Nach Brand auf der B14 Das sind die häufigsten Ursachen für Fahrzeugbrände

Symbolbild. Foto: www.Pixabay.com

Waiblingen/Stuttgart. Meterhohe Flammen züngelten in der Nacht zum Freitag aus einem brennenden Mercedes kurz vor dem B14/B29-Teiler. Was hat es auf sich mit solchen Fahrzeugbränden? Experten erläutern Hintergründe und geben Verhaltenstipps für den Fall eines Fahrzeugbrandes.

Die jüngst betroffene Mercedesfahrerin befuhr laut Polizeibericht am Freitag gegen 3.25 Uhr die B 14 in Richtung Backnang. Kurz vor dem Teiler zur B 29 erkannte sie im Rückspiegel Feuer an ihrem Auto. Sie lenkte sofort auf den Standstreifen, stieg schnell aus und konnte nur noch zusehen, wie die Flammen das gesamte Vehikel erfassten und vollständig ausbrannten. Die Waiblinger Feuerwehr rückte mit drei Fahrzeugen und zwölf Leuten zum Einsatz an. Auch die angrenzende Böschung fing Feuer und musste abgelöscht werden. Verletzt wurde zum Glück niemand. Der Schaden am Fahrzeug, das „vermutlich infolge eines technischen Defekts“ Feuer gefangen hatte, beläuft sich auf circa 6000 Euro. Ob die Fahrbahndecke auf dem Standstreifen Schaden nahm, werde noch geprüft.

Und was jetzt? Die Vermutung, dass ein technischer Defekt vorliegt, ist gängig in solchen Fällen. Allgemein betrachtet ermittelt die Polizei in Falle eines Fahrzeugbrandes auch nicht weiter, wenn es keinen begründeten Anfangsverdacht auf vorsätzliche Manipulation, also eine Straftat, gebe, erläutert Ronald Krötz vom Polizeipräsidium Aalen. Ein Brandursachengutachten etwa bei der Dekra in Auftrag geben, könnte nunmehr aber ein Anliegen der Autobesitzer oder der Kfz-Versicherung sein. „Normalerweise wird das aber auch nicht gemacht. Es wird einfach davon ausgegangen, dass eine bestimmte Anzahl von Fahrzeugen im Jahr brennt und die Kasko-Versicherer zahlen ihren Anteil“, sagt Friedhelm Schwicker, Pressesprecher der Dekra in Stuttgart.

Die häufigsten Ursachen von Fahrzeugbränden

Die Dekra fertigt Brandursachen-Gutachten nur an, wenn sie den Auftrag dafür bekommt. Auftraggeber können dann sein Bauteile- oder Fahrzeughersteller, Firmen, Gerichte, die Polizei, Rechtsanwälte, Staatsanwaltschaften und Versicherungen. Die häufigsten Ursachen für Fahrzeugbrände sind laut Informationen der Dekra:

  • Austritt brennbarer Betriebsflüssigkeiten (hier kann auch schon mal ein Marderbiss an Schläuchen ursächlich sein);
  • Primärdefekt im System der Fahrzeugelektrik;
  • Temperaturerhöhung im Abgassystem beziehungsweise Abgasaustritt;
  • vorsätzliche oder fahrlässige Begehungsweise, unerlaubte Handlungen (also Manipulation oder Wartungsfehler).

Nur bei auffälliger Häufung von Bränden in bestimmten Autotypen trete das Kraftfahrbundesamt auf den Plan und suche etwaige Mängel beim Fahrzeug- oder Autoteilehersteller. Rückrufe ganzer Autotypserien seien dann häufig die Folge, sagt Dekra-Sprecher Schwicker. Autohersteller riefen in der Vergangenheit bestimmte Fahrzeugtypen wegen brandursächlichen Produktmängeln zurück, zum Beispiel. . .

