Nach dem Bundesliga-Aufstieg Zehn Gründe, die Union Berlin so besonders machen

Berlin. Nach zehn Jahren in der 2. Bundesliga ist der 1. FC Union Berlin erstmals erstklassig. Das deutsche Oberhaus darf sich in der kommenden Saison auf einen ungewöhnlichen Neuling freuen.

Nach der erfolgreichen Relegation gegen den VfB Stuttgart erhält die Fußball-Bundesliga Zuwachs durch einen nicht ganz alltäglichen Verein: den 1. FC Union Berlin. Die Köpenicker sind der 56. Neuling im deutschen Oberhaus - aber alles andere als gewöhnlich.

Zehn Dinge, die den Club aus Ost-Berlin besonders machen.

1. Gegenentwurf

Die Köpenicker sehen sich selbst als Gegenentwurf zum Establishment und dem Kommerz im Fußball. Nicht umsonst heißt es in der Vereins-Hymne: "Wer lässt sich nicht vom Westen kaufen? Eisern Union!" Als einziger der 38 Profivereine stimmten die Berliner 2012 gegen das Sicherheitskonzept des DFB, um sich "nicht dem politischen Druck zu beugen." Das sorgte für Aufsehen, aber auch für Ablehnung. 

2. Stadionbau 

2300 der treuesten Fans halfen in der Saison 2008/09 mit den eigenen Händen beim Stadionausbau, weil das Geld knapp war. Im 99 Jahre alten Stadion An der Alten Försterei gibt es derzeit bei 22 012 Plätzen nur 3617 Sitzplätze. "Unioner stehen" - ist die Devise. Geplant ist - auch zur Erfüllung der DFL-Auflage von 8000 Sitzplätzen - ein Ausbau auf 37 000 Plätze. 

3. Weihnachtssingen

Bei Union wird nicht nur Fußball gespielt, sondern auch gesungen. Seit 2003 füllen jährlich Fans das Stadion, um jeweils am 23. Dezember ab 19.00 Uhr gemeinsam Weihnachtslieder zu singen. In den zurückliegenden Jahren war die Kultveranstaltung mit 28 500 Tickets in wenigen Stunden ausverkauft.

4. Ein Fan als Präsident 

Der heutige Clubchef Dirk Zingler stand früher selbst im Fanblock. Bis heute ist er der größte Anhänger der Eisernen. "Ich habe 40 Jahre lang auf diesen Tag gewartet", sagte er nach dem 0:0 am Montag gegen Stuttgart.

5. Die Stadion-Aktie

Vor sieben Jahren kaufen 5473 Fans Stadion-Aktien und halten seitdem rund 44 Prozent an der Stadionbetriebs AG. Damit entscheiden die Fans über den Stadionnamen und werden nie zulassen, dass ihr «Wohnzimmer» wechselnde Namen von Sponsoren trägt.

6. Der Anglerfreund

Urs Fischer macht seinem Namen alle Ehre. Der Schweizer Trainer ist ein passionierter Hobby-Angler. Bei Instagram postet er auch schon mal Fotos vom Fliegenfischen in Brandenburg.

7. Das Stadt-Derby

Freunde zu Mauerzeiten, abgekühltes Verhältnis nach der Wende: Die Beziehung zwischen den Fans von Union und dem Stadt-Rivalen Hertha BSC hat sich stark verändert. In Herthas Zweitliga-Jahren 2010/11 behauptet sich Union nach 1:1 und 2:1 im Olympiastadion als "Stadtmeister", zwei Jahre später revanchiert sich Hertha 12/13 mit einem 2:1 an der Alten Försterei, kommt aber in der heimischen Arena nicht über ein 2:2 hinaus.  

8. Nina Hagen

Punkröhre Nina Hagen singt seit 1998 nicht zufällig die Hymne der Unioner. "Wir aus dem Osten geh'n immer nach vorn", heißt es im Song der Kultsängerin, die als Kind mit ihrem Vater im Stadion weilte und den Köpenickern die Daumen drückte. 

9. Kreativität

Im WM-Sommer 2014 erlangt Union durch eine spektakuläre Aktion Bekanntheit. Berliner Fans bringen ihre Sofas auf den Stadionrasen, um gemeinsam die Spiele der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien anzuschauen. Bei Partien mit deutscher Beteiligung finden sich mehr als 10 000 Gäste in Köpenick ein. 

10. Der Politiker

Oliver Ruhnert ist nicht nur Geschäftsführer beim 1. FC Union, sondern sitzt als Fraktionsvorsitzender der Partei Die Linke auch im Rat der Stadt Iserlohn. Dafür reist der frühere Schalker regelmäßig zwischen beiden Orten hin und her.


Union-Präsident Zingler erlebt Schlusspfiff auf Toilette 

Die letzten Minuten vor dem lange ersehnten ersten Bundesliga-Aufstieg seines 1. FC Union Berlinkonnte Dirk Zingler nicht mehr von der Tribüne aus mitansehen. Stattdessen verfolgte der Club-Präsident den Schlusspfiff zum 0:0 gegen den VfB Stuttgart an einem ungewohnten Ort. "Meine Frau war auf der Damentoilette, ich war auf der Herrentoilette», berichtete der langjährige Chef des Fußball-Clubs aus Köpenick am Montagabend. «Und dann haben wir uns davor getroffen."

Auch nach den ersten Feierlichkeiten konnte Zingler sein Glück kaum fassen. "Ich habe 40 Jahre lang auf diesen Tag gewartet. Aber wenn es dann soweit ist, fühlt es sich komisch an", sagte der Unternehmer gerührt. Zingler führt den Club seit 2004 als Präsident und erlebte in seiner ersten Zeit in dieser Funktion auch eine Saison in der Oberliga mit. "Das ist surreal, ich fasse es gar nicht", sagte er. Nach dem 2:2 im Hinspiel reichte Union ein torloses Unentschieden im zweiten Duell mit dem Bundesliga-Dritten aus Stuttgart zum Aufstieg ins Oberhaus.

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