerwehr Bosch wurden auf den Plan gerufen. Für die Firma ist ein Schaden in Millionenhöhe entstanden: Die Produktionshalle ist komplett niedergebrannt.

Schon aus Richtung Bartenbach kommend ist sie zu sehen, diese grauschwarze Rauchsäule, die sich empor des Himmels verteilt und die Sonne blasser erscheinen lässt. In verschiedenen Facebook-Gruppen werden Nachrichten und Bilder gepostet, dass ein riesiges Feuer zwischen Murrhardt und Fornsbach zu sehen ist. Umso näher man dem Brandort kommt, desto wuseliger wird es. Am Ortsschild, das die Richtung nach Gschwend, Kirchenkirnberg, Welzheim und Kaisersbach weist, stehen mehrere Polizeiwagen, Feuerwehreinsatzfahrzeuge und Krankenwagen. Einsatzkräfte laufen auf der Straße hin und her. Die Helme der Feuerwehrmänner sind mit feinsten Wassertropfen bedeckt, die Stirn mit Schweißperlen. Schläuche werden mit vereinten Kräften in Richtung Feuer gezogen, Fahrzeuge zum Löschen in Position gestellt. Polizisten regeln den Verkehr Richtung Fornsbach. Ein Hubschrauber kreist über das Gebiet. Auch Murrhardts Bürgermeister Armin Mößner ist zum Ort des Geschehens geeilt und macht sich ein Bild von der Lage.

Ein Fußgänger berichtet

Ein Fußgänger hat sie Szenerie beobachtet: „Kurz nach 10 Uhr ist hier ein Feuerwehrauto nach dem anderen eingefahren. Polizei und Krankenwagen – man konnte gar nicht so schnell gucken. Auf dem Hof des Sägewerks brannte es lichterloh.“ Wie die Polizei wenig später in einer Meldung bestätigt, ging kurz vor 10 Uhr der Brandmeldealarm ein. Beim Eintreffen der Feuerwehr stand die Produktionshalle der Firma Junginger Naturholzwerk, die sich direkt an der L 1149 befindet, in Flammen. Während diese Straße für den Durchgangsverkehr vom Bauhof Murrhardt gesperrt werden musste, konnte der Verkehr auf der L 1066 zwischen Murrhardt und Fornsbach aufrechterhalten werden.

Ein Lageplan wird zur Übersicht erstellt

„Das Ziel der Brandbekämpfer ist vorrangig, den Vollbrand der Werkshalle so weit einzudämmen, um die benachbarten Gebäude vor dem Übergriff der Flammen zu schützen. Das gelingt uns gerade sehr gut“, nimmt Stefan Krehan, stellvertretender Kommandant der Feuerwehr Murrhardt, Stellung. Mehr könne er zu diesem Zeitpunkt nicht sagen. An den Fahrzeugen sind mehrere Tafeln aufgestellt. Einige Männer der Feuerwehr tragen Zahlen und Positionen ein. Aus Datenschutzgründen wird dazu nichts gesagt. „Im Moment erstellen wir einen Lageplan, um die Übersicht zu bekommen“, sagt Jochen Weisheit, Zugführer der Murrhardter Feuerwehr. Auch er kann noch keine weiteren Angaben machen. Neben der Feuerwehr Murrhardt sind auch die Wehren aus Murrhardt, Oppenweiler, Sulzbach an der Murr, Aspach, Backnang sowie der Werksfeuerwehr von Bosch im Einsatz. Zu diesem Zeitpunkt verbreitet sich die Nachricht, dass drei Personen leicht verletzt sind: ein Mitarbeiter des Holzunternehmens und zwei Feuerwehrleute. „Nichts Schlimmes, einer ist wohl kollabiert, der andere hat sich den Fuß verknackst. Alle wurden sofort vom Roten Kreuz versorgt“, so ein Polizist. Wenig später wird verkündet, dass nur zwei Feuerwehrmänner verletzt sind, kein Mitarbeiter. Aber auch diese Aussage verändert sich noch mehrmals.

