Nach Bürgermeisterwahl in Kernen Doch kein Rücktritt? Ehrlich spürt "Druck der Wähler"

Erich Ehrlich (hier in der alten Pfarrscheuer, die er mit dem Bauhof zur Blumenschau leer geräumt hatte) ist sich seines Rücktritts aus dem Gemeinderat offenbar nicht mehr ganz so sicher. Foto: ZVW/Sebastian Striebich (Archiv)

Kernen.
Na so was, wer saß denn da am Mittwochabend in der öffentlichen Sitzung des Technischen Ausschusses wie selbstverständlich neben seinem Fraktionsvorsitzenden Hans-Peter Kirgis? Richtig, Erich Ehrlich, Mitglied der SPD-Fraktion, wenn auch ohne Parteibuch. Der 74-Jährige beteiligte sich an der Beratung über ein Bauprojekt der Diakonie Stetten (Bericht folgt in der Samstagsausgabe), als wäre nichts gewesen. Dabei hatte er doch Ende September nach der Wahlniederlage des amtierenden Bürgermeisters Stefan Altenberger (55) angekündigt, aus dem Gemeinderat auszutreten.

Ärger über die eigene Fraktion

Hauptgrund: Die Kernener SPD habe den Herausforderer Benedikt Paulowitsch (31) im Wahlkampf unterstützt, obwohl sich die Fraktionen im Vorfeld darauf geeinigt hätten, Neutralität zu wahren. Ehrlich ist für seinen guten Draht zu Stefan Altenberger bekannt.

Unsere Zeitung hakte am Donnerstag telefonisch nach und erwischte den leidenschaftlichen Festles-Schaffer aus Rommelshausen bei den Aufbauarbeiten zum Fellbacher Herbst. „Ich hab doch gar keine Zeit zum Klardenken“, schimpfte der 74-Jährige drauflos und lachte: Weindorf, Fellbacher Herbst, dann die Römer Kirbe am nächsten Wochenende – er kümmere sich um Wasser und Elektrik der Festzelte und sei voll eingespannt. Was den Technischen Ausschuss angehe: Er habe doch von Anfang an klar gesagt, dass er bis Ende Oktober im Amt bleibe. War die Ausschusssitzung also seine letzte als Gemeinderat? Ehrlich zögert. Er sei gehörig unter Druck geraten, berichtet er. In den Tagen nach seiner Rücktrittsankündigung hätten ihn zahlreiche Kernener angerufen, die ihn dazu ermutigen wollten, im Amt zu bleiben. Er könne doch „die Leute nicht vor den Kopf stoßen, die mich gewählt haben“, erklärt Ehrlich seine Not. Sein Rücktrittsschreiben habe er jedenfalls noch nicht eingereicht. Das klingt nun gar nicht mehr so absolut wie noch vor eineinhalb Wochen. Es scheint, als bliebe Ehrlich dem Gemeinderat nun doch erhalten. Eine endgültige Stellungnahme wollte der 74-jährige aber nicht abgeben.

Ein anderer Kernener wird sicher an keiner Gemeinderatssitzung mehr teilnehmen: Bürgermeister Stefan Altenberger. Eine Sitzung des Verwaltungsausschusses am Donnerstagabend wurde abgesagt, die nächste offizielle Zusammenkunft des gesamten Gremiums ist auf den 7. November veranschlagt. Altenbergers Amtszeit endet bereits zum 1. November.

Wahl fristgerecht angefochten

Sein Nachfolger Benedikt Paulowitsch soll die Sitzung am 7. November leiten. Wobei das Landratsamt Rems-Murr unserer Zeitung nun bestätigt hat, dass 26-Stimmen-Kandidat Thomas Hornauer die Wahl fristgerecht angefochten hat. Laut Pressesprecherin Leonie Ries prüft das Kommunalamt des Rems-Murr-Kreises diese Anfechtung nun. Es hat auch die Gemeinde Kernen um Stellungnahme gebeten. Wird der Einspruch abgelehnt und die Wahl für gültig erklärt, kann Hornauer den Bescheid des Kreises wiederum am Verwaltungsgericht anfechten. Das hieße, dass der neue Kernener Rathauschef vorerst nur als „Amtsverweser“ eingesetzt wird, weitestgehend ohne Einschränkungen arbeiten kann, aber im Gemeinderat nicht stimmberechtigt ist. So ist es in der jüngeren Vergangenheit einigen neugewählten Bürgermeistern ergangen – in den meisten Fällen gingen die Klagen auf Dauerkandidaten Fridi Miller zurück.

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