  • weil bei diesem Fahrzeugtyp durch Beschädigung eines Kolbenbodens regelmäßig ein Öl-Überdruck im Kurbelgehäuse entstand, Dichtungen nicht druckresistent genug waren, Schmierstoff austrat und am Turbolader oder Abgaskrümmer in Brand geriet;
  • weil bei diesem Fahrzeugtyp wiederholt Defekte am Steuergerät des Kühlerlüfters auftraten, die Brände auslösten;
  • weil bei diesem Fahrzeugtyp Defekte am elektrischen Zuheizer Feuer im Amaturenbrett entflammten.

Aber auch Wartungsmängel kommen als Brandursache in Betracht. Zum Beispiel kame es wegen nicht korrekt in die Fassung geschraubten H7-Lampen in der Vergangenheit immer wieder mal zur Entzündung von Scheinwerfergehäusen.

So sind Fahrzeugbrände versichert

2017 haben die Kfz-Voll-und Teilkaskoversicherer rund 13 115 Fahrzeugbrände reguliert. Der Gesamtschadenaufwand belief sich auf 67,8 Millionen Euro, teilte Kathrin Jarosch vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e. V. (GdV) mit.

Bei in Brand gesetzten Fahrzeugen greift laut Kathrin Jarosch die Teilkaskoversicherung, „denn sie versichert unter anderem Gefahren wie Brand und Explosion. Das gilt auch, wenn das Fahrzeug eines anderen angezündet wurde und die Flammen auf mein Fahrzeug übergreifen und so einen Brandschaden verursachen.“

Die Teilkasko übernehme den Schaden. Für den Versicherungsnehmer falle nur die eventuell vereinbarte Selbstbeteiligung an. Eine Rückstufung gebe es in der Teilkasko nicht, sagt Kathrin Jarosch. Handelt es sich um einen Totalschaden, zahle die Versicherung den Wiederbeschaffungswert oder, wenn vertraglich vereinbart, sogar den Neupreis aus. „Der Restwert des Fahrzeugwracks wird von der Erstattungssumme abgezogen. Bei einer Beschädigung werden die Reparaturkosten ersetzt. Die Einzelheiten findet der Kunde im Versicherungsvertrag.“

Zu Dingen, die sich im Fahrzeug befanden: Versichert sei nur, was fest im oder am Fahrzeug angebaut ist. Außerdem Zubehör, das ausschließlich dem Gebrauch des Fahrzeuges dient. „Das mobile Navi oder ein Handy also nicht, der Kindersitz schon. Was genau und bis zu welchem Wert versichert ist, steht im Versicherungsvertrag.“


Richtiges Verhalten und Hilfeleistung

Die Mercedesfahrerin hat insofern am B14-/B29-Teiler vollkommen richtig gehandelt, dass sie ihr Auto sofort auf den Standstreifen gelenkt und angehalten hat, nachdem sie das Feuer bemerkte. Beim Anhalten und Abstellen eines brennenden oder qualmenden Fahrzeugs gilt: Sich selbst und andere nicht gefährden!

Experten raten zudem: Warnblinkanlage anschalten und Zündung aus! Nach dem Stopp sofort aussteigen und die Unfallstelle absichern (Warnweste anziehen, Warndreieck aufstellen). Ruhe bewahren. Derweil Notruf wählen (europaweit 112). Eventuell mit Feuerlöscher selbst löschen, dabei aber vorsichtig sein (Stichflammen- und Verpuffungsgefahr).

Aber: Explosionen wie in Hollywoodfilmen gibt es bei Autos nicht, weil die dazu notwendigen Luft-/Gasgemische in herkömmlichen Autos gar nicht entstehen können, Friedhelm Schicker von der Dekra in Stuttgart. Und in erdgasbetriebenen Autos gebe es Überdruckschutzventile. „Das heißt: Hilfspflicht! Auf jeden Fall versuchen, jemanden, der in einem brennenden Auto festsitzt, herauszuziehen. Dabei aber natürlich vorsichtig sein wegen möglicher Stichflammen, und auch den Qualm nicht einatmen!“

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