Annäherung von der Murr her wegen der Hitze nicht möglich

Gegen 11.45 Uhr haben sich auch die zwei Drehleitern der Wehren Backnang und Murrhardt aufgestellt. Die Fontänen spritzen zum einen von der Straßenseite, zum anderen von der Murrseite her auf das Feuerfeld. Bürgermeister Armin Mößner steht direkt neben einer der Drehleitern: „Ich wurde relativ schnell von dem Geschehnis in Kenntnis gesetzt und bin sofort hierher gefahren.“ Um die Stelle genau zu inspizieren und die Arbeit der Wehrler im Blick zu behalten, habe er versucht, „recht nahe vonseiten der Murr her heranzukommen“, aber das sei schlichtweg aufgrund der Hitzeentwicklung nicht möglich gewesen.

Die Rauchwolke ist nicht zu übersehen

Auf den Feldern rings um den Brandort und an der Straße haben sich mittlerweile viele Zuschauer aufgestellt, Pressefotografen versuchen, so nah wie möglich an das Feuer zu gelangen, auch Videokameras werden aufgestellt, eine Drohne fliegt über die Köpfe der Feuerwehrmänner hinweg. Autofahrer halten an und fragen die Polizisten, ob etwas Schlimmes passiert sei. Auf dem Hof der Firma versucht die Feuerwehr, Schläuche zu verteilen, um aus verschiedenen Richtungen das Wasser abzuspritzen. Das Wasser sammelt sich mittlerweile schon auf dem Boden, es riecht nach verbranntem Holz, Asche löst sich in den Pfützen auf und helle, aufgestapelte Holzbalken werden weiter Opfer der Glutnester. Immer wieder zieht die Rauchwolke einen schwarzen Schleier vor die ansonsten strahlende Sonne.

„Es geht in die Millionen, wie viele, weiß ich nicht"

Neben einem der Einsatzkräfte steht Hans-Martin Junginger. Er teilt sich mit seinem Bruder Matthias die Geschäftsführung des Familienunternehmens. Sichtlich geschockt blickt er auf den Zerfall der Halle. „Ich war nicht hier, als der Brand ausbrach. Mein Produktionsleiter hat mich um 9.55 Uhr verständigt, dass es brennt. Ich bin sofort hierher gefahren“, sagt Junginger gefasst. Er vermittelt den Eindruck: Jetzt Nerven bewahren. Nicht durchdrehen. Es ist der zweite Schicksalsschlag, der jetzt verkraftet werden muss, ist doch in der vergangenen Woche die Mutter verstorben. „Ich weiß nur, dass das Feuer wohl in der Produktionshalle, in der wir Konstruktionsvollholz produzieren, ausgebrochen sein könnte. Dort stehen ja Maschinen. Vielleicht war es ein technischer Defekt.“ Was die Schadenssumme angeht, kann Junginger nur vermuten: „Es geht in die Millionen, wie viele, weiß ich nicht. Vielleicht drei, vielleicht fünf – keine Ahnung.“

Vier Personen wurden leicht verletzt

Gegen 13.45 Uhr meldet die Polizei, dass die Feuerwehr das von den Flammen komplett erfasste Sägewerksgebäude kontrolliert niederbrennen lassen konnte. Mehrere Bagger waren zudem im Einsatz, um die einsturzgefährdeten Gebäudekonstruktionen zu entfernen und Glutnester auszuräumen. Die Löscharbeiten liefen bis in den Abend hinein. Entgegen ersten Informationen, es wären drei Personen leicht verletzt, hieß es gestern am späten Nachmittag, dass vier Personen leicht verletzt wurden. Darunter sollen sich zwei Mitarbeiter des Sägewerks, die kollabierten, als auch zwei Feuerwehrleute befinden. Der Schaden beläuft sich nach ersten polizeilichen Schätzungen auf mehrere Millionen Euro. Die Kriminaltechniker der Polizei haben die Ermittlungen zur Brandursachenforschung vor Ort aufgenommen. Da sie gestern aufgrund der Glutnester und der Hitze noch nicht an bestimmte Brandstellen vordringen konnten, werden die Arbeiten heute weitergeführt.

Die Eisenschmiedmühle

Die Eisenschmiedmühle ist der Firmensitz der Junginger Naturholzwerk GmbH. Tradition ist einer der wichtigsten Begriffe im Hause Junginger. Denn über 117 Jahre täglicher Umgang mit dem Rohstoff Holz macht ein Unternehmen erfahren, gut und erfolgreich in seiner Branche, heißt es auf der Homepage des Unternehmens.

Das im Jahr 1896 gegründete Sägewerk, wird nun bereits von der vierten Generation der Familie Junginger betrieben. Die fünfte Generation ist in Ausbildung und bereit, die Tradition weiterzuführen.

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