Nach Bürgermeisterwahl in Kernen Thomas Hornauers nächste Niederlage

Daumen hoch trotz der nächsten Schlappe – Thomas Hornauers Anfechtung der Bürgermeisterwahl ist vom Landratsamt negativ beschieden worden. Die jüngste Gemeinderatssitzung verfolgte der Plüderhäuser im Publikum. Foto: ZVW/Sebastian Striebich

Kernen-Stetten. Das Landratsamt hat die Wahlanfechtung Thomas Hornauers zurückgewiesen. Bürgermeister-Wahlsieger Benedikt Paulowitsch kann sein Amt in einer Woche antreten. Lediglich auf das Stimmrecht im Gemeinderat muss er vorerst verzichten.

Thomas Hornauer hat den Grund für seine Wahlniederlage Ende September (0,4 Prozent der Stimmen) längst identifiziert: Der Zeitungsverlag Waiblingen ist schuld, der seinen „Wunschkandidaten“ Benedikt Paulowitsch unbedingt ins Amt heben wollte. Das hat Hornauer schon im Wahlkampf immer wieder öffentlich behauptet. Die in seinen Augen unfaire Berichterstattung ist es auch, die der 59-Jährige zum Mittelpunkt seiner Wahlanfechtung beim Landratsamt gemacht hat. Diese Wahlanfechtung hatte er im Oktober fristgerecht in Waiblingen eingereicht.

Jetzt haben die Prüfer des Landratsamts befunden: Hornauers Einspruch wird abgewiesen, die Wahl ist gültig. Nichts anderes hatte man im Kernener Rathaus erwartet.

Zieht Hornauer vor Gericht, hängt Kernen „in der Warteschleife“

Bis Benedikt Paulowitsch als Bürgermeister ins Amt eingesetzt werden kann, dürften trotzdem noch einige Monate verstreichen. Denn es ist wahrscheinlich, dass Hornauer gegen den Bescheid des Landratsamts vors Verwaltungsgericht ziehen wird. Dann „sind wir in der Warteschleife“, sagte der Kernener Hauptamtsleiter Stefan Reichmann bei der Gemeinderatssitzung am Donnerstagabend im Bürgerhaus.

„Fragen wir ihn doch, ob er sich im Interesse unserer Gemeinde mit der Entscheidung zufrieden gibt“, regte Ebbe Kögel (Parteifreies Bündnis) an, schließlich sitze Hornauer ja im Publikum. „Darf ich was sagen?“, fragte der Plüderhäuser daraufhin. „Nein“, antwortete Hauptamtsleiter Reichmann. Das sei gegen die Regeln des Rats. Woraufhin Hornauer sich ohne Murren fügte, die Sitzung sogar noch eine ganze Weile mitverfolgte und nur noch einmal auffiel, als eines seiner Telefone bimmelte.

Doch zurück zur Kommunalpolitik: Einstimmig beschlossen die Räte, Benedikt Paulowitsch ab 15. November zunächst als Amtsverweser der Gemeinde Kernen zu bestellen und somit „den Wählerwillen zu vollziehen“, wie es der Beigeordnete Peter Mauch ausdrückte. Paulowitsch, der bei der Bürgermeisterwahl am 29. September auf 55 Prozent der Stimmen gekommen war und so den amtierenden Bürgermeister Stefan Altenberger (43,5 Prozent) nach 16 Jahren überraschend aus dem Amt gekegelt hatte, darf sich Bürgermeister nennen und kann seine Amtsgeschäfte weitestgehend ohne Einschränkungen erledigen. Allerdings hat er im Gemeinderat kein Stimmrecht, bis in letzter Instanz über die Gültigkeit seiner Wahl entschieden wurde.

Fällt diese endgültige Entscheidung, vermutlich des Verwaltungsgerichts, positiv aus, wird Paulowitsch vom CDU-Gemeinderat und stellvertretenden Bürgermeister Helmut Heissenberger in öffentlicher Sitzung verpflichtet.


Amtsverweser

Da tritt einer zur Bürgermeisterwahl an, gewinnt und muss sich doch die Bezeichnung „Amtsverweser“ gefallen lassen. So richtig begeistert ist der Kernener Bald-Bürgermeister Benedikt Paulowitsch davon verständlicherweise nicht. „Das ist ein sehr althergebrachter Begriff“, sagte auch der Kernener Hauptamtsleiter Stefan Reichmann in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats, „aber die Gemeindeordnung ist eben auch alt“.

Mit dem Verwesen toter Lebewesen hat der Begriff freilich nichts zu tun. Er stammt aus dem Althochdeutschen: „firwesan“ hieß „jemandes Stelle vertreten“.

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