Nach Anwohner-Beschwerden Aus für Open-Air-Konzerte am Aichstrutsee

Die Band Grooveteeth (hier in einer Aufnahme von 2018) hat schon häufiger am Aichstrutsee gespielt – und wäre am Sonntag, 18. August, erneut nach Welzheim gekommen. Foto: ZVW/Benjamin Büttner (Archiv)

Welzheim-Aichstrut. Die Reihe hatte sich zu einem Geheimtipp für Musikbegeisterte entwickelt. Doch dass zuletzt immer häufiger am Aichstrutsee gerockt wurde, missfiel einigen Anwohnern, die sich deshalb ans Ordnungsamt wandten. Die Konsequenz: Vorerst sind alle Konzerte in diesem Sommer abgesagt.

„Überraschend und unheimlich schade“ findet das Katwin Beringer. Vor allem, dass diejenigen, die sich an den Veranstaltungen gestört haben, nicht zuerst auf den Kiosk und Veranstalter zugegangen seien. Die Tochter des Initiators Wolf Beringer hatte die Verantwortung erst vor kurzem übernommen, nachdem ihr Vater völlig überraschend Anfang Juli bei einem Konzert verstarb. Doch wie es am Aichstrutsee weitergeht, das ist im Moment noch völlig unklar.

Die Konzertreihe gibt es bereits seit fünf Jahren

Konzerte am Stausee hat es in der Vergangenheit immer wieder gegeben. Vor fünf Jahren startete dann eine richtige Konzertreihe. Die Idee, am frühen Abend Live-Musik mit der See-Atmosphäre zu verbinden und damit so etwas wie leichte Festivalatmosphäre auf dem Welzheimer Wald zu schaffen, fand bei den Besuchern schnell Anklang. Wohl auch, weil für die Auftritte kein Geld verlangt wurde. Lediglich ein Spendenhut ging im Anschluss reihum.

Was klein begann, wurde mit den Jahren aber immer größer: Mehr Bands, mehr Termine, in diesem Jahr wären es insgesamt 19 gewesen. Am Sonntag hätte die Mellow Band den Stausee bespielt. Doch dazu wird es nicht mehr kommen.

Im Rathaus kann man die Kritik der Anwohner verstehen

Denn am Wochenende vom 19. bis 21. Juli wurde es mehreren Anwohnern in Aichstrut offensichtlich zu bunt. Sie wandten sich im Anschluss mit einer Beschwerde an das Ordnungsamt. Zu laut und zu oft seien die Konzerte am See. Dort hakte man beim Landratsamt nach, wie das denn konkret geregelt sei mit Veranstaltungen im Freien und mit elektrisch verstärkter Musik.

Die Antwort fiel ernüchternd aus: Lediglich dreimal im Jahr könne dafür eine Genehmigung erteilt werden. Open-Air-Veranstaltungen mit Lautsprechern seien auch nur zu besonderen Anlässen möglich. „Rechtlich würden wir Schwierigkeiten bekommen, wenn wir eine Genehmigung ausstellen“, sagt Uwe Lehar, persönlicher Mitarbeiter des Welzheimer Bürgermeisters, der diese Auskunft als „böses Erwachen“ bezeichnet. Denn würde die Verwaltung die bisher einzige Open-Air-Musikveranstaltung der Stadt weiter genehmigen, könnten Probleme mit der Gaststättenbehörde drohen. Kompromissbereit sei man aber – und würde einer Fortsetzung der Konzertreihe, sofern sie regelkonform sei, nicht im Wege stehen. Lehar kann aber auch die Kritik der Anwohner verstehen. „Das hat sehr klein angefangen, zuletzt war es fast jedes Wochenende – das ist nicht wenig.“

„Unverständlich und nicht nachvollziehbar“

Als „unverständlich und nicht nachvollziehbar“ bezeichnet dies die Band Grooveteeth, die übernächsten Sonntag gespielt hätte, auf ihrer Facebook-Seite. „Vor den Kopf gestoßen“ hätten sich auch die Kioskbesitzer gefühlt, berichtet Beringer. Zum jetzigen Zeitpunkt wollen sie sich der Zeitung gegenüber aber nicht zu den Absagen äußern. „In einer Schockstarre“ sei auch sie gewesen, berichtet die Organisatorin. Die sei inzwischen aber wieder überwunden.

„Es soll weitergehen“, verspricht Beringer. In welcher Form, das sei im Moment noch nicht entschieden. „Wir suchen noch nach einem Weg, die Konzerte weiterhin zu veranstalten.“ Völlig ausgeschlossen sei das ja auch nach den geltenden Regeln nicht. Beringer hält es nicht für ausgeschlossen, dass sogar dieses Jahr noch ein Konzert am Aichstrutsee stattfinden wird.

Eine mögliche andere Idee könnte sein, die ohnehin schon stattfindende Reihe am Eisenbachsee auszuweiten. Allerdings gibt es auch in der dortigen Umgebung Nachbarn, die sich womöglich daran stören könnten.

Bislang ging es dort aber immer gut.


Nach wie vor statt finden die Konzerte am Eisenbachsee. Hier die nächsten Termine:

  • Samstag, 10. August, ab 17 Uhr: Dr. Drunk ´n Stoned.
  • Sonntag, 18. August, ab 18 Uhr: Saints Sin.
  • Samstag, 24. August, ab 18 Uhr: Hairloosers.
  • Samstag, 31. August, ab 18 Uhr: Hairloosers.
  • Freitag, 13. September, ab 18 Uhr: Wild Country.

Ein Verlust für Welzheim

Ein Kommentar von ZVW-Redakteur Mathias Ellwanger

Was der leider viel zu früh verstorbene Wolf Beringer am Aichstrutsee aufgezogen hat, ist beachtlich. Innerhalb von wenigen Jahren schuf er eine Konzertreihe, die nicht nur für die Besucher kostenlos, sondern in den veranstaltungsarmen Sommermonaten ein attraktives Angebot war, das viele Besucher an den Aichstrutsee lockte. Und das zu Spielzeiten am frühen Samstag- oder Sonntagabend, die auch die Nachtruhe der Anwohner eigentlich nicht stören dürften.

Nun ist die Reihe Opfer ihres eigenen Erfolgs geworden. Solange sich die Open-Air-Konzerte auf wenige Termine beschränkten, schien sich niemand daran zu stören. Im Gegenteil: Viel Lob gab es dafür in der Stadt, die an Freiluftveranstaltungen dieser Art nichts Vergleichbares bietet.

Doch mit der Häufigkeit an Terminen stieg bei einigen Aichstrutern wohl auch das Bedürfnis nach Ruhe am Wochenende. Das ist verständlich, aber schade. Ein Aus wäre vielleicht noch abzuwenden gewesen, hätten die Betroffenen sich nicht gleich ans Ordnungsamt gewandt.

Dass die Stadt offenbar jahrelang mehr Termine genehmigt hat als eigentlich erlaubt – Schwamm drüber. Denn wo kein Kläger, da auch kein Richter. Solange sich niemand daran stört, müssen meiner Ansicht nach solche Regelungen nicht immer punktgenau umgesetzt werden.

Nun ist es damit erst einmal vorbei – und Welzheim um eine Attraktion ärmer. Es bleibt zu hoffen, dass sich eine für alle Beteiligten (Stadt, Veranstalter, Besucher und Anwohner) gütliche Lösung finden lässt. Damit auch künftig zumindest ab und an wieder Festivalatmosphäre am Aichstrutsee aufkommen kann.

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