Nach Attacke auf Camper bei Korb Ein Jäger und sein Blick aufs Wildtier

Hartmut Unger von der Kreisjägervereinigung richtet den Fokus auf Naturverbundenheit. Foto: ZVW/Alexandra Palmizi

Waiblingen. Ein Fuchs beißt nachts einen Schlafenden im Zelt – der Fall hat für Aufregung gesorgt. Eine derart gruslige Begegnung zwischen Mensch und Wildtier kommt äußerst selten vor. Doch kreuzen sich ihre Wege, gibt’s durchaus öfter Probleme. Die Fuchsattacke wirft die Frage auf: Wie gehen wir miteinander um?

Hartmut Unger hat in vergleichsweise fortgeschrittenem Alter noch den Jagdschein gemacht – weil ihn fasziniert, wie alles in der Natur zusammenhängt. Jagdgegnern wird die Begründung vermutlich sauer aufstoßen.

Unger hat vor einer Woche Nachwuchs bekommen. Zwei Geißen-Kinder sonnen sich in seinem Garten – zuckersüß. Ein Rehkitz in der Wiese – auch zuckersüß. Wer jetzt meint, das einsame Kitz retten zu müssen – der wird es töten. Das Mutter-Reh lässt das Kleine absichtlich lange allein. Es fürchtet, sein Geruch könnte Feinde anlocken. Das Kitz selbst strömt keinen Eigengeruch aus – ein Schutzmechanismus. Riecht es nach Mensch, wird das Mutter-Reh das Weite suchen.

Menschen sind widersprüchliche Wesen

Hartmut Unger macht sich Sorgen, weil die Welt der Menschen immer noch mehr Fühlung verliert zum Natürlichen, zur Natur. Menschen finden kleine Tiere süß – und verspeisen Billigfleisch. Geht ein Fuchs einem Rehkitz an den Kragen, beklagen Menschen dessen Grausamkeit. Sie freuen sich über ein scheues Reh im Wald und fürchten es, weil es ihnen auf ihren Straßen vors Auto rennen kann.

Nach ersten Berichten in dieser Zeitung, den aggressiven Fuchs betreffend, der in der Nacht auf 1. Mai einen 21-Jährigen bei Korb durch Bisse verletzt hat, schickte jemand ein Foto an Hartmut Unger. Es zeigt ein halb zerfleischtes Reh im Gras. Ein Hund kann das gewesen sein. Oder ein Fuchs, der das bereits tote, vielleicht von einem Auto verletzte Tier bearbeitet hat. Das richtige Vorgehen in solch einem Fall: den Jagdpächter benachrichtigen. Er wird den Kadaver holen und ihn zu einer Sammelstelle bringen.

Eigentlich möchte Hartmut Unger, der Pressewart ist bei der Kreisjägervereinigung, nur ein paar Tipps geben, wie man sich am besten verhält, damit ein paar Konflikte weniger entstehen zwischen Mensch und Tier. Aber so einfach liegen die Dinge nicht. Alles hängt zusammen, eins führt zum anderen, eine Störung im natürlichen Gleichgewicht hier führt zu einem Problem dort. Wildschweine durchpflügen Felder, was Bauern nicht dulden können. Rehe fressen Tannen an, das gefällt Förstern nicht. Rehkitze in Wiesen verursachen Mehrarbeit, weil ein Bauer erst die Lage checken muss, bevor er mäht. Nicht nur, um dem Kitz das Leben zu retten. Sondern auch, um die Silage rein zu halten. Zum Teil setzen Landwirte heute Drohnen ein zwecks Rundumsicht von oben.

So kann ein Fuchs seine natürliche Scheu verlieren

Die Beispiel-Liste ließe sich noch lange fortführen. Dennoch jetzt die Tipps: niemals Wildtiere füttern. Auf gar keinen Fall. Als möglicher Grund für die Attacke des Fuchses nannten Experten, dass das Tier vielleicht früher von Menschen gefüttert worden ist. Dadurch kann ein Fuchs seine natürliche Scheu verlieren.

Thema Grillplätze im Wald: Nichts zurücklassen, keinen Müll und vor allem keine Essensreste, darum bittet Hartmut Unger dringend. Solche Reste locken Wildtiere an, das ist nicht gut für sie.

Thema Spaziergänger: Sie sollten auf den Wegen bleiben, nicht die Lebensräume der Tiere, nicht das Dickicht durchstreifen.

Thema Hunde: bitte anleinen.

Thema Wolf: Sofort kochen die Emotionen hoch. Manche sähen es gern, käme der Wolf in größerer Zahl zurück. Andere fürchten Böses. Hartmut Unger sieht’s pragmatisch: Es sei nur eine Frage der Zeit, bis auch im Rems-Murr-Kreis ein Wolf auftaucht, prophezeit er. Bei einem Seminar kürzlich beim Landesjagdverband habe der Referent gesagt, er habe mehr Angst vor einem fremden Hund als vor einem Wolf. „Der Wolf darf sich nicht an Menschen gewöhnen“, mahnt Hartmut Unger – also: nicht anfüttern. Und – ganz grundsätzlich – zum Wolf: „Man muss sehen, dass man auf der Sachebene bleibt.“

Zurück zum Fuchs. „Der Fuchs ist wichtig“, sagt der Jäger. Ein Fuchs wirkt wie ein Gesundheitspolizist im Wald; „wir sollten keine Abneigung gegen ihn entwickeln“.


Abstand halten

Naturbesucher sollen vermeintlich verletzte, geschwächte, kranke oder anderweitig gefährdete Wildtiere aus sicherer Entfernung beobachten und im Zweifelsfall einen ortsansässigen Jäger kontaktieren, der den Zustand einschätzen kann, oder die Polizei informieren.“ Ein Rat des Landesjagdverbands Baden-Württemberg.
 

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